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 Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.

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Neela Vivia Lundin
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BeitragThema: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Fr 15 Sep 2017 - 19:18



WO ANDERE BLINDLINGS DER WAHRHEIT FOLGEN, BEDENKET: NICHTS IST WAHR.

22.05.15 | Casper King & Neela Vivia Lundin | Nachts auf den Straßen | Schicksal: Ja | Privat




„Das darf doch nicht wahr sein...“, verließ es in ihrer Muttersprache murmelnd die Lippen der Schwedin, als sie sich nun schon zum wiederholten Male um die eigene Achse drehte, auf der Suche nach einem Anhaltspunkt, der sie zurück zu Elions Wohnung bringen würde. Sie war erst seit knapp zehn Tagen in London und war ungefähr genauso lange schon bei ihrem Kindheitsfreund untergekommen - wobei untergekommen in diesem Fall hieß, dass sie eine WG gegründet hatten. Ein Einfall, der nach dem leeren einer ganzen Flasche Whiskey wie die größte Entdeckung gewirkt hatte, doch auch als der Alkohol ihre Körper wieder verlassen hatte, waren die Skandinavier mit der Idee zufrieden gewesen. Immerhin waren sie schon seit Kindertagen befreundet und nur weil sie sich nun schon lange nicht mehr gesehen hatten, hieß dies nicht, dass sich ihre Freundschaft irgendwie verändert hätte. Ganz im Gegenteil, war doch Neela erst neulich mit Elion sogar auf dem Schwarzmarkt angegriffen worden. Ein Glück, dass sie da nochmal davon gekommen waren.
Allerdings sollte man meinen, dass zehn Tage ausreichten, um sich zumindest gewisse Bezirke der Stadt zu merken, doch die chaotische Blondine bewies ein weiteres Mal, dass sie nicht selten aus der Norm fiel. Heute Nachmittag war sie zu einem Vorstellungsgespräch im St. Mungo's aufgebrochen, denn dies war mit ein Grund gewesen, weshalb sie überhaupt erst nach London gekommen war. Abgesehen von dem Vorfall in dem Krankenhaus in Stockholm, in welchem sie zuvor gearbeitet hatte, der schließlich dazu geführt hatte, dass sie ihren Job verlor. Jedenfalls war die Bewerbung ansich ganz gut gelaufen, zumindest hatte Neela kein schlechtes Gefühl bei der Sache und nachdem sie sich noch alleine in ein Café gesetzt hatte, um in Ruhe das Londoner Flair zu genießen, war sie nach Hause aufgebrochen und bis jetzt noch nicht angekommen... Irgendwo musste sie wohl falsch abgebogen sein - wieder und wieder und wieder, sodass sie nun keine Ahnung mehr hatte, wo sie überhaupt war. Zu allem Überfluss war es längst dunkel geworden, ihr Magen knurrte und ihe Kleidung bestehend aus einem schwarzen Bleistift Rock, dem dazu passenden Blazer, einer klassisch weißen Bluse darunter und schwarzen Pumps war wahrlich nicht für längere Spaziergänge ausgelegt. Die ersten Blasen hatten sich an ihren Fersen bereits angekündigt, was die Laune der Schwedin nicht gerade anhob. Blieb zu hoffen, dass dieser Job den Aufwand wert war...

Eigentlich hätte sie Elion ja längst anrufen sollen, doch einerseits wusste sie, dass er heute bei Saphira war und andererseits war sie auch ein bisschen zu stolz, um zuzugeben dass sie sich verlaufen hatte. Besonders nachdem Elion ihr noch scherzhaft angeboten hatte, ihr eine Karte zu zeichnen, wo er doch wusste, dass ihr Orientierungssinn grottig war. Ein Wunder, dass sie das St. Mungo's überhaupt rechtzeitig gefunden hatte. Mit einem resignierenden Seufzen kramte sie nun aber doch ihr Handy aus der Tasche und wollte gerade Elions Nummer wählen, da fielen ihre eisblauen Augen in die kleine Seitengasse neben sich und sie glaubte, dort etwas auf dem Boden liegen zu sehen. Ohne weiter darüber nachzudenken, ob es eventuell gefährlich werden könnte, nachzusehen, um was es sich handelte, steckte sie das Handy wieder weg und lief in die dunkle Gasse. Ihre Schuhe klackerten bei jedem Schritt und schafften nicht gerade eine beruhigende Atmosphäre, doch als Neela schließlich erkannte, dass da vor ihr ein lebloser Körper lag, stürzte sie mit einem erschrockenen Laut zu diesem und ließ sich auf den kalten Boden fallen. „Hallo, alles in Ordnung?“, sprach sie die Person an, die sich als großgewachsener Mann ohne Bewusstsein herausstellte. Sein Gesicht war blutverschmiert und wer wusste schon, ob nicht ein paar Knochen gebrochen waren. „Können Sie mich hören?! Hallo?!!“, rief sie auf den Mann ein und legte zwei Finger an seinen Hals. Zumindest war er nicht tot.


Zuletzt von Neela Vivia Lundin am Sa 30 Sep 2017 - 1:10 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Casper King
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Fr 15 Sep 2017 - 22:26

Es war spät, wenngleich es noch lange nicht Zeit war, aufzubrechen. Man konnte Casper King zwar einiges vorwerfen, doch seine Pflichten als Familienvater und selbstständiger Geschäftsmann würde er trotz der einladenden Atmosphäre im tropfenden Kessel nicht vernachlässigen. Nachdem er sein Geschäft in der Winkelgasse für heute geschlossen hatte, hatte er sich in der urigen Kneipe noch ein paar Biere gegönnt und mit dem Halbriesen Ernie über die letzte Quidditchsaison diskutiert. Irgendwann hatten die Männer begonnen, Karten zu spielen, wo viele weitere Kneipenbesucher eingestiegen waren, und daraus war im Laufe des Abends dann irgendwie ein Trinkspiel geworden. Köstlich hatte Casper sich amüsiert, doch durch ein paar unfaire Tricks, die ihm stets eine gute Hand ermöglicht hatten, war es ihm zum Glück erspart geblieben, den tropfenden Kessel total besoffen verlassen zu müssen. Denn auch, wenn er Alkohol durchaus mochte und er gerne auch mal über die Stränge schlug, hatte er immer im Hinterkopf, dass er eben nicht mehr 20 war und Zuhause die ein oder andere Verpflichtung auf ihn wartete.
Nachdem er sich bei dem Barkeeper und seinen neu gefundenen Freunden verabschiedet hatte, entschied er sich dafür, den Heimweg zu Fuß anzutreten, denn er wusste aus Erfahrung, dass es nicht ratsam war, angetrunken zu apparieren. Die Gefahr zu zersplintern war ohnehin stets präsent wenn man apparierte - doch wenn man dabei auch noch unter Einfluss von Drogen stand, konnte man sich eigentlich fast sicher sein, dass man seinen Arm oder zumindest ein paar Zehen auf halber Strecke irgendwo im Nichts verlor. Nein, er brauchte seine Gliedmaßen alle noch und das bisschen frische Luft würde ihm sicherlich gut tun.

Gemächlich ging der bärtige Hüne über die ruhigen, abgelegenen Straßen von Muggellondon. Er konnte gedämpft den Straßenlärm hören, der selbst zu dieser späten Stunde noch von der weiter entfernten Hauptstraße kam und die ganze Stadt wie einen Schleier einhüllte. Im Kontrast dazu waren die Wege, die er wählte, unfassbar ruhig. Keiner Menschenseele lief er über den Weg, doch eigentlich bedauerte er dies auch nicht. Die meisten, die ihn nachts sahen, bekamen es sofort mit der Angst zu tun. Sie gingen dann möglichst schnell an Casper vorbei oder wechselten die Straßenseite, einfach, weil er offenbar nicht gerade sehr freundlich aussah. Nicht selten sagte man ihm auch direkt ins Gesicht, dass er nicht so ernst gucken solle, da er dadurch - und durch sein generelles, raues Auftreten - ziemlich bedrohlich wirkte.
Und das, obwohl er eigentlich ein total netter Kerl war. Gut, er prügelte sich gern, trank und rauchte, war also weiß Gott kein perfekter Mensch. Aber er war, auch wenn man es ihm nicht wirklich zutraute, ein verantwortungsbewusster Mann, der durchaus so etwas wie eine Moral besaß. Er mochte unhöflich und taktlos wirken, aber er meinte es eigentlich nie böse. Er riskierte es halt lieber, mit seiner Offenheit andere zu verärgern, als hinterher als Lügner dazustehen. Und nicht selten hatte er sich in seinem Leben dadurch schon die ein oder andere Schelle gefangen...

... an diesem Abend jedoch hatte er niemanden provoziert, und doch sollte er sein Zuhause nicht unversehrt erreichen. Er stand gerade in einer Seitengasse und war damit fertig geworden, seine Blase zu entleeren, als er, direkt, nachdem er seinen Hosenstall geschlossen hatte, eine Bewegung aus dem Augenwinkel erkannte. Trotz des milden Einflusses des Alkohols gelang es Casper, sich rechtzeitig umzudrehen und durch das instinktive Hochreißen seines Armes konnte er einem maskierten Angreifer einen Gegenstand aus der Hand schleudern, welcher beim Aufprall auf dem Asphalt den Klang von leichtem Plastik wiedergab.
"Scheiße", fluchte der Angreifer mit tiefer Stimme, worauf dieser von Casper zurückweichen wollte, um den Gegenstand zu suchen, doch der muskulöse Besenhersteller hatte den Unbekannten am Kragen gepackt und versuchte, ihn mit einer heftigen Kopfnuss handlungsunfähig zu machen. Dummerweise war der Typ zu schnell und hatte den Angriff nicht mit der beabsichtigten Wucht abbekommen, weshalb er durchaus noch stand, nachdem seine Stirn Bekanntschaft mit Caspers Stirn gemacht hatte. Casper holte daraufhin mit der Faust aus und traf mit dieser das Kinn des Maskierten, während die andere Hand ihn noch immer am Kragen festhielt. Klagende Laute kamen von dem Mann, als Casper ihn dann unsanft von sich schob und endlich losließ, sodass er noch ein paar Schritte nach hinten taumelte. Er stolperte allerdings nicht. Vor Schmerz zischend fasste er sich oberhalb der Maske an den Unterkiefer, während er rückwärts von Casper zurückwich, welcher offensichtlich angenervt in der Gasse stand, die grünen Augen ernst auf den Unbekannten gerichtet.
"Im Ernst, was soll der Mist...", knurrte er, doch eine Antwort sollte er nicht kriegen. Stattdessen zog der Maskierte einen Zauberstab, worauf er einen Schockzauber anwandte, um den Besenhersteller gegen die Müllcontainer hinter ihm zu schleudern. Schmerzhaft prallte der hochgewachsene Zauberer gegen die metallenen Container und ein entsprechendes Seufzen kam über seine Lippen, nachdem der Schock nachgelassen hatte. Er blinzelte heftig, litt unter massivem Schwindel, richtete sich aber dennoch auf und zog ebenfalls seinen Zauberstab, welcher beim Aufprall allerdings dummerweise durchgebrochen war, wie er feststellte, als er nur den Griff seines Stabes in der Hand hielt und er diesem keinem Zauber abringen konnte.
"Hahaha, dumm gelaufen", kam es nun von einer anderen, männlichen Stimme hinter ihm, welche langsam auf ihn zukam. Der erste Maskierte leuchtete mit seinem Zauberstab gerade den Boden ab, um das zu finden, was er vorhin fallen gelassen hatte, weshalb Casper es irgendwie für clever hielt, diesem den Rücken zuzudrehen, um die Quelle der zweiten Stimme ausfindig zu machen. Doch kaum hatte er sich herum gedreht, spürte er einen heftigen Hieb in den Rippenbogen, worauf er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht nach vorn beugte, um die angegriffene Stelle zu entlasten. Doch dann traf ihn auch schon ein Knie ins Gesicht.
"Du hast auf Muggelart begonnen, also führen wir es so zuende", murmelte er düster, worauf er Casper an der Jacke gegen die nächste Mauer schleuderte. Wie ein nasser Sack taumelte er dagegen, nicht fähig, sich zu wehren, da die Schmerzen in Rippen und Gesicht ihn lähmten. "Hast du sie endlich?" Worte, die an seinen Komplizen gerichtet waren. "Ich fass es nicht, dass du sie dir aus der Hand hast schlagen lassen...."
"Ja, hab sie. Er ist schneller als er aussieht, der Mistkerl..."
Die Worte drangen nur gedämpft an Caspers Ohren, während er schwach blinzelnd die Szene zu erfassen versuchte. Er sah verschwommen, schmeckte Blut auf seiner Zunge und konnte sich nur unter Schmerzen wieder aufrichten, doch kaum war es ihm gelungen, wieder auf zwei Beinen zu stehen, schlug der zweite Kerl erneut auf ihn ein. Selbst als Casper auf dem Boden lag, trat man auf ihn ein,
"Na los, jetzt mach schon, bevor er bewusstlos wird."
Schritte, die direkt vor ihm endeten. Dann ein pieksen in seinen Hals. Eine Nadel? Was es auch war, er konnte sich nicht dagegen wehren. Casper versuchte, die Augen offen zu halten, doch die beiden maskierten Gestalten vor ihm verschwammen bald schon, und mit dem nächsten Blinzeln waren sie in der Dunkelheit der Nacht verschwunden.
"Hilfe...", wimmerte der sonst so harte Brite leise und hilflos, als er merkte, wie es auf einmal dunkler wurde. Seine Muskeln erschlafften, seine Augenlider fielen zu und als würde eine unerklärliche Kraft ihn übermannen, gab er sich der Schwäche hin. Er verlor sein Bewusstsein - und gleichzeitig noch so vieles mehr.

"Können Sie mich hören? Hallo?!!", drang eine weibliche Stimme zu ihm durch und als er etwas warmes an seinem Hals spürte, gelang es ihm, seine Augen kurz zu öffnen. Verschwommen sah er die Silhouette einer Frau, im schwachen Schein einer Straßenlaterne erkannte er sogar ihre Haarfarbe. Blond. Sofort stellte er eine Assoziation zu dieser Haarfarbe her, eine Assoziation, die aufgrund des Akzents der jungen Frau überhaupt nicht möglich war. Aber er kannte nur eine blonde, weibliche Person, und er glaubte, sie stand gerade vor ihm.
"Cailin...", keuchte er, doch mehr kam nicht über seine trockenen, vom eigenen Blut verkrusteten Lippen, denn jedes weitere Wort, ja, schon jeder weitere Atemzug bereitete ihm höllische Schmerzen. Schmerzen, so stark, dass sie ihm das Bewusstsein direkt wieder raubten. Die Augäpfel drehten sich in ihren Höhlen nach hinten und die Muskeln des großen Mannes erschlafften sofort wieder. Seine Atmung war flach und schnell, während seine Haut kaltschweißig und immer blasser wurde...
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Neela Vivia Lundin
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   So 17 Sep 2017 - 20:43

Bestimmt, aber doch sanft rüttelte sie den schweren, leblosen Körper, konnte sie doch bislang nicht abschätzen an welchen Verletzungen er litt. Doch bevor sie sich darum kümmern konnte, musste sie zuerst einmal wissen, wie tief seine Ohnmacht war und als seine Augenlider mit einem Mal zuckten, stieg eine Welle der Erleichterung in ihr auf. Er kam wieder zu sich, das war doch schon einmal etwas. Mit schwacher Stimme keuchte er etwas. Cailin? Ob das seine Freundin war? Oder Frau? Wer konnte dies schon genau wissen und Neela hatte auch kaum Zeit, Fragen darüber zu stellen, denn sofort zuckten seine Muskeln vor Schmerz, die Augäpfel drehten sich nach innen und sein Bewusstsein verabschiedete sich wohl in ein schwarzes Loch. „Verdammt...“, zischte die Schwedin in ihrer Muttersprache und ihre Gedanken rasten, was nun der richtige Schritt wäre. Sie hatte keine Ahnung, ob der Kerl ein Muggel oder ein Zauberer war, weshalb sie ihn unmöglich ins St. Mungo' bringen konnte. Andererseits hatte er augenscheinlich zwar keine magischen Verletzungen, doch sollte hier doch Magie im Spiel gewesen sein, würden die Muggelkrankenhäuser ihm kaum helfen können. Abgesehen davon, dass sie dann erst noch einen Krankenwagen rufen musste und die konnten ja bekanntlich ziemlich lange auf sich warten lassen, wenn man die Fortbewegungsmittel der Zauberer gewohnt ist. Sie selbst hatte natürlich all ihre Utensilien für Heiltränke zu Hause und das einzige, was sie mit ihrem Zauberstab nun anrichten könnte, wäre seine gebrochene Nase wieder herzurichten. Was eindeutig nicht die höchste Priorität war.
Die eisblauen Augen einmal in der dunklen Gasse auf und ab werfend, konnte sie in ihrem näheren Umfeld niemanden erkennen, der ihr möglicherweise helfen könnte, den bewusstlosen Körper von A nach B zu bewegen und auch dies könnte sie mit ihrem Zauberstab wohl vergessen. Würde den Muggeln wohl einen schönen Schrecken einjagen, wenn eine Frau mit Zauberstab gefolgt von einem blutüberströmten, schwebenden Mann durch die Straßen spazierte. Auch wenn es ein wenig riskant war, mit jemandem ohne Bewusstsein Seit-an-Seit zu apparieren, sah Neela darin doch die vernünftigste Möglichkeit. Und vor allem die schnellste. Darauf hätte sie ja wohl eigentlich auch früher kommen können, bevor sie sich stundenlang in London verlief, schließlich hatte sie ja die ganze Zeit über gewusst, wohin sie wollte... Hier war wieder einmal der Beweis, dass sie stets handelte, ohne zu denken. Einfach mal loslaufen und sich in der Stadt verirren, anstatt direkt nach Hause zu apparieren. Jap, klingt ganz nach Neela!
Allerdings hätte sie den armen Kerl wohl unter anderen Umständen auch nicht gefunden, was für ihn vielleicht keine so rosigen Aussichten gesorgt hätte, also war es wohl irgendwie auch gut, dass sie so chaotisch war. Zumindest dieses Mal...

Also erhob sie sich und schulterte wieder ihre Tasche, welche sie zuvor achtlos auf den Boden fallen gelassen hatte. Eine Hand des Mannes hielt sie dabei fest und betete, dass sie es mit einem möglichen zersplinter Unfall nicht noch schlimmer machte. Fest drückte sie die Augen zu, drehte sich auf der Stelle und die beiden Körper verschwanden mit einem leisen Plopp.
Als sie ihre Lider wieder öffnete, atmete Neela erleichtert aus. Der Mann lag neben ihr mit all seinen Gliedmaßen kaum drei Meter von Elions Wohnungstüre weg. Rasch zückte die schwedische Hexe nun ihren Zauberstab, blickte sich nach möglichen Beobachtern um und brachte den Körper den Fremden mit einem Schwung des Stabes zum Schweben. Rasch schloss sie die Eingangstüre auf und trat hinein, gefolgt von dem reglosen Körper, den sie - nachdem sie wieder abgeschlossen hatte - sofort auf die Couch im Wohnzimmer buxierte. „Accio Heiltränke!“, befahl sie dann und schon flogen die Phiolen aus ihrem Zimmer heraus in den Wohnraum. Neela fing sie auf und setzte sich neben den Mann, um seine Wunden zu untersuchen. Die gebrochene Nase stach ins Auge und als sie seinen Körper abtastete, konnte sie Brüche der Rippen erahnen. Rasch griff sie also nach einem der Fläschchen und flößte ihm ein paar Tropfen davon ein, ehe sie mit dem Zauberstab seine Nase korrigierte und anschließend eine Schüssel Wasser und einen Lappen holte, um ihm sanft das Blut vom Gesicht zu waschen.
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Casper King
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Di 19 Sep 2017 - 0:11

Die Heiltränke erfüllten rasch ihren Zweck und begannen, ihre Wirkung zu entfalten, während der dunkelblonde Hüne bewusstlos auf der Couch einer Londoner Stadtwohnung lag. Er bekam nicht mit, wie viel Zeit verging, doch dies wäre angesichts der Tatsache, dass er den Zeitfluss der letzten 18 Jahre vergessen sollte, fast schon lächerlich.
Ruhig war sein Puls, als er die Augen langsam öffnete. Die grünen Augen hatten Probleme, die Umgebung scharf zu stellen, alles wirkte verschwommen, unklar, und auch sein Körper fühlte sich befremdlich und konturlos an. Sein Mund war trocken, die Lippen fühlten sich taub an, die Augenlider waren schwer und wollten ihm immer wieder zufallen und ihm war so, als wären seine Muskeln so schwach, dass er nicht einmal einen Arm heben könnte. War er betäubt worden? Er glaubte, dieses Gefühl von starken Schmerzmitteln zu kennen. Vielleicht irrte er sich aber auch nur und er hatte den Kater seines Lebens.
Während seine Augen noch immer nicht in der Lage waren, das Bild scharf zu stellen, versuchte der dunkelblonde Brite zu rekonstruieren, was er in der letzten Nacht erlebt hatte, doch er konnte sich an nichts erinnern. Er wusste nicht, was er zuletzt gemacht hatte, er wusste nicht einmal, wo er war, oder wer er war. Diese Ungewissheit ließ allmählich Unruhe in ihm aufsteigen, wodurch er die Energie gewann, die Augen endlich ganz zu öffnen. Sein Puls stieg in der plötzlichen Aufregung und sein Blick veränderte sich von friedlicher Erschöpfung zu unsicherer Perplexität. Ein paar Mal blinzelte er heftig, bis er endlich eine Gestalt vor sich erkannte. Wobei man hier wirklich nicht von erkennen sprechen konnte, denn er kannte diese Dame nicht. Sie war eine Unbekannte. Trotz Caspers misslichen Lage fiel ihm zwar auf, dass sie ausgesprochen hübsch war, doch beruhigen konnte ihn das auch nicht. Sollte er diese Frau kennen?

Er versuchte, sich aufzurichten, doch kaum hatte er diesen Versuch unternommen, wurde er auch schon dafür bestraft. Wie heftige Blitze durchzuckten ihn Schmerzen, welche zwar gedämpft aber dennoch unerwartet heftig waren. Ja, er hatte Schmerzmittel bekommen, sonst hätten die Schmerzen ihm wohl ungezügelte, unsittliche Flüche entlockt. Nun jedoch ließ er den schweren Oberkörper mit einem schmerzverzerrten Gesicht und einem leisen Stöhnen einfach wieder sinken. Desillusioniert blickte er an die weiße Zimmerdecke, von welcher er nicht wusste, wem sie gehörte. War dies seine Wohnung? War die junge Blonde vielleicht sogar seine Freundin? Die grünen Augen huschten verstohlen zu ihr, musterten sie kurz und stellten fest, dass sie zu gut gekleidet war für einen Mann wie ihn. Frauen wie sie interessierten sich nicht für raue Kerle wie ihn. Aber wieso lag er sonst auf ihrer Couch?
Erstmals wagte er es, an sich herunter zu sehen, wofür er eine Decke, die auf ihm lag, leicht anhob. Sein unbekleideter Oberkörper war mit stützenden Bandagen umwickelt und wo seine Hose war, wusste er nicht. Zögernd betrachtete er dann seine Hände und er lupfte skeptisch eine Augenbraue, als er Abschürfungen und Prellungen an den Fingerknöcheln entdeckte. Hatte er sich etwa geprügelt? Er wollte die Hände gerade senken, als ihm eine Besonderheit an seinem rechten Ringfinger auffiel. Eine Einkerbung - etwa von einem Ring? Er trug keine Ringe, woher also sollte dieser Abdruck kommen? Sein Blick verdüsterte sich, als er realisierte, wie wenig er eigentlich über sich selbst wusste. Sein Kopf fühlte sich leer an, als hätte jemand dessen Inhalt einmal mit dem Stabmixer püriert und damit unbrauchbar gemacht.
Zögernd wagte er es, die Augen wieder auf die hübsche Unbekannte zu legen, welche noch immer neben ihm saß. Sie wirkte freundlich, doch wer sagte, dass sie nicht diejenige war, die ihn in diesen Zustand gebracht hatte? Die unschuldig wirkenden, engelsgleichen Frauen waren immer die gefährlichsten, glaubte Cas zu wissen, doch dann fiel ihm ein, dass er sich mit Frauen nicht prügelte und sie - wenn er es doch getan hätte - nicht mehr so ordentlich aussehen würde.
"Wo bin ich...", krächzte er dann schwach und heiser. Der gedämpfte Schmerz meldete sich selbst bei der minimalen Bewegung seines Unterkiefers, welche er erzeugen musste, um zu sprechen. "Was ist passiert... und wer sind Sie...?" Der raue Brite war eigentlich nicht leicht zu beunruhigen, doch in den sonst so bedrohlichen Augen dominierte in diesem Augenblick Sorge, vielleicht sogar gemixt mit einer Spur Angst.
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Neela Vivia Lundin
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Di 19 Sep 2017 - 16:09

Nachdem die Heiltränke ihre erste Wirkung entfalteten, hatte Neela sich daran gemacht, den Mann von seiner dreckigen und blutigen Kleidung zu befreien, um die gebrochenen Rippen auch von außen bandagieren zu können. So gut es ihr möglich war, reinigte sie auch seinen Oberkörper von Blutrückständen und schließlich hatte sie eine Decke geholt, um darauf zu warten, bis er aufwachte. Dass sie selbst immer noch in ihrem Kostüm steckte, hatte sie dabei gar nicht bemerkt. Lediglich den Blazer hatte sie achtlos ans andere Ende der Couch befördert und die Ärmel ihrer Bluse waren hochgekrempelt, um durch jene nicht bei der Arbeit gestört zu werden. Die Schwedin musste wohl ebenfalls ein wenig eingenickt sein, denn das leise Stöhnen des Fremden, als dieser scheinbar den Versuch unternommen hatte, sich aufzurichten, ließ sie hochschrecken und sofort drückte sie ihn noch zusätzlich mit sanfter Bestimmtheit auf das Kissen zurück, das sie ihm unter den Kopf geschoben hatte. „Nicht! Sie sollten sich erst einmal nicht so viel bewegen.“, erklärte sie ihm dann mit ihrem schwedischen Akzent, welchen sie selbst zwar gar nicht wahrnahm, doch egal wie gut ihr englisch war, würden die gebürtigen Briten doch sofort erkennen, dass sie eigentlich aus dem Ausland kam.

Ein flüchtiger Blick aus dem Fenster zeigte ihr, dass es tief in der Nacht sein musste, denn lediglich die Straßenlaternen vor der Wohnung warfen ein sperrliches Licht auf die Straße. Der Mann hatte also bestimmt einige Stunden geschlafen, was für den Heilungsprozess selbstredend kein Nachteil war und da er im nächsten Augenblick mit krächzender Stimme fragte, was passiert war und wer Neela war, ließ die Heilerin darauf schließen, dass er sich nicht an den kurzen Moment des Erwachens erinnern konnte, als sie ihn fand. Dies schien nicht weiter verwunderlich, denn er war sehr stark verletzt gewesen, doch offensichtlich wies sein Gedächtnis noch ein paar weitere Lücken auf, was den vergangenen Abend betraf. Was ihm nämlich zugestoßen war, hätte die blonde Schwedin selbst gerne gewusst. Doch vielleicht würde seine Erinnerung ja zurück kommen, wenn er etwas mehr zu Kräften gekommen war, weshalb Neela ihm ein warmes, beruhigendes Lächeln schenkte. „Ich habe Sie bewusstlos in einer Seitenstraße gefunden. Sie waren sehr schwer verletzt, deshalb habe ich Sie zu mir gebracht und Sie versorgt. Mein Name ist Neela. Können Sie mir sagen, wie Sie heißen?“, erklärte sie ihm mit ruhiger Stimme und betrachtete aufmerksam das Gesicht des Mannes, während sie seine Reaktion abwartete. Nun, wo seine Nase nicht mehr verbogen und der Rest seines Gesichts gereinigt war, fiel der Heilerin erst auf, dass er eigentlich sehr gut aussah. Er war groß und muskulös, was ihn bestimmt auf den ersten Blick etwas einschüchternd wirken ließ - zumindest wenn man ihn nicht leblos auf der Straße fand - doch seine Augen wirkten ganz und gar nicht bösartig oder gefährlich. Zu gerne wüsste die Hexe, welchen Gestalten er begegnet war, dass jene ihn so zurichten konnten, doch sie wollte ihn auch nicht gleich mit Fragen überhäufen, weswegen sie sich für ein anderes Detail entschied, das sie noch anzusprechen gedachte: „Als ich Sie fand, sind Sie kurz zu sich gekommen und nannten den Namen Cailin. Ist sie Ihre Frau?“ Würde er sich an diese Person erinnern können, dann könnte Neela vielleicht versuchen, mit jener Cailin in Kontakt zu kommen. Wenn diese nämlich tatsächlich mit dem Mann liiert oder zumindest eine Angehörige war, dann würde sie sich wohl bereits Sorgen über seinen Verbleib machen. Zumindest könnte man im Anbetracht der Umstände davon ausgehen. Vielleicht war sie aber auch lediglich eine Frau aus seiner Vergangenheit, die in seinem Kopf eine Rolle gespielt hatte, bevor er zusammengeschlagen wurde und deshalb war sie ihm als erstes eingefallen, nachdem er erwachte. Neela wusste es nicht und vielleicht hatte auch er noch Schwierigkeiten, gewisse Dinge in seinem Kopf zu ordnen, weshalb sie es nun für besser befand, ihre neugierige Zunge zu hüten und den Kerl nicht weiter zu überfordern.
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Casper King
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Di 19 Sep 2017 - 17:40

Ihre Hand legte sich warm auf seine Brust, um ihn sanft zurück auf das Kissen zu drücken, und widerstandslos sank er zurück, das Gesicht zu einem Ausdruck des Schmerzes verzerrt. Er hatte keinen Blick dafür, wie es außerhalb dieser Wohnung aussah, wenngleich er durch einen Blick aus dem Fenster die Tageszeit hätte herausfinden können, er also zumindest eine kleine, zeitliche Orientierung hätte. Doch was würde ihm eine solche in seiner Situation nutzen? Um sich selbst in dieser Welt positionieren zu können, müsste er zumindest einmal heraus finden, wer er war. Dann musste er wissen, wo er war. Und alles andere, was in dieser Welt gerade geschah, war erst einmal nebensächlich.
In einer anderen Situation hätte er sich wohl über die Gesellschaft der hübschen Blonden gefreut, doch nun - ohne die Gewissheit, was eigentlich mit ihm los war - war er einfach nur beunruhigt. Die leise Panik in ihm wich jedoch, als sie ihm berichtete, was passiert sei. Schwer verletzt in einer Seitenstraße, wiederholte er dann in seinem Kopf, wobei er noch einmal an sich herab sah. Wer hatte ihm das angetan? Hatte er sich irgendwie in Schwierigkeiten gebracht? Bei Merlin, wieso konnte er sich an nichts erinnern?!

"Neela", wiederholte er dann für sich, während er sich darauf konzentrierte, sie anzusehen. Sie war nun offiziell die einzige Sache in diesem Raum, mit der er etwas anfangen konnte. Sie war sein Anker. Und vermutlich seine Lebensretterin. Ihm wurde dies erst bewusst, nun, da sie ihm seine Situation knapp geschildert hatte. "Sie nehmen einen verletzten Fremden einfach mit nach Hause?", fragte er dann mit noch immer schwacher, kratziger Stimme und leicht gelupfter Augenbraue, doch ebenso schwach zeigte sich auch ein schiefes Grinsen auf den lädierten Lippen des rauen Briten, wie es für ihn typisch war. "Sie haben echt Eier, Miss." Er war beeindruckt von ihrer Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft und brachte dies auf seine eigene, direkte und vielleicht unangebrachte Art zum Ausdruck. "Und wie es scheint haben Sie Ahnung davon, wie man Menschen das Leben rettet." Die Bandage um seinen Rumpf sah professionell aus, ebenso das Instrumentarium und die Fläschchen auf dem Couchtisch, welche ihm nun auffielen. Wohl war die Dame vom Fach. Würde auch ihr professionelles Outfit erklären. "Ich verdanke Ihnen mein Leben. Vielen Dank, wirklich." Das schiefe Grinsen verblasste und wich einem ernsten, aufricht anerkennenden Blick. Er wusste nicht, was mit ihm passiert war, aber er wusste, dass er wahrscheinlich nicht mehr wäre, wäre Neela ihm nicht zur Hilfe geeilt. "Oh, und danke, dass Sie sich der Sache persönlich angenommen haben. Was auch immer mit mir passiert ist; ich habe das ungute Gefühl, dass irgendwelche Behörden davon keinen Wind bekommen sollten." Er konnte sich nicht daran erinnern, krumme Dinger gedreht zu haben, doch so wie sein Körper gerade aussah, hatte er sich mit den falschen Personen angelegt. Und dies sollte im besten Falle nicht an offizielle Stellen geraten.
Er seufzte kapitulierend und schüttelte den Kopf als Antwort auf die Frage, ob er ihr sagen könne, wer er war, wenngleich sich sein Kopf anfühlte, als wüsste er es eigentlich, bräuchte jedoch nur einen Impuls, um dieses Wissen zu aktivieren. Verschwommen schwirrte sein Name in seinem Hinterkopf herum, konnte von ihm jedoch nicht gefasst werden, bis die junge Dame ihm den nötigen Impuls gab. Cailin. Seine Schwester! Durch diesen Namen, dieses eingesetzte Zahnrad, wurden Prozesse im Kopf des bärtigen Zauberers in Gang gesetzt, wenngleich die Wirkung vorerst nur eine Kleine war. Ein kleines Licht ging in seinem Kopf an, erhellte grundlegende Dinge, wenngleich der Großteil noch immer im Dunkel lag. Aber wenigstens wusste er nun, wer er war. Er war Alistair Prince, Mitglied der reinblütigen Familie Prince aus Yorkshire. Er wusste nicht, wie alt er war, da er sich nicht sicher war, welches Jahr sie nun hatten, doch irgendwie hatte er sich weniger muskulös in Erinnerung. Und weniger behaart, wie er feststellte, als er sich mit der rechten Hand nachdenklich über den Bart am Unterkiefer fuhr.

"Meine Frau...? Gott, Sie sind süß." Ein schwaches Lachen kam über seine Lippen, doch auch dieses wurde mit Schmerzen bestraft, weshalb es rasch verstummte. "Gäbe es eine solche, hätte ich mich wohl kaum in so eine Situation gebracht. Nein nein, Cailin ist der Name meiner Schwester. Mir fällt es wieder ein. Cailin Prince...", fuhr er mit tiefer, schwacher Stimme fort. Dann atmete er tief ein und schloss die Augen, in der Hoffnung, er könnte noch mehr aus seiner Vergangenheit rekonstruieren. "Und mein Name ist... Alistair. Alistair Prince. Ja." Erleichtert stieß er die Luft wieder aus. Er wusste wieder, wer er war. Das war schon einmal ein Anfang, auf dem man aufbauen könnte. Die grünen Augen öffneten sich und sahen ruhig die blonde Schönheit an. Erst jetzt realisierte er, dass sie mit einem sonderbaren Akzent sprach, weshalb er die wildesten Assoziationen bekam.
"Sagen Sie, in welchem Land sind wir? Und wie lautet das heutige Datum?", wollte er nun wissen, wenngleich er auch ein wenig Angst vor der Antwort hatte.
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Neela Vivia Lundin
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Di 19 Sep 2017 - 18:24

Er schien selbst zu bemerken, dass es zum Aufstehen noch zu früh war und ließ sich widerstandlos wieder auf das Kissen zurück drücken. Sie hatte getan, was sie konnte, doch natürlich würde die Heilung nicht ohne Schmerzen vonstatten gehen, auch wenn die Heiltränke diesen Prozess selbstredend beschleunigten. Wäre er nur von ärztlichen Muggeln behandelt worden, wäre es wohl durchaus denkbar, dass er nach wie vor nicht bei Bewusstsein wäre, doch trotz allem durfte man gerade bei so starken Verletzungen nicht übers Ziel hinausschießen.
Als Neela ihm erzählte, wie sie ihn gefunden hatte, merkte sie ihm an, dass diese Informationen nur mehr Verwirrung in ihm pflanzten. Er schien tatsächlich keine Erinnerung darüber zu besitzen, was geschehen war, was ihn mit Sicherheit einen ziemlichen Schrecken einjagen musste. Immerhin musste es doch für jeden ein Schock sein, plötzlich in einer fremden Wohnung aufzuwachen, ohne zu wissen, wie man dorthin gekommen war und woher man die vielen Verletzungen hatte. Als er dann plötzlich seine folgenden Worte aussprach, zog Neela überrascht ihre Augenbrauen nach oben, im ersten Moment nicht beurteilen könnend, ob er sie nun tatsächlich maßregelte, obwohl sie ihm gerade das Leben gerettet hatte. Doch sein schiefes Grinsen und die weitere Aussage seinerseits brachten die Schwedin ein wenig zum Lachen, ehe sie mit den Schultern zuckte. „Tja, ich hatte gehofft, selbst wenn Sie ein verrückter Massenmörder sind, würden Sie vielleicht für einen Moment zögern, mich umzubringen, wo ich Ihnen doch geholfen habe.“, scherzte sie munter, wie es nun einmal ihre Art war. In Wahrheit hatte sie überhaupt nicht darüber nachgedacht, welche Risiken es bergen könnte, einen wildfremden ins Haus zu schleppen. Er war in Not gewesen und sie hätte ihn unmöglich auf der Straße liegen lassen können. Flüchtig, wenn auch bescheiden, neigte sie ihren Kopf zu einem Nicken, als der Mann andeutete, dass sie etwas von ihrem Handwerk verstand. Nach wie vor wusste die Schwedin nicht, ob es sich bei dieser ungewöhnlichen Bekanntschaft um einen Zauberer oder Muggel handelte, weshalb sie in dieser Hinsicht besser schwieg, ehe sie eine Vermutung darüber aufstellen konnte. Zwar hätte sie natürlich in aller Ruhe seine Sachen nach einem Zauberstab durchsuchen können, doch dies war einerseits das Letzte, woran sie gedacht hätte, während sie alles daran gesetzt hatte, ihm zu helfen und andererseits käme es ihr doch sehr taktlos vor, die Hosen eines Bewusstlosen zu durchwühlen. Sein Dank zauberte der Hexe erneut ein warmes Lächeln auf ihre Lippen und sie nickte. „Das habe ich wirklich gerne gemacht. Um ehrlich zu sein, hatte ich auch keine Wahl. Ich hätte mich wohl nie wieder in den Spiegel sehen können, hätte ich Sie einfach liegen lassen.“, gab sie aufrichtig zu und hob leicht die Schultern an. Die Überlegung, dass mögliche Behörden von seinem Zustand vielleicht eher nichts mitbekommen sollten, rief zwar für einen Augenblick eine leise Skepsis in Neela hervor, doch im Grunde hatte sie genauso keine Ahnung, wen sie hier eigentlich vor sich hatte und in was für Machenschaften er verwickelt sein könnte. „Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin sicher, die Erinnerungen werden bald zurückkommen.“, versuchte sie ihn - und wohl auch ein wenig sich selbst - deshalb zu beruhigen. Es geschah nicht selten, dass durch einen Schock oder eine Gehirnerschütterung eine zeitlich begrenzte Amnesie auftreten konnte, deshalb sollte er auf keinen Fall versuchen, sich zwanghaft an irgendetwas erinnern zu wollen.

Dass er allerdings scheinbar auch nicht wusste, wie er selbst hieß, war etwas mehr beunruhigend. Selbstredend gab es auch Fälle, in denen die Patienten tatsächlich vor lauter Schock alles über sich selbst vergaßen, doch sprach dies dann schon eher von einem etwas ernst zu nehmenderen Gedächtnisverlust. Erst, als Neela den Namen der Frau erwähnte, welchen er ihr gegenüber genannt hatte, schien ihm ein Licht aufzugehen, was die Schwedin in ihrer Vermutung bestätigte, dass Cailin für ihn wohl ein wichtiger Mensch sein musste. Allerdings wohl nicht in jener Form, wie sie es vermutet hätte, denn als er zu lachen begann und ihre Gedanken zu Cailin und ihm als „süß“ bezeichnete, spürte Neela, wie ihre Wangen etwas rot wurden und ein unkontrolliertes „Äh...“, rutschte über ihre Lippen. Schließlich erklärte er ihr, dass es sich bei Cailin Prince um seine Schwester handelte und in diesem Zusammenhang schien ihm auch sein eigener Name wieder einzu fallen, was Neelas Gesichtsausdruck nun deutlich erhellte. „Alistair Prince.“, wiederholte sie nun beinahe auf dieselbe Weise, wie er ihren Namen zuvor wiederholt hatte. „Dann würde ich sagen: Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mr. Alistair Prince. Auch wenn die Umstände etwas weniger erfreulich waren.“, sprach sie lächelnd und zwinkerte ihm zu.
Allerdings verblasste jenes Lächeln wieder, als Alistair sich nun erkundigte, in welchem Land sie waren und welches Datum heute war. Hatte er das etwa auch alles vergessen? „Wir - wir sind in London. Heute ist der 22. Mai 2015.“, gab sie ihm mit prüfendem Blick auskunft. Hatte er tatsächlich sein gesamtes Gedächtnis verloren?
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Casper King
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Di 19 Sep 2017 - 21:45

Sie war nicht nur schön, sondern auch noch fähig, den verschrobenen Humor des Briten mit Schlagfertigkeit zu erwidern und ihn somit ein wenig zum Lachen zu bringen, wenn auch nur vorsichtig aufgrund der schmerzenden Rippen. Ein echter Mörder würde sich nicht davon beeindrucken lassen, dass man ihm das Leben gerettet hatte, doch ein solcher lag ja auch nicht auf ihrer Couch. Tatsächlich lag es dem muskulösen Dunkelblonden fern, Unschuldige zu verletzen. Er mochte verbal gerne ausfallend werden und aggressiv wirken, doch eigentlich war er ein netter Kerl mit dem man bei gutem Whiskey friedlich über Gott und die Welt diskutieren konnte, und zwar auf einer ganz friedlichen Basis.
Ganz friedlich war er auch nun trotz seiner mehr als beunruhigenden Lage, was sowohl an der zuversichtlichen Ausstrahlung seiner Lebensretterin als auch an seiner Unfähigkeit, sich zu bewegen, lag. Hätte sie ihm nicht so viele Schmerzmittel verabreicht, hätte er nun wahrscheinlich getobt und wäre psychisch total aufgewühlt, doch betäubt von Dingen, die Casper nicht verstand, war jedes Gefühl in ihm gedämpft, als hätte man sie in Luftpolsterfolie und Watte gepackt. Er verspürte Panik, doch sie war gemildert. Er spürte Schmerz, doch er war erträglich. Er verspürte Angst, doch sie war unscheinbar.
Ihren Worten nach zu urteilen war Neela eine pflichtbewusste Person, und Casper kam nicht umhin zu bemerken, dass er wirklich unfassbares Glück hatte, dass sie ihn gefunden hatte. Jeder andere hätte ihn wohl ausgeraubt - sofern dies noch nicht geschehen war - oder einfach liegen gelassen. Doch diese junge Dame hatte alle Risiken auf sich genommen, um dem verletzten Fremden zu helfen.

Casper war in seiner typisch-direkten Art blind für die Tatsache, dass er Neela mit seinen Worten in Verlegenheit gebracht haben könnte. Verlegenheit war ohnehin etwas, das er nur aus Erzählungen kannte, und er hatte sich nichts dabei gedacht, als er gesagt hatte, dass sie süß sei. Es war ehrlich und amüsiert über seine Lippen gerutscht - und er würde sich garantiert nicht dafür entschuldigen.
Nachdem Neela ihm den Namen seiner Schwester genannt hatte, war ihm auch sein eigener Name wieder eingefallen, dummerweise jedoch nicht das Pseudonym, unter welchem er in diesem Land gemeldet war. Eine Prüfung des Namens "Alistair Prince" würde zu der Erkenntnis führen, dass diese Person seit 18 Jahren tot war. Casper war damals geflohen, als sich ihm die Gelegenheit geboten hatte, doch daran erinnerte er sich nicht mehr. Sein gesamtes neues Leben hatte seinen jetzigen Erinnerungen nach zu Urteilen nie stattgefunden.
"Oh, nein, bitte nicht so förmlich. Kannst ruhig Du sagen", grummelte die tiefe Stimme freundlich und noch immer kratzig, wobei er sie - ungeachtet der Tatsache, dass sie es ihm nie erlaubt hatte - einfach zum Du übergegangen war, "Nenn mich Alistair. Aber die Freude ist ganz meinerseits... trotz der Umstände, ja..." Er wirkte trotz der Kuriosität dieser Situation amüsiert, doch Neela machte es ihm ohnehin nicht schwer, die Ruhe zu bewahren.
Bis die Fragen nach Ort und Datum beantwortet wurden. Nun ja, erst atmete er erleichtert aus, da er zunächst nur den Ort verinnerlichte. London, das war gar nicht so weit weg von seiner Heimat. Wäre er nun in Skandinavien, ohne zu wissen, wieso, hätte er wohl ernstere Probleme gehabt.
"Puh, London, sehr gut...", grummelte er ruhig, doch dann realisierte er, was für ein Datum ihm die junge Dame genannt hatte. "Wie bitte - was?!" Ruckartig und mit weit aufgerissenen Augen richtete er sich auf, sank jedoch wieder nach hinten, da seine Rippen ganz und garnicht erfreut waren über diese Bewegung. "2015?!", presste er unter Schmerzen durch seine zusammengebissenen Zähne. "Oh gott..." Nun, da er es selbst ausgesprochen hatte, wurde es ihm selbst bewusst. Eine leichte Übelkeit überkam ihn und fahrig fuhr er sich mit den Händen über das blasser werdende Gesicht. Ja, es fühlte sich anders an. Unebener, gröber. Scheiße, wo waren die letzten 18 Jahre seines Lebens hin?

Zögernd drehte er seinen Kopf auf dem Kopfkissen zur Seite, sodass er sich in einer flachen, schwarzen und doch spiegelnden Oberfläche (*) sehen konnte. Was auch immer der Zweck dieses Gerätes war, ein Spiegel war es nicht, und doch spiegelte es zuverlässig genug, dass Casper die Zeichen der Zeit in seinem Gesicht sehen konnte. An sein genaues Geburtsdatum konnte er sich nicht mehr erinnern, aber dem Spiegelbild nach zu urteilen war er wohl Mitte oder Ende dreißig - und somit deutlich älter, als er sein sollte.
"Scheiße... Bei Merlin... ich hab mich halb so alt in Erinnerung", knurrte er fassungslos, worauf er sein Gesicht wieder in seinen Händen vergrub. Die Hälfte seiner Lebenszeit war einfach so weg. Wahrscheinlich waren es die besten Jahre seines Lebens gewesen... doch er konnte sich an nichts erinnern. Diese Erkenntnis riss ein unerträglich tiefes Loch in die Brust des Mannes, und seine Trauer über die verlorene Zeit ließ sich trotz des Beiseins der hübschen Dame nicht verbergen. "Fuck... fuck...", fluchte er immer wieder leise, bis er die Hände von seinem Gesicht nahm und er sich dazu zwang, tief durchzuatmen. "Sorry. Ich sollte nicht vor einer Lady fluchen." Normalerweise war ihm das egal, doch Neela wirkte wie eine Person, die sich ernsthaft daran stören könnte. Und er wollte sie nicht verärgern, nachdem sie ihm das Leben gerettet hatte.
"Kann ich... kann ich vielleicht etwas zu trinken haben?" Sein Mund fühlte sich unangenehm trocken an, und doch war es kein Wasser, das er nun brauchte. "Vielleicht was mit Alkohol, wenn's okay ist..." Vielleicht würde sie diesen Wunsch verurteilen. Vielleicht hatte sie aber auch Verständnis dafür, dass er auf den Schock etwas Hartes bräuchte. "Und sag mal... hab ich irgendwas bei mir getragen, als du mich gefunden hast? Portemonnaie, Ausweis, irgendwas?"
// *Er sieht sein Spiegelbild in einem Fernseher. Very Happy
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Di 19 Sep 2017 - 22:58

Es erleichterte die Schwedin, dass sie Alistair zum Lachen bringen konnte, auch wenn diese Tätigkeit von seinen gebrochenen Rippen natürlich nicht sonderlich gut aufgefasst wurde. Doch es bedeutete immerhin, dass er ihr zumindest soweit vertraute, um nicht zu denken, dass sie seine Situation irgendwie ausgenutzt hätte oder dies noch vorhatte. Zwar wäre es deutlich übertrieben zu behaupten, dass sie einander bereits einschätzen konnten, doch Neela wollte zumindest nicht den Eindruck hinterlassen, als hätte sie irgendetwas anderes im Sinn gehabt, als ihn zu retten.
Die Blonde war ganz froh, dass er die Rötung ihrer Wangen, als Zeichen der leisen Verlegenheit, nicht zu bemerken oder einfach zu übergehen schien, denn so konnte sie dieses von ihm scheinbar beiläufig ausgesprochene „Kompliment“ - wenn man es denn so nennen konnte - in den Hintergrund drängen und musste sich nicht weiter damit befassen. Es schien jedenfalls nicht so, als hätte er damit auf etwas Bestimmtes abzielen wollen. Neela wäre wahrscheinlich der Schrecken in alle Glieder gefahren, wenn sie den offiziellen „Aufenthaltsort“ von Alistair Prince aus behördlicher Sicht erfahren hätte, doch natürlich würde die Schwedin nun erst einmal nicht darauf kommen, ihn gleich überprüfen zu lassen. Wieso sollte er schließlich wegen seines Namens lügen? Der Vorschlag des Dus, welches er bereits von sich aus verwendete, wurde deshalb von Neela mit einem freundlichen Lächeln aufgenommen und sie nickte ihm zu. „Einverstanden, so ist es mir ehrlich gesagt auch viel lieber.“, gestand sie. Ihr waren diese Höflichkeitsformen tatsächlich meistens zu überholt und zu distanziert und wo Alistair nun schon einmal halbnackt auf ihrer Couch lag, könnten sie sich das Gesieze wohl tatsächlich getrost sparen. Ein weiteres Nicken folgte, als er meinte, sich ebenfalls trotz der Umstände über ihre Bekanntschaft zu freuen, was in seinem Fall ja auch im wahrsten Sinne des Wortes eine lebensrettende Wandlung der Ereignisse gewesen war. Somit war es also vorauszusehen gewesen, dass er über die Begegnung mit Neela wohl nicht unglücklich sein würde.

Es versetzte die Schwedin allerdings tatsächlich in Sorge, dass Alistair sich scheinbar nicht an Ort und Zeit erinnern konnte und während sich in seinem Gesicht jedoch ob der Tatsache, dass sie sich in London befanden, eine leise Erleichterung spiegelte, schien ihm ob des Datums mit einem Mal alle Farbe aus dem Gesicht zu weichen. Neela, selbst erschrocken über diese Reaktion, konnte zunächst nicht einmal wiederholen, dass er sich nicht zu viel bewegen durfte, sondern hatte im ersten Moment eher Schwierigkeiten herauszufinden, was ihn so in Panik versetzte. Erst, als er sich im Fernseher betrachtete und anschließend erwähnte, sich halb so alt in Erinnerung zu haben, weiteten sich auch die eisblauen Augen der Schwedin, sowie sie realisierte, dass er wohl einen Abschnitt seines Lebens vergessen haben musste. Und so wie es sich anhörte beinhaltete dieser einige Jahre. Dass ihn diese Erkenntnis aufwühlte, war weder zu übersehen, noch verwunderlich und obwohl die Heilerin sich diese Umstände selbst nicht ganz erklären konnte, legte sie ihm zunächst beruhigend die Hand auf den Arm. „Ist schon okay, beruhige dich erst einmal.“, sah sie über seine Kraftausdrücke hinweg und versuchte, ihn ein wenig zu beschwichtigen. Schmerzmittel und Heiltränke hin oder her, wenn er sich zu sehr aufregte, wäre das für die Wunden nicht förderlich. Neela hatte sich schon halb zum Couchtisch umgedreht, auf welchen sie bereits vor Stunden ein Glas Wasser für ihn bereitgestellt hatte, als er nach etwas zu trinken fragte, doch sein Wunsch nach Alkohol ließ sie inne halten. Sie war bestimmt nicht in der Position, ihn darüber maßzuregeln, welche Art von Getränke er zu sich nahm und da es für die Verletzungen keinen Unterschied machen würde, was er trank, nickte sie flüchtig und erhob sich. „Ähm klar.“ Sie ging zu der Vitrine, aus welcher Elion an jenem Tag den Whiskey herausgenommen hatte, als Saphira mit der Nachricht des Babys vor der Türe gestanden hatte, und griff nach einer weiteren Flasche derselben Flüssigkeit - unwissend, was Alistair normalerweise trank. Dann holte sie aus der Küche noch ein Glas, da es für ihn wohl in seiner liegenden Position etwas unbequem sein würde, aus der Flasche zu trinken, füllte dieses zu einem Drittel an und brachte beides zur Couch zurück. „Hier.“ Dann fragte er sie, ob er etwas bei sich gehabt hatte und sie runzelte die Stirn. „Ich weiß nicht... Warte.“ Rasch wandte sie sich ab und verließ das Wohnzimmer. Seine Sachen hatte sie erst einmal ins Badezimmer gelegt, um sie nachher in Ruhe reinigen zu können. Zu diesem Zweck hätte sie wohl gemerkt, welche Gegenstände in seinen Hosentaschen verstaut gewesen wären, doch so konnte er genauso gut selbst nachsehen. So griff sie sich die schmutzige Hose und brachte sie zurück zu Alistair. „Ich habe nichts entfernt, aber wahrscheinlich ist es auch nicht unmöglich, dass du etwas verloren hast, als du zusammengeschlagen wurdest.“, erklärte sie ihm, ehe sie sich wieder zu ihm setzte und ihn dabei beobachtete, wie er die Jeans durchforstete.
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Di 19 Sep 2017 - 23:59

Er konnte sich nicht beruhigen, nicht, nachdem ihm bewusst geworden war, dass ihm die Hälfte seiner Lebenszeit fehlte. Ihm wurde jedoch bewusst, wie aufgewühlt er war, als die weiche Hand der jungen Frau seinen Arm berührte, weshalb er zumindest versuchte, ruhiger zu atmen, und tatsächlich bekam er allmählich seine Gesichtsfarbe zurück. Dass die Blonde so einen starken Einfluss auf ihn hatte war eigentlich unüblich für den impulsiven Briten, doch in dieser Situation würde es auch nichts bringen, komplett auszurasten, zumal er es dank der Schmerzhemmer ohnehin nicht könnte. So blieb es bei unschönen Ausdrücken der Verärgerung, für welche er sich gleich darauf entschudigt und über welche Neela verständnisvoll hinweg gesehen hatte.
Sie war durch und durch ein Engel, denn seiner Bitte nach Alkohol kam sie ohne verurteilende Blicke oder zweifelnde Fragen nach. Es war Casper, nein, Alistair unangenehm, seine Retterin von A nach B zu schicken und sich von ihr bedienen zu lassen, während er ihr gleichzeitig dankbar für ihre Fürsorglichkeit war. Er müsste sich auf so vielen Ebenen bei ihr revanchieren, doch wie er dies anstellen würde, war eine Frage, die er ein anderes Mal beantworten müsste. In diesem Moment standen ganz andere Fragen im Raum. Wie war er in diese Situation gekommen? Und was war in den letzten siebzehn bis zwanzig Jahren seines Lebens passiert?

"Ich danke dir...", kam es kleinlaut über seine spröden Lippen, als er das Glas entgegen nahm und es sofort mit einem Zug leerte, während Neela kurz verschwand. Die Zeit nutzte der Dunkelblonde, um sich kurz einen besseren Eindruck von der Wohnung seiner Retterin zu verschaffen. Eigenartig maskulin war die Einrichtung, womit sie zu der doch sehr femininen Art Neelas in einem starken Kontrast stand. Alistair mochte die Einrichtung, doch sie passte nicht zu der jungen Frau mit dem fremden Akzent. Dann aber fiel ihm auf, dass eine Schönheit wie sie sicherlich nicht alleinstehend war, weshalb er glaubte, dass ihr Lebensgefährte für die Einrichtung dieses Raumes zuständig gewesen sein könnte. Das leere Glas stellte er auf dem Boden neben der Couch ab und unter Schmerzen richtete er sich etwas mehr auf, um seine Hose, die Neela ihm gebracht hatte, zu untersuchen. Oder viel mehr glaubte er, dass es seine Hose war, denn offen gestanden konnte er sich nicht daran erinnern, jemals so eine Jeans besessen zu haben.
"So ein Mist...", knurrte er dann für sich, als er alle Taschen durchsucht und einfach nichts gefunden hatte. Die Schweine hatten ihn tatsächlich ausgeraubt... "Mein Geld, mein Ausweis, mein Zaubersta-" Er hielt inne, da er sich nicht sicher war, ob Neela ein Muggel oder eine Hexe war, doch dann erblickte er wieder die Fläschchen mit Medizin auf dem Couchtisch, von welchen er glaubte, dass Muggel sie in dieser Form nicht benutzten. "... Äh. Ja, mein Zauberstab. Alles weg. Verdammt..." Dann betrachtete er das Blut und die Beschädigungen an der Jeans. Wer hatte ihm das angetan? Und wieso?
"Danke schön, dass du sie mir gebracht hast...", kam es nun schwach von dem verletzten Briten, als er ihr die Hose zurück gab, worauf er ein wenig gedankenverloren sein Spiegelbild im Fernseher betrachtete. "Oh man... Was mache ich denn jetzt?!" Kapitulierend schloss er die Augen und seufzte. All die Aufregung machte ihn ziemlich müde, doch dies konnte auch an den Schmerzmitteln liegen. Oder an dem Whiskey, welcher nebenbei bemerkt ziemlich gut geschmeckt hatte. "Ich muss nach Yorkshire. Meine Familie lebt dort...", dachte er dann laut, "Also hoffentlich tut sie dies noch..." Doch in dieser Nacht könnte er das Vorhaben, das Anwesen in Yorkshire zu besuchen, wohl vergessen. Er konnte sich nicht einmal ohne Schmerzen von der Couch aufrichten. Apparieren wäre in diesem Zustand nicht denkbar.

"Ähm... ich frage das echt ungern, aber darf ich vielleicht noch hier bleiben, bis ich wieder apparieren kann?" Wie ein verloren gegangener Welpe sah er sie an, desorientiert und hilflos. "Ich wüsste nicht, wohin ich sonst gehen könnte, und ich hab kein Geld für ein Hotel... und... ich weiß nicht..." Die ganze Sache überforderte ihn so sehr, dass seine Augen begannen, einen verdächtigen Glanz anzunehmen. Er war nicht nah am Wasser gebaut und weinte eigentlich nie, doch er lag gerade halbnackt und verwundet in einer Londoner Wohnung, auf der Couch einer praktisch Fremden, unwissend darüber, was in den letzten Jahren in seinem Leben passiert war. Was, wenn seiner Familie etwas zugestoßen war? Was, wenn er Cailin nicht fand? Wieder stieg diese Panik in ihm auf, und sie trieb ihm Tränen in die Augen, welche eben diese röteten, nicht jedoch über das Augenlid hinaus schwappen konnten, da Alistair es mied, zu blinzeln. Mit zitternder Hand hob er das Glas auf, um auf dessen Rand zu starren.
"Kann ich noch einen Drink haben, bitte?", murmelte er leise und entkräftet, "Kannst deinem - äh - Freund sagen, dass ich ihm eine neue Flasche kaufe, sobald ich an mein Geld komme..." Er schnorrte sich nicht gern durch, doch er selbst hatte nicht nur nichts. Er hatte noch weniger, als er haben sollte, schließlich fehlte ihm der Großteil seiner Erinnerungen, als hätte jemand sie wie Seiten eines Buches einfach heraus gerissen. Er wusste nicht, wohin er gehen sollte und war voll und ganz auf die Freundlichkeit Neelas angewiesen, denn von seiner jetzigen Position aus war sie die einzige, die er hatte.
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Mi 20 Sep 2017 - 23:15

Ein warmes Lächeln war die Antwort auf seinen Dank, als sie sich aufmachte, um seine Hose zu holen, welche er im Anschluss gleich ausführlich durchsuchte. Dabei hatten ihre eisblauen Augen aufmerksam auf ihm gelegen und als er wieder die Stimme erhob, konnte sie bereits erahnen, dass er kein Glück bei seiner Suche gehabt hatte. Die Erwähnung des Zauberstabs ließ sie ihre Augenbrauen überrascht nach oben ziehen, doch nachdem sie seinem Blick zu den Zaubertrankfläschchen, die noch auf dem Couchtisch standen, gefolgt war, verstand sie, weshalb er sich als Zauberer enttarnte. Eigentlich hatte sie die Phiolen ja noch wegräumen wollen, sähe dies doch für einen Muggel bestimmt ein wenig fragwürdig aus, doch auch das war ihr wohl unter all der Aufregung entfallen. Noch dazu, wo sie doch selbst auch nach getaner Arbeit ein wenig eingenickt war. Zumindest wusste sie nun, dass sie mit Alistair offen reden konnte, was Magie und andere Dinge betraf, etwas was zwar gerade kaum Thema, aber trotzdem gut zu wissen war. „Wenn sie deinen Zauberstab genommen haben, ist es zumindest sehr wahrscheinlich, dass es sich ebenfalls um Zauberer oder Hexen gehandelt hat.“, sprach sie dann den ersten Gedanken aus, der ihr dazu noch in den Sinn kam, auch wenn jener ihnen wohl kaum weiterhelfen könnte. Wobei andererseits fraglich war, warum Alistair dann nicht durch Flüche verletzt worden war. Neela hatte seine Wunden eingehend untersucht, doch es hatte ausgesehen wie ganz „normale“ Schläge oder Tritte, die ihn in jenen Zustand versetzt hatten. Wieso sollten sich Zauberer auf diese Art prügeln?
Die Gedanken der Schwedin wurden unterbrochen, als Alistair sich erneut bedankte und sie schüttelte nur abwinkend ihren Kopf. Dies war ja wohl wirklich nur eine Kleinigkeit und da sie diejenige war, die ihn verarztet hatte, würde sie es ihm auch strikt verbieten, in seinem Zustand durchs Haus zu laufen. Allerdings war auch sie im ersten Moment ratlos, was nun als nächstes zutun war. Natürlich könnten sie ins Ministerium gehen und den Auroren von dem Vorfall erzählen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch etwas herauskam war wohl genauso gering, wie wenn es sich um einen alltäglichen Muggelüberfall gehandelt hätte. Aufrichtiges Mitgefühl spiegelte sich in Neelas Augen, als sie Alistairs Resignation beobachtete, schließlich hätte sie ihm wirklich gerne geholfen. Wäre sie doch nur etwas früher an dieser Seitenstraße vorbeigekommen...

Dass ihm aber plötzlich einfiel, dass seine Familie in Yorkshire lebte - oder zumindest früher dort war, schien doch wie eine kleine Art von Lichtblick und sogleich wurde die Blonde wieder hellhörig. Fast hätte sie ihm angeboten, von hier doch eine Nachricht dorthin zu schicken, doch sollte seine Verwandtschaft inzwischen weggezogen sein, würde man wohl kaum wissen, wem das Schreiben dann in die Hände fiel. Wenn es überhaupt irgendjemanden erreichte. Alistairs Bitte, noch etwas bleiben zu können, bis er wieder Apparieren konnte und die aus seinen Augen sprechende Überforderung und Angst ließ in Neela erneut das Bedürfnis aufkommen, ihm noch mehr helfen zu wollen. Ja, sie kannten sich eigentlich nicht, doch Emotionen waren echt und er wirkte wirklich nicht wie jemand, den man leicht aus der Fassung bringen konnte. Zumindest was den ersten Eindruck betraf. Ohne darüber nachzudenken, ob diese Handlung vielleicht unpassend wäre, streckte Neela erneut eine Hand nach ihm aus, um dieses Mal direkt nach seiner zu greifen und sie sanft zu drücken. „Ist schon gut. Du kannst solange bleiben, bis es dir besser geht und wenn du möchtest... Wenn du möchtest, begleite ich dich nach Yorkshire und helfe dir, deine Familie zu finden.“, bot sie ihm an sah ihm dabei direkt in die Augen, um zu verdeutlichen, wie ernst sie das meinte und dass sie keine leeren Versprechungen machte. Natürlich konnte sie streng genommen nicht entscheiden, ob er bleiben durfte, wo es doch Elions Wohnung war, doch sie wusste, dass er Alistair ebenso wenig vor die Türe setzen würde, wie sie. Dennoch sollte sie ihn wohl noch darüber aufklären, was heute vorgefallen war, doch das hatte auch noch Zeit.
Erst als Alistair nach einem weiteren Drink fragte, merkte Neela, dass sie immer noch seine Hand hielt und ließ jene rasch los, ehe ihre Wangen abermals ein leichtes rosa annahmen. Dann griff sie nickend nach der Flasche und hielt jedoch inne, als er von ihrem Freund redete. Wie kommt er denn... Ein Blick durch den Raum verriet ihr die Antwort: Die Wohnung war natürlich nicht gerade weiblich eingerichtet. „Nun bist du süß.“, rutschte es ihr lachend über die Lippen, ohne dass sie etwas dagegen hätte tun können. „Elion ist mein bester Freund aus Kindertagen. Ich bin erst vor kurzem von Schweden hergekommen und er hat mir angeboten bei ihm zu wohnen. Vollkommen platonisch natürlich.“, erklärte sie mit einem Zwinkern, während sie ihm das Glas wieder anfüllte. „Und was den Whiskey betrifft, mach dir da mal keine Sorgen. Daran hängt er sich bestimmt nicht auf.“, fügte sie lächelnd hinzu und griff nun selbst nach dem Glas Wasser, welches noch unangerührt am Tisch stand, um ebenfalls etwas zu trinken.
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Do 21 Sep 2017 - 19:37

Unschlüssig zuckte der dunkelblonde Kerl mit den Schultern, als Neela eine Vermutung zu den Angreifern äußerte. Entweder waren sie magisch begabt gewesen, oder sie haben den Zauberstab mitgenommen, ohne zu wissen, worum es sich dabei handelte. Vielleicht war er ihm im Kampf auch abhanden gekommen oder aber man hatte ihn irgendwie entwaffnen können. Was auch mit seinem Stab passiert war; er war weg und ohne konnte Alistair - bis auf ein paar Alltagszauber - nicht zaubern. Sollte man ihn also noch einmal angreifen, könnte er sich nicht verteidigen. Nun gut, er hatte Fäuste und wusste, diese einzusetzen, doch ein Zauberer wäre ihm gegenüber klar im Vorteil, schließlich wirkte Magie auch über größere Distanz.
Es war ihm wirklich unangenehm, nach allem, was Neela seinetwegen auf sich genommen hatte, auch noch darum zu bitten, länger bleiben zu können, weshalb diese Bitte nur schwer über seine rauen Lippen gekommen war. Er befürchtete eigentlich, vor die Tür gesetzt zu werden, nun, da er wach war, doch die schöne Hexe überraschte ihn mit nicht nur mit verständnisvollen Worten sondern auch noch mit einer sanften Berührung. Warm lag ihre kleinere Hand auf seiner verletzten, drückte sanft zu, während ihre Worte wie selbstverständlich über ihre rosafarbenen Lippen kamen. Entschlossen, gar zuversichtlich sahen ihre großen blauen Augen in seine grünen, und tatsächlich schaffte sie es, ihrem temporären Patienten einen Teil seiner Sorgen zu nehmen. Zumindest für diese Nacht war er also in einer sicheren Umgebung bei einer Person, der er vertrauen konnte. Und dies wusste er, obwohl er sie nicht lange kannte, doch dies war hier auch gar nicht nötig. Sein Bauchgefühl, begleitet von einem leisen Kribbeln in seiner Magengrube, verriet ihm, dass sie in Ordnung war. Sie war bei ihm und obwohl er sie kaum kannte war er verdammt froh darüber. Ob er sie mit nach Yorkshire nehmen würde, wusste er noch nicht, da er sie nicht unnötig in Gefahr bringen wollte, sollten die Personen, die ihm all dies angetan hatten, noch immer hinter ihm her sein. Am besten schlief er eine Nacht darüber. Wenn er denn überhaupt schlafen könnte. Er war erschöpft und müde, ja, aber gleichzeitig herrschte noch immer diese Unruhe in ihm, von welcher er nicht wusste, wie er sie unter seine Kontrolle bringen könnte.

Als ihre Hand seine losließ, hinterließ sie eine unangenehme Kälte an eben dieser Stelle, weshalb Alistair die Hand beschäftigte, in dem er sie zu seiner anderen Hand an das leere Glas führte. Interessiert beobachtete er die leichte Färbung auf ihren Wangen, doch er wagte es nicht, diese zu interpretieren, da er sich nicht sicher war, ob er sich das vielleicht nur einbildete. Dem dumpfen Schmerz seines Kopfes nach zu urteilen hatte er eben dort mindestens einen ziemlich heftigen Schlag abbekommen, von welchem er dachte, dass dieser für die Erinnerungslücken verantwortlich gewesen sein könnte, also wollte er seiner Wahrnehmung nicht allzu großes Vertrauen schenken.
Dann aber passierte etwas, von dem Alistair - nicht einmal Casper! - gedacht hätte, dass es passieren könnte. Als die blonde Schönheit lachend meinte, dass er nun derjenige sei, der süß war, spürte er, wie sein Gesicht auf einmal warm wurde und ein flüchtiger Blick in den Fernseher verriet ihm, dass sein Kopf rot angelaufen war. Sie brachte ihn in Verlegenheit, und da er diese nicht als solche deuten konnte, schließlich kannte er dieses Gefühl nicht, reagierte er scheu, gar eingeschüchtert darauf, indem er den Blick sinken ließ. Erst fühlte er sich unwohl damit, doch dann passierte etwas anderes. Diese kleine Ablenkung schaffte es, die angestauten Tränen in seinen Augen trocknen zu lassen und trieb einen seiner Mundwinkel leicht in die Höhe, zu einem unsicheren und schwachen, schiefen Grinsen. Nun, da er darüber nachdachte, fühlte es sich für ihn wie ein Kompliment an, wenngleich es für einen harten Kerl wie ihn nur wenig schmeichelhaft war, als 'süß' bezeichnet zu werden. Doch es war nicht die Wortwahl, die ihm dieses zaghafte Grinsen auf die Lippen gezaubert hatte, sondern ihr Lachen, welches diese Worte begleitet hatte, denn es klang ehrlich und aufrichtig. Warum sie so lachte, erfuhr er auch schon in den nächsten Sätzen.

Wieder veränderte sich seine Mimik, nun wurde sie zu einem Ausdruck der Überraschung und Erkenntnis, denn Neela beantwortete gleich mehrere seiner unausgesprochenen Fragen in einem Satz. Sie kam aus Schweden, dies war nicht ihre Wohnung und sie war mit dem Bewohner dieser Wohnung nicht zusammen. Gerade die Betonung, dass die Beziehung zu ihrem Kindheitsfreund platonisch sei, konnte das Grinsen des Bärtigen etwas öffnen, wenngleich er selbst es gar nicht merkte.
"Platonisch? Der Arme", grummelte Alistair unbewusst und leise, vielleicht sogar zu leise, als dass die Schwedin es hätte hören können, während er beobachtete, wie seine Retterin sein Glas wieder mit der bernsteinfarbenen Flüssigkeit auffüllte. "Nah, das is'n edler Tropfen, den ich ihm da weg trinke. Ich wär' an seiner Stelle zwar auch nicht pissig, aber trotz meiner Erinnerungslücken weiß ich immer noch, was sich gehört." Als er entdeckte, dass Neela nun ebenfalls ein Glas in der Hand hatte, gab er einem unerklärlichen Impuls nach und prostete ihr gestisch zu, worauf er ein paar Schlucke des Whiskeys trank, nur dieses Mal deutlich langsamer. Das Glas stellte er dann erst einmal wieder auf den Boden, da er es dort am besten erreichen könnte, wenn er weiter trinken wollte.
"Das ist doch verrückt...", murmelte er resignierend, als er schon wieder sein Spiegelbild im Fernseher sehen konnte. Es deprimierte ihn, auf einmal so alt zu sein und nicht zu wissen, was für ein Leben er eigentlich führte. Doch je länger er darüber nachdachte, desto unerträglicher wurde seine innere Unruhe, diese gedämpfte Panik. Nein, er durfte sich seine Misere nicht die ganze Zeit vor Augen halten. Vielleicht würde er sich nach etwas mehr Schlaf an weitere Details aus seinem Leben erinnern. Bis dahin sollte er einfach nicht mehr darüber nach denken, was eventuell passiert sein könnte, denn so würde er auch nicht zu den gewünschten Antworten kommen. Doch an Schlaf war nun nicht zu denken.

"Würde es dir was ausmachen, mehr über dich zu erzählen?", kam es dann zögernd von dem bärtigen Zauberer, "Mein Kopf fühlt sich leer an und ich brauch' glaub ich einfach etwas Input, den ich verarbeiten kann, damit ich nich' ständig an das Schlamassel denke, in dem ich gerade stecke..." Er gab sich einen Ruck, da ihm auffiel, dass er in diesem Moment verdammt schwach und mickrig wirken musste, weshalb er ihr ein aufrichtig interessiertes Lächeln, welches seine Zähne jedoch nicht entblöste, schenkte. "Du kommst also aus Schweden, hm? Wie kommt's, dass du nun in London bist? Und dein Freund - also, dieser Elion, der, äh, Kumpel - ist auch Schwede? Schweden soll schön sein, ich hörte von der beeindruckenden Natur dort oben..." Vielleicht war er ja schon einmal dort gewesen, konnte sich jedoch nicht mehr daran erinnern... "Wie alt bist du eigentlich? Und wieso kannst du das so gut, ich mein, Menschen das Leben retten? Bist du Heilerin oder so?" Er stellte viele sehr direkte Fragen, ohne selbst zu wissen, wieso, denn er fürchtete, dass sich ihre Wege ohnehin irgendwann trennen würden, sodass alles Wissen über seinen schönen Schutzengel früher oder später nutzlos wäre. Und doch war die Befriedigung seiner Neugier das einzige, das ihn nicht den Verstand verlieren ließ. Er wollte sie in ein Gespräch verwickeln, damit sie ihn nicht allein ließ, schließlich war sie die einzig greifbare Person, die er kannte. Er war zwar müde, traute sich jedoch nicht, einzuschlafen, weil er sich vor dem fürchtete, das ihn erwarten könnte, sobald er die Augen aufschlug. Was, wenn er sich all dies nur einbildete? Was, wenn er noch immer in irgendeiner Seitengasse lag und er gerade nur träumte? Was, wenn er in der Wohnung irgendeines Irren lag und die schöne Schwedin nur ein Konstrukt seiner Fantasie war? Nein, er wollte die Augen nicht mehr schließen. Die Welt um ihm herum war in Dunkelheit gehüllt und Neela war der einzige Lichtblick in diesem dunklen Tunnel, weshalb er sie nicht aus den Augen lassen wollte. Nicht aus den Augen lassen konnte.
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Neela Vivia Lundin
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Do 21 Sep 2017 - 21:36

Es würden wohl zumindest für heute noch einige Rätsel ungelöst bleiben, wie etwa ob Alistairs Angreifer seinen Zauberstab gestohlen hatten oder er ihn schlichtweg im Gemenge verlor. Oder ob es einen bestimmten Grund für den Übergriff gegeben hatte, der über einen gewöhnlichen Raubüberfall hinaus ging. Vielleicht wäre es zu paranoid sich darüber Gedanken zu machen, dass sein Gedächtnisverlust ja vielleicht sogar etwas mit dem Angriff zutun gehabt hatte oder dass die Angreifer etwas bestimmtes hatten bezwecken wollen. Neela ahnte, dass ihr diese Ungereimtheiten wohl vermutlich ebenso den Schlaf rauben würden, weshalb sie sich wohl eher etwas finden sollte, um sich die Zeit zu vertreiben. Dass Alistair Ruhe benötigen würde, stand außer Frage, doch natürlich würde sie ihn nicht einfach hier liegen lassen mit der Auflage, er solle sich ausruhen. Immerhin musste das alles für ihn noch um einiges beängstigender sein, weswegen es durchaus verständlich wäre, dass ihm ebenfalls nicht nach Schlaf war.
Nachdem sie seine Hand etwas länger als beabsichtigt gehalten hatte, ärgerte sie sich ein wenig über sich selbst. Immerhin sollte er nicht denken, sie würde sich irgendwie an ihn ranmachen wollen oder sonst etwas. Es war nun einmal ihre Art für andere Menschen da sein zu wollen, ganz gleich wie gut oder schlecht sie jene kannte und gerade wenn man darüber nachdachte, was Alistairs Schicksal vielleicht gewesen wäre, wenn sie ihn nicht gefunden hätte, brachte dies selbst die Heilerin zum Erschaudern. Glücklicherweise sagte er nichts über ihre Berührung, doch sie merkte, wie er die losgelassene Hand zügig um das Glas legte. War sie vielleicht doch zu weit gegangen?
Dass sich allerdings seine Wangen nun ebenfalls verfärben würden, nachdem sie ihn als süß bezeichnet hatte, verblüffte die Schwedin und sie blinzelte ein paar Mal, als wollte sie sich vergewissern, dass ihr nicht das spärliche Licht einen Streich spielte. Nunja, gänzlich sicher war sie sich diesbezüglich bis zum Schluss nicht, weswegen sie sich bemühte, Alistair nicht direkt anzustarren, sondern richtete ihre Aufmerksamkeit darauf, ihre Beziehung zu dem Wohnungsbesitzer zu beschreiben. Während sie sein Glas dann wieder auffüllte, glaubte sie, ihn etwas über die beschriebene platonische Freundschaft grummeln zu hören, war sich aber nicht sicher, ob sie es richtig verstanden hatte. „Er hat außerdem gerade erst die Frau abgekriegt, mit der er ein Kind erwartet. Deshalb ist er auch nicht hier.“, fügte sie deshalb für den Fall hinzu, dass sie sich nicht verhört hatte und falls doch wäre es einfach eine nebensächliche Information für Alistair, weshalb der Wohnungseigentümer nicht anwesend war. Dann lächelte sie ihn wieder an, als er darauf bestand, den Whiskey zu ersetzen und zuckte leicht mit den Schultern. „Dann werde ich ihm das ausrichten, wenn es dir so wichtig ist.“, versprach sie und prostete ihm ebenfalls mit ihrem Glas zu, auch wenn es sich dabei lediglich um klares Wasser handelte. Doch obwohl Neela selbst schon mit Elion solch eine Whiskeyflasche vernichtet hatte, war ihr im Moment weniger nach etwas alkoholischem. Dafür wollte sie viel zu sehr die Möglichkeit behalten, über die heutigen Geschehnisse nachzudenken.

Neelas mitfühlender Blick, den sie Alistair zugeworfen hatte, verwandelte sich prompt in Überraschung, als der Mann sie bat, etwas von sich selbst zu erzählen. Sie verstand, warum er sich lieber über etwas anderes unterhalten würde, als das, was ihm in den vergangenen Stunden zugestoßen war, doch Neela bezweifelte irgendwie, dass ihre Geschichte für ihn so interessant sein könnte. „Äh okay...“, antwortete sie, ehe Alistair sie auch schon mit einer Welle an Fragen überrollte und mit einem verlegenen Lachen hob sie leicht ihre Hände an. „Eins nach dem anderen.“ Um ihre Wangen abermals davon abzuhalten, ein wenig mehr Farbe zu bekommen, fuhr sie sich durch den blonden, leicht gewellten Longbob und fing dann einfach an, ins Blaue hinein zu erzählen: „Also Elion ist auch aus Schweden und ja, es ist wirklich sehr schön dort. Wir haben uns als Kinder in Stockholm kennengelernt und waren eigentlich seither unzertrennlich. Bevor sich herausgestellt hat, dass ich eine Hexe bin - meine Eltern sind beide Muggel - wollte ich eigentlich immer Tänzerin werden und bin auch lange in den Ballettunterricht gegangen. Ehrlich gesagt tanze ich hobbymäßig auch heute noch, aber nachdem ich die Einladung der schwedischen Zaubererschule erhalten hab, hat sich nach und nach meine Begabung für Heiltränke und -zauber herauskristallisiert. Gepaart mit meinem unerschütterlichen Helfersyndrom -“ Sie zwinkerte ihm vielsagend zu „ - hab ich dann nach meinem Abschluss doch den Weg der Heilerin eingeschlagen.“, beantwortete sie somit seine Frage. „Elion ist bereits neun Jahre vor mir nach London gezogen, er hat damals eine nicht ganz so einfache Zeit gehabt und nach dem Tod seiner Eltern die Schule abgebrochen, deshalb war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er auch das Land verließ. Ich hab bis vor knappen drei Wochen noch in Stockholm im dortigen magischen Krankenhaus gearbeitet, doch nachdem an einem Morgen einer der Patienten durch eine angeblich fahrlässige Handlung von einem der Heiler fest davon überzeugt war, er wäre eine Topfpflanze, klagte seine Familie das Spital und fast alle Angestellten wurden entlassen. Ich hatte früher schon mit dem Gedanken gespielt, nach London zu gehen, denn das St. Mungo's wird in vielen anderen Ländern sehr geschätzt und hochgehalten und da ich von diesem Zeitpunkt an ohnehin arbeitslos war, beschloss ich, einfach mein Glück zu versuchen. Dass ich bei meiner Ankunft direkt in Elion reingelaufen bin war mehr ein Zufall, denn ich wusste gar nicht, ob er nach wie vor in England ist. Und um mir keine Wohnung suchen zu müssen, hat er vorgeschlagen, ich solle doch bei ihm einziehen.“, endete sie schließlich ihre Erzählung und überlegte kurz, ob Alistair sie noch etwas gefragt hatte. „Ach und ich bin übrigens 29 Jahre alt.“, fiel es ihr gleich darauf ein, dass er sich ja auch nach ihrem Alter erkundigt hatte - von dem sie im Übrigen kein Problem hatte, es laut auszusprechen. [/color]


Zuletzt von Neela Vivia Lundin am Fr 29 Sep 2017 - 19:04 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Do 21 Sep 2017 - 23:07

Offenbar war dieser Elion doch keine so arme Socke, denn er hatte zwar nicht Neela abgekriegt, dafür aber eine andere Frau, welche er offensichtlich so gut gefunden hatte, dass er sie geschwängert hatte.
"Ein werdender Vater also - oha", bemerkte Alistair mehr für sich als für Neela, doch in seiner Stimme lag kein Ton der Verurteilung oder der Abneigung über dieses Detail. Vielmehr war es Respekt und Ehrfurcht vor diesem Mann, der es sich zutraute, ein Vater zu werden. Alistair selbst wusste nicht, dass er bereits zwei Kinder hatte, und in seiner jetzigen Situation kam es ihm absolut abwegig vor, jemals welche zu bekommen. Er kannte sich selbst, glaubte, von sich behaupten zu können, dass man ihm keine kleinen Lebewesen anvertrauen sollte und er nur ein schlechter Einfluss wäre. Er fluchte, trank und rauchte, war also wahrlich kein gutes Vorbild und Verantwortung war ohnehin etwas, vor dem er sich lieber drückte. All die Entwicklungen, durch die seine Persönlichkeit seit seinem Identitätswechsel vor achtzehn Jahren gegangen war, waren vergessen. Würde man ihm sagen, dass er eigentlich sogar ein ziemlich guter Vater war - nicht vorbildlich, aber liebevoll, authentisch und konsequent - dann würde er wohl in schallendes Gelächter ausbrechen. Nein, von seinem jetzigen Standpunkt aus stand außer Frage, dass Kinder jemals ein Thema für ihn werden könnten.
Mehr sagte der bärtige Zauberer dazu auch nicht. Die Bestätigung, dass Neela ihren Freund darauf hinweisen würde, dass derjenige, der seinen Whisky um zwei Gläser erleichtert hatte, ihm auch eine neue Flasche besorgen würde, wurde stumm abgenickt.

Kaum, dass er seine Fragen ausgesprochen hatte, fiel ihm auf, wie frech es der Schwedin vorkommen könnte, dass er so neugierig war. Eigentlich war er nicht so sensibel, wenn es um seine eigene Wirkung auf andere ging, doch bei ihr ermahnte er sich selbst zur Vorsichtig. Er könnte nicht sagen wieso, doch es läge ihm fern, die schöne Hexe zu verärgern.
Zu seiner Überraschung reagierte sie auf seine direkten Fragen allerdings nicht mit Empörung. Sie wirkte erst ein wenig verunsichert, als sie sich durch das gewellte, blonde Haar fuhr und dabei verlegen lachte. Ja, je länger Alistair sie beobachtete, desto empfänglicher wurde er für das, was ihre Körpersprache ihm über sie verriet. Vielleicht, weil es sonst nichts gab, worauf er sich stützen oder konzentrieren könnte. Er hatte nur sie mit allem, was sie von sich zeigte. Doch mehr brauchte er auch überhaupt nicht, schließlich halfen ihre Erzählungen schon, seine Sorgen etwas in den Hintergrund treten zu lassen.
Aufmerksam lauschte er ihrer Geschichte über ihren besten Freund und ihre Kindheit in Schweden. Er erfuhr, dass sie muggelstämmig war und gerne tanzte, und bei einer flüchtigen Musterung der blonden Hexe glaubte er sogar, an ihr die perfekte Statur für eine Tänzerin zu erkennen. Er verstand nicht viel vom tanzen, wusste aber wie Ballett aussah und konnte sich durchaus vorstellen, dass eine von Neela ausgeführte Performance durchaus gut aussehen würde.
Ein dunkles, leises Lachen erschütterte den schweren Leib des Mannes, als sie mit einem Zwinkern ihr Helfersyndrom erwähnte. Ja, es traf zu, aber hey, dieser Charakterzug hatte ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Und anderen Menschen wohl auch, denn wie er als nächstes erfuhr war die schöne Hexe eine Heilerin. Mit einem Mal kam sich der Brite ziemlich ungebildet und dämlich vor, schließlich assoziierte er mit Heilern irgendwie eine sehr gute Bildung und vorbildliche Schulnoten. Er selbst wusste nicht mehr, was er für ein Zeugnis hatte, aber er traute sich selbst keine Glanzleistungen zu. Die Tatsache, dass er sich nachts in einer Seitengasse hatte verprügeln lassen, ließ ihn auf jeden Fall schon mal an seinem Intellekt zweifeln. Aus unerklärlichen Gründen hoffte er nur, dass Neela ihn nicht dafür verurteilte.

"Oh wow, tut mir leid mit deinem Job...", kam es mit kratziger Stimme von dem erschöpften Zauberer, als er von Neelas Arbeitslosigkeit erfuhr, wenngleich es doch auch sein Glück war, dass sie diese als Anstoß für einen Neuanfang in London gebraucht hatte, denn anderenfalls hätte sie ihn an diesem Abend wohl nicht gefunden sondern wäre noch immer in Schweden. "... das hast du echt nicht verdient. Hast das echt drauf, also, das heilen." Mit dem Kinn deutete er auf den Verband um seinen Rumpf und die Tatsache, dass er sich inzwischen einigermaßen klar mit ihr unterhalten konnte, ohne ständig vor Schmerzen stöhnen zu müssen, sprach ebenfalls dafür. Sie war mit ihren 29 Jahren jung und doch professionell. Tatsächlich hätte er sie dem Aussehen nach zu urteilen noch jünger eingeschätzt, doch dies kam, so schätzte er, von ihrer unschuldigen Ausstrahlung. Sie war, wie er schon bemerkt hatte, eben echt süß, was sie jünger hatte wirken lassen, doch schlimm fand er dies nun wahrlich nicht. Er selbst fühlte sich gerade mindestens zehn Jahre älter als sie. Zumindest sah er mit all den Verletzungen im Gesicht so aus, wenn er dem Spiegelbild im Fernseher Glauben schenken durfte.
"Dieser Elion scheint ja echt 'n netter Typ zu sein." Was er wohl beruflich machte? Es musste trotz der abgebrochenen Schullaufbahn irgendwas sein, womit man eine Familie ernähren konnte; anderenfalls wäre es unverantwortlich, ein Kind auf die Welt zu bringen. "Ich hoffe, du gerätst nich' in Schwierigkeiten, weil du 'nen Wildfremden in seine Bude gelassen hast. Ich versprech dir, ich mach' auch nichts kaputt." Unschuldig hob er die Hände, wobei sich seine Lippen zu einem leichten Schmunzeln kräuselten. Dieses Schmunzeln hielt jedoch nicht lange an. Er bedauerte es ein wenig, nichts über sich erzählen zu können, denn er hätte ihre Offenheit gerne gebührend erwidert. Neela hatte es verdient, zu wissen, wem sie da gerade ihre Lebensgeschichte anvertraut hatte, doch in dieser Hinsicht konnte Alistair ihr nicht mehr anbieten als das, was sie bereits wusste.
Das Glas wurde geleert und wieder abgestellt, worauf er sich vorsichtig auf die Seite drehte und den Fernseher anstarrte.
"Danke, dass du deine Geschichte mit mir geteilt hast. Hat irgendwie gut getan", drang die tiefe Stimme dann leise über seine Lippen, während er sein Spiegelbild anstarrte. Er merkte, dass er wieder nachdenklicher wurde, weshalb er das Gespräch noch ein wenig in die Länge ziehen wollte. Solange Neela sprach, konnten seine Sorgen nicht zu ihm durchdringen, oder zumindest schien es ihm so. "Hast du denn jetzt einen Job im Sankt... äh... Mongo?" Ihm war, als hätte er den Namen des Krankenhauses eigentlich schon mal gehört und doch konnte er ihn so rasch nicht rekonstruieren. Er war sich sogar ziemlich sicher, dass er den Namen falsch ausgesprochen hatte, doch es bestand eine leise Hoffnung, dass Neela ihn dafür nicht auslachte. Er kam sich ohnehin schon mickrig genug vor.
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Fr 29 Sep 2017 - 19:36

Die Schwedin war selbst ziemlich erstaunt darüber gewesen, dass ihr Kindheitsfreund nun Vater werden sollte. In Wahrheit waren sie zusammen immer von so viel Chaos umgeben gewesen, dass man ihnen beiden niemals ein Kind zugetraut hätte, doch Neela kannte natürlich auch andere Seiten von Elion, welche sie davon überzeugten, dass er bestimmt ein guter Vater sein würde und nachdem nun auch die Sache mit Saphira ausgesprochen und gelöst zu sein schien, stand der kleinen Familie eigentlich nichts mehr im Weg. Ein Fakt, der die Blonde unglaublich freute, denn so sehr sie Elion auch schätzte, war für sie beide immer klar gewesen, dass zwischen ihnen nie mehr als Freundschaft laufen würde. Aus diesem Grund war es der Heilerin viel mehr ein Anliegen, dass der Skandinavier sein Glück fand. Für sie selbst stand im Gegensatz dazu eine eigene Familie natürlich außer Frage, denn ihre letzte Beziehung hatte sie während ihrer Ausbildung zur Heilerin in Schweden gehabt und nachdem diese unter nicht ganz harmonischen Umständen in die Brüche gegangen war, hatte sich in diese Richtung nichts mehr für Neela ergeben. Damit hatte die Hexe aber auch keine Probleme, denn gerade als es darum ging, einen neuen Job zu finden und ihr Leben nach England zu verlegen, wäre es vermutlich sogar hinderlich gewesen, eine Beziehung zu haben. Und wer wusste schon, was ihr in London noch alles passieren würde. Allein, dass sie Alistair heute gefunden hatte, sprach wohl dafür, dass diese Stadt für einige Überraschungen gut war.

Als ihr gefundener Patient sein Mitgefühl bezüglich ihres Jobverlustes aussprach, winkte Neela nur beiläufig ab. „Ist schon okay. Wie gesagt, hatte ich selbst nicht vor, ewig in Schweden zu bleiben und so war das für mich einfach eine Art Wink des Schicksals. Auch wenn es kitschig klingt, aber wäre das nicht passiert, hätte dich heute wohl jemand anderes retten müssen.“, sprach sie unbewusst Alistairs Gedanken aus und schenkte ihm ein Lächeln. Dass diese Aussage natürlich auch implizierte, dass es in weiterer Form hätte Schicksal sein können, dass sie ihm überhaupt begegnet war, fiel ihr zunächst gar nicht auf und dann hoffte sie, dass er dies nicht so verstand. Immerhin hatte solch ein Gerede über Vorsehung und Schicksal ja tatsächlich immer etwas kitschiges und er sollte nicht glauben, ihn hätte eine Verrückte aufgelesen. Es war interessant, dass Neela selbst auch etwas mehr Gedanken daran verschwendete, was sie sagte und wie sie sich in Alistairs Gegenwart gab. Normalerweise stürzte die Hexe immer mit der Tür ins Haus und erwischte dabei jedes Fettnäpfchen, das sie irgendwie kriegen konnte, doch bei ihm ging sie vorsichtiger vor. Nicht, dass sie sich absichtlich verstellte, doch möglicherweise lag es an seiner Situation, dass sie ihm keinesfalls ein negatives Bild von sich einpflanzen wollte. Sie hatte es sich bereits fest in den Kopf gesetzt, so lange Alistairs Anker zu sein, wie er es zuließ, denn wenn seine Erinnerungen nicht zurück kehrten, musste er sich praktisch ein neues Leben aufbauen. Und sofern sie ihm dabei irgendwie helfen könnte, würde sie es tun.

Nun entfuhr Neela wiederum ein leises Lachen, als Alistair seine Sorge mit ihr teilte, ob sie Ärger von Elion bekommen würde, weil sie einen Fremden in seine Wohnung gebracht hatte, und sie schüttelte rasch ihren Kopf. „Da mach dir mal keine Sorgen. Hätte er dich gefunden, hätte er dich auch nicht liegen lassen, also steht es außer Frage, dass er die Situation verstehen würde. Und wie du sagst, er ist ein sehr netter Kerl, du würdest ihn sicher mögen.“, versicherte sie ihm und rutschte dann ein Stück zur Seite, um Alistair nicht dabei zu behindern, wie er sich auf die Seite drehte. Dabei beobachtete sie ihn mit prüfenden Blick, doch es schien tatsächlich, als hätte ihre Behandlung angeschlagen. Würde er noch ein wenig Schlaf bekommen, ginge es ihm danach bestimmt schon um einiges besser.
„Ach, ist doch nichts besonderes...“, tat sie seine Danksagung ab und hob ihre Schultern an. „Aber trotzdem gern geschehen.“ Und dies war nicht einmal gelogen, denn obwohl Neela bestimmt niemand war, der sich gerne in den Mittelpunkt drängte und jedem ihre Lebensereignisse aufschwatzte, hatte sie ihm doch auch bereitwillig etwas von sich erzählt. Es war schließlich die einzige Form des kennenlernens, die sie hatten, solange er sich an seine eigene Geschichte nicht erinnern konnte.
Die Frage, ob sie denn nun im St. Mungo's einen Job hatte, ließ Neela sich daran erinnern, wie sie sich auf so ungeschickte Weise verlaufen hatte, bevor sie ihn gefunden hatte und unwillkürlich wurde sie wieder verlegen. „Das wird sich noch herausstellen. Als ich dich gefunden hab, kam ich gerade von dem Bewerbungsgespräch dort... Also zumindest bevor ich mich verlaufen habe und in der dunklen Seitengasse gelandet bin, in der du gelegen bist...“, gab sie peinlich berührt zu und ärgerte sich, dass ihre Wangen erneut heiß wurden. Ja, ihr Orientierungssinn war wirklich nicht sehr vorbildlich, doch andererseits könnte man wohl auch hier erneut damit argumentieren, dass sie Alistair nie gefunden hätte, hätte sie direkt nach der Bewerbung den Weg nach Hause gefunden.
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Fr 29 Sep 2017 - 23:00

Schicksal? Eigentlich glaubte der raue Brite nicht an so etwas, aber wenn es Schutzengel gab, war Neela wohl so etwas in der Art. Es war schon verrückt wie ihr Jobverlust ihm wahrscheinlich das Leben gerettet hatte, und doch spielten noch so viele weitere Faktoren in dieser Kette von Ereignissen, die ihn hierher gebracht hatten, eine Rolle. Wie genau diese Faktoren aussahen, wollte er jedoch nicht überdenken. Es fühlte sich an, als würde ein solcher Denkprozess seinen Kopf zum platzen bringen, weshalb er es lieber nicht riskierte, mehr Denkleistung als nötig daran zu verschwenden. Alles, was zählte, war die Tatsache, dass er noch lebte. Ihm fehlten zwar seine Erinnerungen an die Hälfte seines Lebens, sein Geld und seine geistige Orientierung, aber er lag gut versorgt auf einer bequemen Couch in einem warmen Wohnzimmer und befand sich in der Gesellschaft einer klugen Schönheit. Es hätte ihn wirklich schlechter treffen können.
"Wär's in dieser Hinsicht verwerflich, zu sagen, dass ich's eigentlich nicht bedauere, dass du deinen Job verloren hast?", raunte er nun mit einem frechen Grinsen, "Ich mein, stell dir vor, ich läg jetzt im Wohnzimmer von irgendso'nem dicken, ungepflegten Halbriesen. Der hätte meine Wunden wahrscheinlich ausschließlich mit Hochprozentigem versorgt..." Dunkel lachte er, doch wieder schmerzte die Erschütterung seines Brustkorbs dumpf. Das Lachen wurde rasch schwächer.

Nun war es jedoch Neela, die mit einem Lachen erklärte, dass Elion es ihr wohl nicht krumm nehmen würde, dass sie einen Fremden in die Wohnung geholt hatte, was Alistair in der Annahme, dass der Schwede echt korrekt sei, nur bestätigte. Tatsächlich wollte er ihn wirklich gerne kennen lernen. Doch angesichts der Tatsache, dass Neela bisher die einzige Person war, die er kannte, war dieses Bedürfnis nach weiteren Kontakten wohl kaum verwunderlich - wenngleich ihm in diesem Moment ihre Präsenz nicht nur genügte, sondern sogar alles war, was er brauchte.
Ihre nächsten Worten erklärten, weshalb sie so professionell gekleidet war, und ein wenig fiel Alistair ein Stein vom Herzen, dass sie nicht immer so herum lief. Zwar stand ihr der Bleistiftrock ausgezeichnet, doch Frauen, die so etwas privat trugen, würden sich nie auf Kerle wie ihn einlassen. Aber wieso beschäftigte ihn das überhaupt?
Sanft schmunzelte er wieder, als sie zugab, sich verlaufen zu haben und dabei wieder errötete. Sie tat dies ganz schön oft, doch der bärtige Brite würde sich nicht darüber beschweren. Es gefiel ihm irgendwie ... und es stand ihr.
"So so... dann drück ich dir die Daumen, dass das klappt", lächelte er schwach, aber zuversichtlich, worauf er unweigerlich gähnen musste. Die Müdigkeit in seinen Knochen und Muskeln ließ sich nur noch schwer leugnen, wenngleich sein Kopf glaubte, noch lange nicht schlafen zu können. "Hattest sicher 'nen anstrengenden Tag. Wenn du möchtest, kannst du schlafen gehen. Ich komm zurecht und schaffe es vielleicht auch irgendwann, zu schlafen. Hat Elion notfalls Schlaftabletten irgendwo?" Er trennte sich nicht gern von Neela, aber er sah ein, dass es egoistisch wäre, sie länger aufzuhalten. Sie hatte schon mehr getan, als sie hätte tun müssen und er befand sich wahrlich nicht in der Position, noch mehr zu verlangen.

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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Fr 29 Sep 2017 - 23:52

Zugegeben, wenn man sich in einer Situation befand, die auf den ersten Blick einfach nur negativ aussah, würde es wohl kaum jemandem einfallen, jetzt vom Schicksal zu sprechen. Und obwohl es Alistair im Endeffekt schlimmer hätte treffen können, wenn Neela ihn nicht gefunden hätte, war doch die gesamte Verkettung der Umstände nicht gerade als sonderlicher Lichtblick seines Lebens zu sehen. Zu gerne hätte die Schwedin gewusst, was er normalerweise für ein Leben geführt hätte, auch wenn dies möglicherweise bedeuten könnte, dass sie sich gar nicht erst getroffen hätten, doch ein wenig neugierig wurde sie schon darauf, was für ein Mensch sich eigentlich hinter Alistair Prince versteckte. Natürlich hatte sie sich bereits einen Eindruck von ihm gemacht - der keinesfalls negativ war - doch da die Erinnerungen bekanntlich den Menschen ausmachten, wäre es theoretisch möglich, dass er unter „normalen“ Umständen gänzlich anders gewesen wäre. Nunja, es bestand ja immer noch die Möglichkeit, dass seine Erinnerungen wieder zurück kämen und dann würde er ihr ja vielleicht sogar etwas davon berichten.
Seine Worte entlockten Neela nun ebenfalls ein Lachen und bei der Vorstellung, wie er von einem Halbriesen mit Alkohol versorgt wurde, schüttelte sie angewidert den Kopf. „Da hättest du auf der Straße auch schon liegen bleiben können! Und ich muss zugeben, ich bedauere es auch nicht. Ich bin zwar erst seit knapp zehn Tagen in London, aber es war die richtige Entscheidung herzukommen.“, gab sie aufrichtig zurück und auch wenn sie über ihn wenig wusste und ihre Begegnung nicht gerade dem Alltag entsprach, war Neela doch froh, dass sie Alistair gefunden hatte. Immerhin wirkte er wie ein guter Kerl, ganz egal was vielleicht die Gründe für den heutigen Übergriff gewesen waren.

Nachdem sie von ihrem Vorstellungsgespräch erzählt hatte, wurde ihr auch erst bewusst, dass sie immer noch ihren Rock und die Bluse anhatte, welche mittlerweile etwas zerknittert, dreckig und bei weitem nicht mehr Vorzeigetauglich aussahen und prompt merkte sie, wie unbequem diese Kleidung eigentlich war. Es war nicht so, dass Neela sonst nie darauf achtete, wie sie sich anzog, doch entschied sie sich in den meisten Fällen doch eher für bequemere Garderobe, anstatt sich in superschicke Kleider und Röcke zu zwängen. Ganz abgesehen von den Schuhen, welche mit dem Blazer das einzige war, das sie prompt ausgezogen hatte, nachdem sie mit Alistair in die Wohnung gekommen war. Nun bemerkte sie auch erst, dass sich an ihren Fersen tatsächlich kleine Blasen gebildet hatten und durch das Hinknien auf die Straße war zudem auch noch eine Laufmasche in ihren Strümpfen entstanden. Alles in allem würde sie so wohl kein Bewerbungsgespräch mehr bestehen und der Wunsch nach einer Dusche und Jogginghose wurde größer. „Danke.“, erwiderte sie, nachdem Alistair versprochen hatte, ihr die Daumen bezüglich des Jobs zu halten und als er dann weitersprach und sie praktisch „ins Bett schickte“ sollte sie zu müde sein, sah sie ihn zunächst überrascht an und blickte anschließend nochmals an sich hinunter. Irgendwie käme es ihr sehr unhöflich vor, ihn einfach alleine zu lassen, doch sie hatte auch vollkommen ihr Zeitgefühl verloren und solange sie hier war, würden sie wohl beide keinen Schlaf finden, was in Alistairs Fall leider nicht sehr gut für seine Wunden wäre. „Nun... Schlafen hat für mich jetzt nicht die höchste Priorität, aber... Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich kurz unter die Dusche hüpfe und mir etwas bequemeres anziehe? Wenn du möchtest kann ich dir dann ein bisschen was vom Schlaftrunk für Traumlosen Schlaf geben. Es wäre gut, wenn du zumindest heute Nacht möglichst lange und ruhig schläfst, damit die Heiltränke ihre Wirkung ganz entfalten können.“, schlug sie vor und sah ihn abwartend und auch ein bisschen entschuldigend an, da sie ihn wirklich nur ungerne zurück ließ. Natürlich wäre es möglich, dass sein Unterbewusstsein versuchen würde, sich mit Hilfe von Träumen an seine Vergangenheit und die Geschehnisse des vergangenen Abends zu erinnern, doch womöglich könnte ihn dies ziemlich aufwühlen, was den Heilungsprozess natürlich verlangsamte. Doch Neela würde ihm die Entscheidung überlassen und während sie auf eine Antwort wartete, erhob sie sich von der Couch und sammelte ihren Blazer und die schwarzen Pumps ein.
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Sa 30 Sep 2017 - 0:35

Sie war so höflich. So sehr, dass es Alistair selbst fast schon unangenehm war, selbst nicht solche Manieren an den Tag legen zu können. Er bemühte sich zwar, im Gespräch mit der hübschen Blonden keine schlechten Eindrücke zu hinterlassen, doch die Tatsache, dass er mit aufgequollenem und blau geschlagenem Gesicht halbnackt auf ihrer Couch lag, erschwerte diese Bemühungen ungemein. Wahrscheinlich dachte sie schon, dass er ein Loser war, doch ihre gute Kinderstube verbot es ihr, dies durchschimmern zu lassen.
Stattdessen behandelte sie den verprügelten Briten wie jemanden, dessen Meinung zählte, indem sie ihn fragte, ob sie unter die Dusche hüpfen dürfe. Natürliche dürfe sie das, fuhr es Alistair durch den Kopf, und er konnte nicht anders, als sie so anzugucken, als hätte sie ihn gerade nach der Weltformel gefragt. Er wirkte ratlos, perplex, und konnte nicht sofort auf ihre Frage antworten, da er zu sehr damit beschäftigt war, sich zu fragen, wieso sie nicht einfach kackendreist aufstand und duschen ging. Er selbst hätte es wohl so gehandhabt, und hier lag wohl der grundlegende Unterschied zwischen ihm und ihr, welcher ihn glauben ließ, dass Frauen wie sie nie an Männern wie ihm interessiert sein könnten. Aber das war ja auch egal. Er war ja nicht hier, um eine Freundin zu finden. Er war hier, weil sie ihm geholfen hatte, und es wäre falsch, daraus irgendwelche falschen Hoffnungen entstehen zu lassen. Sie hatte letztendlich einfach nur ihren Job gemacht.

"Nein, das würde mir natürlich nichts ausmachen", entgegnete er dann ungewohnt sanft und aus trockener Kehle, wobei er letzteres nicht einmal erklären könnte. Er selbst merkte gerade, dass so eine Dusche ihm selbst ebenfalls ganz gelegen käme, da er sicherlich stank wie eine Londoneer Eckkneipe und er sich schmutzig fühlte, doch er könnte sich wohl kaum sicher auf zwei Beinen halten. Schon beim bloßen Gedanken wurde ihm schwindelig. Und auf Assistenz unter der Dusche konnte er ziemlich gut verzichten. Wobei...
Flüchtig glitt sein Blick zu Neela. Nein, sie war zwar durchaus attraktiv, aber wenn er irgendwann in seinem Leben das unwahrscheinliche Glück genießen sollte, mit ihr unter einer Dusche zu landen, dann am besten nicht in so einem Kontext. Seine Ohren liefen rot an und etwas beschämt sah er zur Seite. Er dachte an Dinge, die er nicht denken sollte, und obwohl es nicht seine Art war, sich dafür zu schämen, tat er dies in genau diesem Moment. Sie hatte es nicht verdient, dass er so über sie dachte, wie er schuldbewusst feststellte, und so sah er ihr nur mit leiser Sehnsucht im Blick hinterher; wie ein Hund, der sein Frauchen dabei beobachtete, wie es durch die Tür den gemeinsamen Wohnraum verließ, und deshalb fürchtete, dass sie nie zurück kommen würde.

Im Wohnzimmer zurückgelassen wirkte die Stille auf Alistair wie die reinste Folter. Er hätte am liebsten Musik angemacht, doch er kannte sich mit den Geräten in dieser Wohnung nicht aus, zumal diese offensichtlich Muggelerfindungen waren, wie man an den Kabeln erkennen konnte. Die schwarze, reflektierende Fläche, welche der bärtige Brite als Spiegel missbraucht hatte, war ebenfalls an Kabeln angeschlossen, doch er wüsste nicht, wie man es aktivierte. Die grünen Augen glitten zu einem Bücherregal, worauf er einen blauen Buchrücken anvisierte, den Arm zitternd ausstreckte und sich zu konzentrieren versuchte.
"Accio Buch", stöhnte er leise, worauf ihm ein ganzer Haufen Bücher aus dem Bücherregal entgegen schoss. Zwar konnte er sein geschundenes Gesicht vor ihren schützen, indem er rechtzeitig die Arme für sein Gesicht hielt, doch zwei Bücher prallten unsanft gegen seinen Torso und entlockten ihm ein schmerzvolles Seufzen. Der Großteil der anderen Bücher hatte ihn zum Glück verfehlt, lag nun jedoch im Raum herum und obwohl Alistair es versuchte, schaffte er es nicht, sie ohne Zauberstab sicher zurück ins Regal zu manövrieren. Zaubern konnte er also schon mal vergessen, wenn nicht einmal die einfachen Alltagszauber ihm gelingen wollten.
Er konnte hören, wie im Bad das Wasser anging. Das Geräusch hatte eine milde, beruhigende Wirkung auf ihn. So schnappte er sich ein Buch und versuchte, darin zu lesen, nur um festzustellen, dass er die Sprache nicht kannte. Entweder hatte er seine Fähigkeit zu lesen verloren oder er hatte ein schwedisches Buch erwischt. Das Bizarre war, dass er keine der beiden Möglichkeiten ausschließen konnte, weshalb er ein anderes Buch aufsammelte und feststellte, dass er jenes ebenfalls nicht lesen konnte.

Er hatte sich schon die ganze Zeit schwach und mickrig gefühlt, doch in diesem Moment kam er sich wirklich dumm vor. Keinen Buchstaben könnte er sicher zuordnen. Sie wirkten auf ihn bekannt und doch fremd. Wie Hieroglyphen, die man in einem Lexikon schon einmal gesehen hatte aber nicht übersetzen konnte.
Dies war wirklich ein herber Schlag. Sprachlos und desillusioniert starrte er auf die geschriebenen Wörter in dem Buch, von welchem er nicht eines identifizieren konnte. Eine ganze Weile hatte er so da gesessen, bis er aus dem Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Das Geräusch des Wassers war inzwischen verstummt, folglich war Neela im Bad wohl fertig.
"Ich kann nicht mehr lesen...", murmelte er monoton, ohne vom Buch aufzusehen, "... Ich kann die Buchstaben nicht mehr erkennen." Seine Stimme zitterte nun etwas, da ihm dämmerte, dass sein Unfall noch viel schwerere Schäden hinterlassen hatte, als er hatte wahrhaben wollen. Er hatte grundlegende Fähigkeiten verloren und er wusste nicht, wie er damit umgehen sollte. Doch wieso sollte dies Neela überhaupt kümmern? Sie wollte ihm nur noch den Trank geben und danach ins Bett. Und er sollte sie schlafen lassen. "Ich... tut mir leid. Es sollte mich nicht wundern, oder?", fügte er dann genuschelt hinzu, worauf er das Buch zuklappte und das Cover betrachtete. Es zeigte ein Boot mit Männern darauf und eine riesige Flosse, die aus dem Wasser ragte. Vage Assoziationen wurden aktiviert, doch keine von ihnen war konkret genug, um für Alistair greifbar zu sein. "Ich wäre dann bereit für den Trank..."
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Neela Vivia Lundin
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BeitragThema: Re: Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: Nichts ist wahr.   Sa 30 Sep 2017 - 1:09

Wenn Neela geahnt hätte, dass ihm ihre Art, mit der Situation umzugehen, so viele Gedanken gemacht hätte, hätte sie wohl geschmunzelt. Ja, natürlich war sie höflich. Immerhin befand er sich in einer fremden Wohnung, nachdem er zusammengeschlagen wurde und nun seine Erinnerungen vermisste. Sie konnte ihn nicht einfach behandeln, als wäre er bei ihr zu Besuch und würde sich ganz gut alleine beschäftigen können, immerhin war er nicht einmal in der Lage, sich selbst aufzurichten, was natürlich aufgrund seiner Verletzungen kein Wunder war, doch Neela war sensibel genug, um zu berücksichtigen, wie schlecht es ihm gehen musste. Sowohl körperlich, als auch was die Gedächtnislücken anging. Hätte er irgendwie den Anschein gemacht, als wolle er nicht allein sein, wäre sie bis zum Morgengrauen bei ihm gesessen, einfach weil sie das Gefühl hatte, dass es richtig wäre, denn obwohl er mit Sicherheit älter war als sie und damit eigentlich nicht bemuttert werden müsste, wusste er nicht einmal wer er selbst war und was im letzten Drittel seines Lebens geschehen war, was keinesfalls eine Situation bot, die irgendjemand sonst recht locker nehmen könnte.
Die Schwedin lächelte ihn sanft und dankbar an, als er nun schließlich beteuerte, dass es ihm nichts ausmachen würde, wenn sie kurz verschwand und mit den Worten: „Ich bin gleich zurück.“, verschwand die Blonde aus dem Zimmer und betrat ohne Umschweife des Bad. Sie entledigte sich der schmutzigen Kleidung und drehte anschließend das Wasser auf, um sich unter den Strahl zu stellen. Es tat gut, sich die Geschehnisse der letzten Stunden abzuwaschen, denn nun wurde ihr auch erst bewusst, wie sehr sie sich über den scheinbar leblosen Körper in der dunklen Gasse erschrocken hatte. Sie war Heilerin und bekam tagtäglich natürlich einige Dinge zu Gesicht, doch trotzdem rechnete doch niemand damit, plötzlich auf der Straße mit einem Fall um Leben und Tod konfrontiert zu werden. Sie war froh, dass sie es trotz ihrer chaotischen Art geschafft hatte, so ruhig mit der Sache umzugehen, was wohl ein Beweis dafür war, dass sie den richtigen Beruf für sich gewählt hatte. Wäre andernfalls wohl auch kontraproduktiv, wenn sie in so einem Fall die Nerven wegschmeißen würde. Trotz allem wäre es aber doch untertrieben zu behaupten, dass es nicht auch an ihrer eigenen Energie gezehrt hatte und während das warme Wasser über ihr Gesicht und ihren Körper lief spürte sie, wie sie langsam müde wurde.

Allerdings wollte sie Alistair nicht zu lange warten lassen, weswegen sie rasch Haare und Haut wusch und anschließend den Wasserstrahl abdrehte. Sie trat aus der Dusche und wickelte sich in ein Handtuch, ehe sie mit der zuvor ausgezogenen Kleidung in ihr Zimmer verschwand, in eine graue Jogginghose und ein hellblaues Top schlüpfte, das ein bisschen von ihrem Bauch und Hüften zeigte und eine schwedische Aufschrift zu sehen bot. Dann rubbelte sie sich die halblangen, gewellten Haare ein wenig mit dem Handtuch trocken und durchforstete ihre Zaubertrankvorräte nach dem Schlaftrunk. Nachdem sie die gewünschte Phiole gefunden hatte, kehrte sie zu Alistair ins Wohnzimmer zurück und blieb überrascht in der Tür stehen, als sie die am Boden herumliegenden Bücher sah. Seine Stimme durchbrach den Raum und Neela drückte mitfühlend ihre Lippen aufeinander. Sie wollte ihn nicht abspeisen, doch er brauchte die Ruhe und vielleicht würde die Welt am nächsten Morgen tatsächlich anders aussehen. Schließlich durchschritt sie das Zimmer und setzte sich abermals neben ihn auf die Couch, um ihm sanft das Buch aus der Hand zu nehmen. „Ist schon gut, morgen wird es dir besser gehen.“, redete sie ihm beruhigend zu und achtete gar nicht darauf, ob es sich nun um ein schwedisches Buch handelte. Selbst wenn müsste er doch theoretisch die Buchstaben erkennen können, da das Alphabet doch bis auf ein paar Ausnahmen dasselbe wie im Englischen war. Und es war wohl generell besser, erst einmal ein paar Stunden zu schlafen, bevor sie sich damit beschäftigten, ob er nun tatsächlich die Buchstaben nicht erkannte oder einfach die Sprache nicht verstand. Neela reichte ihm die Phiole, als er erklärte, nun bereit für den Trank zu sein und nachdem er jene geleert hatte, setzte die Wirkung innerhalb weniger Sekunden ein. Die Schwedin deckte ihn noch zu und hob dann leise die Bücher vom Boden auf, um sie zurück ins Regal zu schieben, ehe sie das Licht ausmachte und in ihr eigenes Zimmer zurückkehrte, um ebenfalls ein wenig Schlaf zu suchen.





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