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 A Christmas Carol (in fünf Akten)

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Warrick McMahon
Mitarbeiter - Ausschuss zur Beseitigung gefährlicher Geschöpfe
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BeitragThema: A Christmas Carol (in fünf Akten)   So 30 Okt 2016 - 22:32

A Christmas Carol

(in fünf Akten)


1. Akt

Früher, weit bevor Warrick in das Melborough Institute for Higher Learning eingeschult worden war, bevor er wichtige Lektionen wie „zu Drachen muss man immer einen Sicherheitsabstand von mindestens 20 Metern, wenn möglich“ und „wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, um den Drachen zum Beispiel zu striegeln, weil Mum gerade keine Zeit dafür hat, und der Drache sich dafür entscheidet, zu niesen, suche Deckung“ gelernt hatte, und lange bevor Warrick sich das erste Mal über seinen Bruder lustig gemacht hatte, nachdem klar wurde dass dieser nicht magisch begabt war, hatte der Junge angenommen, Weihnachten sei ein Fest des Friedens und der Ruhe.

Ein Irrglaube, der sich ausnahmsweise, entgegen der gemeinen Natur von Irrglauben aller Art, für Warrick schnell von selbst auflöste, und zwar genau dann, als Warrick im Alter von 6 zum ersten Mal mithelfen musste, dem damaligen (buchstäblichen) Hausdrachen Drachi eine festliche rote Schleife um den schuppigen Hals zu binden. Bis heute hatte Warrick eine große, nie völlig verheilte Brandnarbe, die sich über seine gesamte rechte Schulter und Teile seines Oberarms erstreckte, und die man vermutlich hätte vermeiden können, wenn das nächste Krankenhaus nicht fünf Stunden entfernt liegen würde. Aus diesem Grund besaßen alle drei Kinder der McMahons mehrere kleinere und größere Narben am ganzen Körper, die wahlweise von giftigen Spinnen, giftigen Schlangen, giftigen Insekten aller Art, und Drachenliebkosungen kamen, und die nicht wichtig genug gewesen waren, um eine längere Autofahrt zu rechtfertigen. „Schlucks runter und hör auf zu heulen“ war vermutlich der Satz gewesen, den Warrick im Laufe seiner Kindheit am häufigsten zu hören bekommen hatte.

In den folgenden Weihnachtsfesten nach diesem einprägsamen Erlebnis hatte Warrick dann mehr und mehr festgestellt, wie falsch er gelegen hatte. Frieden und Ruhe sahen anders aus- wie genau, wusste Warrick selbst nicht so genau, da es nie etwas im McMahon-Haushalt gab, das dieser Beschreibung auch nur im Entferntesten ähneln würde, aber er hatte eine vage Vorstellung von lächelnden Familienmitgliedern, dem Geruch von Zimt und leiser Musik im Hintergrund, welche man trotz der geringen Lautstärke klar hören konnte.

Das alles war ein ferner und nicht besonders gut ausgearbeiteter Traum, der der Realität nicht im Entferntesten ähnelte, wie Warrick zu wissen meinte, ohne sein Elternhaus bisher auch nur betreten zu haben. 19 Weihnachtsfeste hatten sich zu sehr in seinem Gedächtnis festgesetzt, als dass er ernsthafte Hoffnungen für das zwanzigste hegen könnte.

Im Augenblick fuhr Warrick in einem rostigen Pickup Truck durch das offene Metalltor, welches das riesige Grundstück seiner Eltern an die staubige Landstraße anschloss. Das Auto gehörte nicht ihm, um genau zu sein besaß Warrick nicht einmal einen Führerschein, aber Benjamin, sein bester Freund aus Kindheitstagen, war nicht nur der Besitzer des Trucks sondern außerdem ein exzellenter Dokumentenfälscher. Ben war der erste gewesen, für den Warrick die oberste Regel, die magische Welt geheim zuhalten, gebrochen hatte, und im Gegenzug für Schokofrösche und verzauberte Spielzeuge hatte Ben Warrick früher all die Videospiele spielen lassen, die Warricks Mutter zuhause verboten hatte. Inzwischen wohnte Warrick in Bens Keller, seit er vor knapp zwei Wochen unangekündigt aufgetaucht war.

Er hatte nie geplant, mit fast 21 Jahren auf einer Luftmatratze in einem Keller mit einer flackernden Glühbirne und keiner Klimaanlage zu schlafen, aber das Leben konnte manchmal unberechenbar sein. Als Warrick vor dreieinhalb Jahren die Schule mit einem mittelmäßigen Zeugnis abgeschlossen hatte, hatte er ursprünglich geplant, quer durch Europa zu trampen. Doch nachdem sein Flugzeug in Italien gelandet war, war er nicht weit gekommen. Nach mehreren Wochen, die er ausschließlich in Tankstellen verbrachte, entschied er sich schließlich dafür, sein Geld nicht in einen Rückflug zu investieren, sondern lieber in die USA weiterzureisen. Dort lernte er am New Yorker Flughafen Sarah kennen, eine junge Amerikanerin mitten in der Ausbildung zur Flugbegleiterin, und zog nach dreieinhalb Dates (wenn man das Cafétrinken am Flughafen mitzählte) in ihr Einzimmerapartment ein.

Das war zwei Jahre her. In der Zwischenzeit hatte Warrick als Touristenführer und Nachhilfelehrer für Italienisch sein Geld verdient, bis er 6 Monate zuvor unvermittelt wieder nach Australien zurückgekehrt war. In Sydney arbeitete er einige Zeit lang als Praktikant bei einer magischen Zeitschrift und führte erst tägliche und am Ende des Praktikums nur noch monatliche Telefongespräche mit Sarah.

Und jetzt war er endgültig am Tiefpunkt angelangt. Das Einzige, das Tiefpunkte im Leben einer Person noch übertrumpfen konnte, war das Wissen, selbst an besagtem Tiefpunkt schuld zu sein. Warrick biss die Zähne zusammen und schloss kurz die Augen, während er vergeblich probierte, sich mit seinem schweißdurchtränkten T-Shirt noch mehr Schweiß von der Stirn zu wischen. Bei dem Versuch hätte er beinahe Dostojewksi, den Familienkater, überfahren, wenn das Tier nicht im letzten Moment von dem Schotterweg heruntergesprungen wäre. Der junge Mann hielt abrupt an, ließ den Wagen bei laufendem Motor stehen und stieg aus, um Dostojewksi zu begrüßen. Der Kater lag nun am Straßenrand in einer merkwürdig steifen Position, mit starren Augen und ohne ein Glied zu rühren. Warrick seufzte, streichelte das einzige Haustier der Familie, das ihm noch nie einen Kratzer zugefügt hatte, ehe er wieder einstieg und weiterfuhr. Im Rückspiel beobachtete er, wie Dostojewski sich nach einigen Sekunden aufrichtete, schüttelte, und dann dem Auto hinterherjagte.

Er nährte sich langsam, aber sicher dem Haus. Links und rechts trennten stählerne Gatter die Teile des Grundstückes, in denen die Drachen freien Lauf hatten, von dem Teil ab, der nicht feuerfest war und der zufällig auch das Wohnhaus beinhaltete. Irgendwo in der Ferne rauchte etwas. Vermutlich hatte einer der Drachen einen der wenigen noch verbliebenen Bäume auf dem Grundstück in Brand gesetzt, kein Grund zur Aufregung. Viel wichtiger war es jetzt, einen Parkplatz zu finden, der weder das Auto seiner Eltern zuparkte, noch in direkter Nähe des Gatters stand, um zu vermeiden, dass Bens Truck in Flammen aufging.
Fünf Minuten später war der Wagen geparkt, und weitere fünf Minuten danach fühlte Warrick sich imstande, an die Haustür zu klopfen und sein Elternhaus zu betreten.


Zuletzt von Warrick McMahon am Fr 27 Jan 2017 - 23:06 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Meadow McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Mi 2 Nov 2016 - 16:08

Meadow ließ ihre Hand über die Fotos, die eine Wand in ihrem alten Kinderzimmer fast gänzlich bedeckten, streichen und spürte wie sich eine dünne Staubschicht auf ihre Finger legte. Einige der Bilder, diejenigen, die mit einer magischen Kamera aufgenommen worden waren, bewegten sich und zeigten Meadow zusammen mit ihren besten Freundinnen aus der Schulzeit, Clover, Drew und Eleanor, wobei Eleanor und sie mit Abstand am häufigsten gemeinsam abgelichtet worden waren. Das Mädchen war ihre beste Freundin gewesen, vom ersten Schultag an bis etwa einem Jahr nachdem sie ihren Abschluss gemacht hatten. All die typischen Entwicklungen einer Kindheitsfreundschaft waren chronologisch auf der Fotowand festgehalten. So hatten sich die Mädchen zunächst bemüht einander möglichst ähnlich zu sein, hatten sich gleich gekleidet, gleich ausgedrückt und stets dieselben Sachen gemocht (oder zumindest so getan). Dann, im etwas späteren Verlauf der Pubertät, hatte sich das Ganze ins Gegenteil gekehrt. Der krankhafte Wunsch nach Individualität hatte Eleanor und Meadow in extreme Richtungen gedrängt, so dass Meadow auf dem weiteren Verlauf der Fotowand bunt gefärbte Haare und Springerstiefel und Eleanor cremefarbene Kleidung und Perlenketten trug.

Drew und Clover, die auf den meisten Fotos eher im Hintergrund standen, hatten etwas unauffälligere optische Entwicklungen durchgemacht, weshalb sie nicht sofort ins Auge stachen. Dennoch hatten sie nicht weniger wichtige Rollen in Meadows Erwachsenwerden gespielt, Drew als Berater, der irgendwie immer eine viel reifere Einstellung gegenüber allem gehabt hatte und Clover als die Person, die Meadow stets dazu überredet hatte, riskanten Blödsinn anzustellen und aus ihrer Comfortzone herauszutreten. Meadow lächelte, während zahlreiche Erinnerungen an nächtliche Einbrüche in Schwimmbäder, dumme und kindische Streiche und gefälschte Ausweise sie nostalgisch stimmten. Clover lächelte von den Fotos aus zurück, verschmitzt wie eh und je. Meadows Blick blieb für eine Weile auf einem Bild von ihrem 16. Geburtstag haften, der letzten gemeinsamen Feier vor Clovers plötzlichem Umzug in die Staaten und dem damit verbundenen Kontaktabbruch, der durch ein paar aufrichtig gemeinte Postkarten – die ebenfalls die Wand zierten – zwar verlangsamt, aber nicht aufgehalten worden war, bevor sie sich den Rest der Bilder ansah.  
Drew verschwand ein paar Monate später von den Bildern. Ihr letzter Auftritt auf der Wand war das Klassenfoto des letzten Schuljahres, auf dem ein breit grinsender Junge, der vermutlich zumindest zum Teil Schuld an dem Ende der Freundschaft gewesen war, einen Arm um ihre Schultern gelegt hatte. Meadow hatte mitbekommen, dass die beiden zusammen aufs College gegangen waren und sich in ihrem zweiten Jahr dort einvernehmlich getrennt hatten. Was danach aus ihnen geworden war, wusste sie allerdings nicht. Meadow war sich zwar sicher, dass es nur eine einzige Nachfrage bei ihrer Mutter kosten würde die Lebensläufe all ihrer alten Freunde auf absurdest detaillierte Weise zu erfahren, doch irgendetwas in ihr sträubte sich dagegen. Sie wollte nicht hören, was aus Eleanor, Drew und Clover geworden war. Sie wollte die Mädchen lieber so in Erinnerung behalten, wie sie gewesen waren, als sie sie gekannt hatte.

Zwischen diesen beweglichen Fotos, auf denen Mädchen, die es längst nicht mehr gab, gemeinsam posierten, Kuchen aßen und über Klatschmagazine gebeugt auf Wiesen lagen, fanden sich immer wieder unbewegliche Aufnahmen, die Meadow gemeinsam mit ihrer ersten Liebe, einem hochgewachsenen, verpickelten Muggel namens Jake, der früher in der lokalen Bowlingbahn ausgeholfen hatte, zeigten. Für einige Momente studierte Meadow das in der Zeit festgefrorene breite Grinsen des Jungen und versuchte sich vorzustellen wie er jetzt wohl aussehen mochte. Seine Pickel war er sicher losgeworden, das Lächeln hoffentlich nicht. Sie hatte es für eine ganze Weile nicht an ihm gesehen, nachdem sie die Beziehung beendet hatte, weil sie – und Meadow schämte sich ein bisschen für diesen Gedanken – nie das Gefühl gehabt hatte, dass er den Ort, in dem sie großgeworden waren, bzw. überhaupt sein Elternhaus je verlassen würde, während Meadow für sich selbst große Pläne gehabt hatte. Ein Schnauben entwich ihr. Hätte man ihrem 17-jährigen Ich gesagt, dass sie mit nur 24 Jahren in einem Dead-End-Job im Ministerium festhängen würde, den ihr ihre Mutter aufgrund ihrer Beziehungen besorgt hatte, und nicht an einem Muggel College in Frankreich, wo sie Architektur oder Malerei oder die Dichtkunst des 18. Jahrhunderts studierte, während sie von Protestaktion zu Protestaktion wanderte, mit ihren belesenen und lebenserfahrenen Mitbewohnern Gatherings und Lesungen besuchte und die besten Jahre ihres Lebens genoss, hätte sie lachend ihren Unglauben zum Ausdruck gebracht. Nie hätte sie sich vorstellen können, dass ihr Leben so unspektakulär verlaufen würde.

Meadow hatte es versucht, sie hatte es wirklich versucht. Das war die Tatsache, die alles vielleicht noch ein kleines bisschen schlimmer machte. Sie hatte es versucht. Sie hatte sich eingeschrieben, an einem Muggelcollege. Nicht in Frankreich, aber in den USA. Sie hatte studiert, zunächst Literatur, dann Meeresbiologie, dann Geologie und schließlich Gesundheitswesen, doch nichts hatte wirklich ihren Vorstellungen entsprochen oder auch nur das geringste mit dem Bild zu tun gehabt, das sich Meadow vom Unileben versprochen hatte. Sie hatte immense Schwierigkeiten gehabt sich einen Freundeskreis aufzubauen, hatte die meisten Nächte eingewickelt in ihre Decke verbracht und Heimweh gehabt, bis sie schließlich einen mittelmäßigen bis schlechten Abschluss in Gesundheitswesen hingelegt hatte und zurück nach Australien gezogen war. Ihre jetzige Stelle im Ministerium hatte ihr ihre Mutter besorgt nachdem Meadow einige Monate lang zuhause gelebt und im Supermarkt um die Ecke ausgeholfen hatte. Was die Berufswahl anging, war die Stelle sicherlich nicht die passendste für Meadow gewesen. Schließlich ging es hauptsächlich darum Tiere und andere Fabelwesen unter Kontrolle zu halten. Meadow hingegen hatte aber niemals auch nur das geringste Händchen für diese gehabt. Auf der Ranch, die die Familie führte, hatte sie so gut wie nie mit angepackt, hatte sich den Tieren nicht wirklich genähert und versuchst möglichst nie mit einem allein zu sein (letzteres konnte sie nicht ganz genau erklären).

Noch ironischer als die Berufswahl an und für sich war allerdings die Tatsache, dass Meadow so gut wie nie tatsächlich in Kontakt mit Tieren oder anderen magischen Geschöpfen trat. Der Job beinhaltete im Grunde fast nur Papierarbeit und meistens war es möglich sich diesem gänzlich zu entziehen, indem man die Aufgaben einer anderen Abteilung zuschob. Sie und ihr Lieblingskollege Fletcher - der vor ein paar Monaten ein Auge beim Kanufahren verloren und damit die tragische Wahrheit, die hinter der Warnung „hört auf, sonst sticht sich noch einer das Auge aus“ am eigenen Leib erfahren musste – waren quasi Experten darin geworden möglichst wenig für ihr Geld zu tun. Bezahlt wurden sie auch tatsächlich nicht übel. Zumindest hatte es dafür gereicht eine eigene kleine Wohnung in London anzumieten und sich größtenteils über Wasser zu halten. Zwar verzichtete Meadow auf viel, aber das war ihr der Luxus einer eigenen Wohnung im Gegensatz zur Wohnhaft im alten Kinderzimmer absolut wert. Es war nicht so, dass sie ihre Familie nicht mochte, nein, im Gegenteil, eigentlich kamen alle hervorragend ... ganz gut miteinander klar. Es war okay. Alle sprachen miteinander. Alles war gut und jeder von ihnen war glücklich. Feste wie Weihnachten, der Grund für ihren derzeitigen Besuch in der Heimat, strapazierten allerdings dennoch die Geduld der jungen Frau. Grund hierfür war vor allem die Tatsache, dass alle, also sie selbst, ihre Eltern, ihre Brüder Wrick und Gus, ihr Onkel Clyde und dessen neuste Frau Laurel sowie deren in die Ehe mitgebrachten Kinder Henrietta und Noel, ein paar Tage auf engsten Raum miteinander verbringen mussten ohne besonders viel übereinander zu wissen.

Zu der generellen Befangenheit kamen dann gefühlt hunderte von absurden Traditionen hinzu, deren Umsetzung – und das hatte jedes Familienmitglied im Laufe seines Lebens herausgefunden – nicht zur Diskussion stand. Weil sie keinen Unmut verbreiten wollte, streifte sich Meadow also trotz sommerlicher Temperaturen den für sie bereitgelegten Weihnachtspullover über ihr Tanktop und hatte das Gefühl im selben Moment damit anzufangen, unkontrolliert zu schwitzen.
Während Meadow ihre Brille wieder aufsetzte, ertönte ein Klopfgeräusch, das unverwechselbar von der Haustür stammte.  Weil Onkel Clyde samt Anhang schon da waren, konnte dies nur einer ihrer Brüder sein, die eigentlich versprochen hatten gleichzeitig mit ihr aufzutauchen, so dass niemand allzu lange alleine mit ihren Eltern und Clyde sein musste. Dass keiner der kleinen Verräter sich an diese Abmachung gehalten hatte, überraschte Meadow nicht wirklich. Sie selbst war zwei Stunden nach der verabredeten Uhrzeit nach Hause gereist, was sie mit einem plötzlichen Schwindelanfall, der jegliches Apparieren unmöglich gemacht hatte, gerechtfertigt hatte. Nicht ihre beste Ausrede, aber die einzige, die ihr eingefallen war. Und schlechter als die von Hubertus und Warrick konnte sie nicht sein. Warricks Unfähigkeit zu Apparieren oder auch nur mittels Seit-an-Seit-Apparieren mitgenommen zu werden, hatte Meadow persönlich immer für eine Ausrede gehalten nicht pünktlich zu irgendetwas erscheinen zu müssen. Sicherlich würde er also ein Märchen vom hektischen Weihnachtsverkehr (im australischen Outback. Verkehr.) auftischen. Hubertus war objektiv betrachtet am feinsten raus was Ausreden anging. Da der Junge neben seinem Medizinstudium als Ersthelfer beim Rettungsdienst arbeitete, boten sich unerwartete Notfalleinsätze grundsätzlich als gute Gründe fürs Zuspätkommen an. Dennoch würden Warricks und ihre Ausreden von ihrer Mutter ernster genommen werden, da die Hexe Muggelmedizin nicht ansatzweise für valide hielt und somit sogenannte medizinische „Notfälle“ im Hause McMahon nicht weiter ernst genommen wurden. Meadow schmunzelte darüber, während sie die Treppe herunterstieg, um Warrick oder Hubertus die Tür zu öffnen. Zwar war ihr Zimmer weiter von der Haustür entfernt als die Räume, in denen sich die anderen Familienmitglieder gerade aufhielten, aber sie ging davon aus, dass jeder gerade viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, als dass er einer Aufgabe nachgehen würde, die nicht personenbezogen, sondern allgemein in den Raum gestellt worden war.

Ohne überlegen zu müssen, ließ Meadow beim Heruntergehen einige Stufen auf der Treppe aus, trat manchmal besonders weit rechts, links oder möglichst mittig auf, um das Quietschen der Stufen zu vermeiden – Meadow hatte das lautlose Treppensteigen während ihrer Pubertät perfektioniert – und öffnete die Tür, hinter der Warricks breit grinsendes Gesicht – das sicherlich für ihre Mutter bestimmt gewesen war – auftauchte. „Judas“, begrüßte sie ihn fröhlich. „Schön, dass du es auch noch geschafft hast. Ich wurde auch nur zweimal nach meinem Liebesleben gefragt bzw. ins Kreuzverhör genommen, über Kollegen ausgequetscht, von denen ich die meisten nicht kenne, was nebenbei bemerkt nicht akzeptiert wird, sondern dazu führt, dass einem das gesamte Lebenswerk besagter Person nacherzählt wird, zusammen mit allen Ereignissen, über die man entweder gehört haben könnte oder bei denen man ganz bestimmt, mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit dabei gewesen ist, auch wenn das Datum vor der eigenen Geburt liegt. Oh, und bei den „Kollegen“ hört es nicht auf. Kennst du zum Beispiel die Vorteile von Vorhängen an den Fenstern des Arbeitsplatzes? Nein? Gut, du wirst am 7. Januar alles Wissenswerte und sicherlich auch alles andere darüber hören. An diesem wundervollen Tag kommt nämlich ein Vertreter des Stoffladens vorbei, bei denen Mom GANZ TOLLE Prozente bekommt.“ Meadow trat zur Seite, um Warrick Einlass zu gewähren. „Oh und wir müssen Tante Sally vom Flughafen abholen, in etwa einer Stunde. Das findest du jetzt kurzfristig? Hättest du in den letzten Wochen zuhause angerufen, dann hättest du auch früher davon erfahren.“ Meadow hob eine Braue. „Weihnachten. Toll, was?
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Warrick McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Mi 2 Nov 2016 - 20:29

Warricks Instinkte begannen zu wirken, noch während Meadow ihm Vorwürfe machte. So war das immer, wenn er wieder bei seinen Eltern war. Es lag weniger an den Personen als an dem Haus, welches ihm seit jeher das Gefühl gab, jede seiner Handlungen rechtfertigen zu müssen. Ich hab den letzten Keks nicht mit Absicht genommen, ich hab einfach nicht gesehen dass Meadow noch keinen hatte. Es war kein Klingelstreich, ich wollte wirklich etwas von der alten Miss Winterbottom, bloß ist mir dann eingefallen, dass ich noch etwas anderes zu tun hatte, und Miss Winterbottom braucht wirklich lange, um an die Tür zu kommen, dass weißt du, Mom. Mein Fahrrad war angekettet, ich weiß auch nicht, wie es in den See gelangen konnte. Keine Ahnung wieso Mister Flenegan mich gestern Nacht vor einer Kneipe gesehen hat, ich lag im Bett, frag doch Gus!
Natürlich verdienten fast alle seiner Taten tatsächlich eine Rechtfertigung, und manchmal sogar eine Entschuldigung, aber das änderte nichts an dem simplen Fakt, dass Warrick jedes Mal, sobald er sein Elternhaus betrat, den krampfhaften Drang bekam, jede einzelne seiner Entscheidungen zu erklären.
„Verkehr“, sagte er also automatisch, als seine Schwester ihren Wortschwall beendet hatte. „Sehr, sehr viel Verkehr. Staus, kilometerweit. Es ist Weihnachten, Mads, was erwartest du?“ Warrick schob sich an Meadow vorbei, ließ sein Gepäck in den Flur fallen und marschierte direkt ins Wohnzimmer, wobei er es Meadow überließ, die Tür zu schließen.
Zwei Schritte in den Raum hinein blieb er stehen, warf er einen Blick auf seinen Onkel, dessen Frau Hannah und ihre zwei Töchter Serina und…wie auch immer der Name der zweiten lautete, stellte fest, dass Clyde und Hannah in einer lautstarken Diskussion mit den beiden Mädchen  verwickelt waren, drehte sich um und verließ den Raum wieder, wobei er fast in Meadow hineinlief.

„Ich hätte ja vorgeschlagen, dass wir wieder eine Wette abschließen, wie lange Onkel Clyde es dieses Jahr aushält, ohne einen Streit anzufangen, aber diesmal scheint er einen neuen Rekord aufgestellt zu haben.“ Etwas im Wohnzimmer zerbrach. Warrick zuckte zusammen und zog die Tür lautlos zu. „Ich hoffe, das war nicht eine von Mom’s Lieblingsvasen. Tja, ich schätze wir können immer noch ein Trinkspiel daraus machen, wie oft Dad versucht, sich davonzuschleichen um heimlich das Spiel zu schauen. Oh, hi, Brutus.“ Gus hatte, ohne zu klopfen, zu klingeln, oder sonst irgendein Melden seiner Präsenz, das Haus betreten. Es dauerte einen Moment, bis Warrick einfiel, dass Hubertus keine katzenartigen Fähigkeiten entwickelt hatte, sondern sowohl er als auch Meadow versucht hatten, das Schließen der Haustür der jeweils anderen Person zuzuschieben.
„Jemand hat die Haustür offen gelassen“, stellte Gus in dieser Sekunde sachlich fest und platzierte seine Reisetasche auf der von Warrick. „Tut mir leid, dass ich zu spät bin, aber ihr wisst ja, wie es ist. Es gab einen Notfall, der…“ Warricks Zwillingsbruder ließ den Satz in der Luft hängen. Schon früher hatte Gus eine massive Abneigung gegen Lügen aller Art gehabt, eine Hemmung, die Meadow und Warrick nicht kannten. Seltsamerweise hatte er aber kein Problem damit, auf Tricks zurückzugreifen, die das Gegenüber aufgrund vager Andeutungen bestimmte Dinge annehmen ließen, und diese Annahmen dann einfach nicht zu korrigieren. Warrick zog kurz in Erwägung, nachzuhaken um Gus in Verlegenheit zu bringen, beschloss dann aber, sich das für das nicht vermeidbare Gespräch mit ihren Eltern aufzuheben.
Die kurze Stille, die nach Gus’s Worten beziehungsweise armseliger Lüge eintrat, ließ Warrick vermuten, dass Meadow ähnliche Gedanken hegte. Beide starrten Gus jetzt an, bis dieser leicht errötete und nervös begann, seine Brille zu putzen.

Die Brille war früher der einzige Faktor gewesen, der Warrick und seinen Zwillingsbruder voneinander unterschieden hatte, und zeitweise nicht einmal das: In der Muggelgrundschule, die die Brüder besucht hatten, hatte Warrick sich die Brille erst mehrmals ausgeliehen, hauptsächlich um sich als Gus auszugeben und im Namen seines Bruders irgendetwas anzustellen. Der Makel an diesem ansonsten fehlerfreien Vorgehen war ihm nach ein paar Wochen aufgefallen, als Gus, ohne Sehhilfe sehr kurzsichtig, plötzlich ein blaues Auge gehabt und auf besorgtes Nachfragen hin „ich bin gegen eine Wand gelaufen“ geantwortet hatte. Alle anderen hatten angenommen, Gus versuche irgendjemanden zu decken, nur Warrick war aufgegangen, dass sein viel zu ehrlicher Bruder die Wahrheit sprach. Am gleichen Tag hörte er auf, sich die Brille auszuborgen, und verwendete deshalb seine gesammelten Ersparnisse auf ein Brillengestell mit Fensterglas, das dem von Gus täuschend ähnlich sah.
Für die folgenden vier Jahre, die die Geschwister auf der Grundschule waren, war es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, sie auseinanderzuhalten. Als ihr Vater vorletztes Weihnachten ein altes Fotoalbum ausgegraben hatte, das mit der Einschulung der Zwillinge begann und nur wenige Monate lang geführt worden war, hatte die ganze Familie gerätselt, ob es sich bei dem Jungen mit der Latzhose und der Zahnlücke um Warrick oder Hubertus handelte.
Dann waren Warrick und Gus auf weiterführende Schulen gekommen – SchuleN, Plural, denn damals war nur ein Brief, Singular, bezüglich der Annahme an dem Melborough Institute im Briefkasten gelandet. Als direkte Konsequenz darauf hatten die Zwillinge sich nicht nur auf zwischenmenschlicher Ebene, sondern auch optisch auseinanderentwickelt. Warrick hatte seine falsche Brille in seine Sockenschublade verbannt, wo sie ein paar Jahre später zerbrach, und Gus hatte damit begonnen, das Haar nicht mehr ironisch unfrisiert zu tragen.

Schritte ertönten jetzt vom oberen Stockwerk. Wahrscheinlich war jemandem aufgefallen, dass zwei zusätzliche Autos in der Einfahrt standen. Warrick sah Gus an, der wiederum Meadow anstarrte. Meadow ihrerseits schaute niemanden bestimmtes an, ihr Blick war vielmehr auf die noch immer offenstehende Tür gerichtet.
Stille. Dann: „Wenn ich noch einen Satz über Vorhänge hören muss, könnt ihr darauf wetten, dass ich dieses Jahr keinen Finger rühre, wenn’s ums Drachenfüttern geht.“ Warrick lag auf der Zunge, anzumerken, dass Meadow selten einen Finger rührte, wenn es um irgendetwas bezüglich der Tiere und anderen Fabelwesen (lol) ging, erkannte aber für den Moment den stummen Vorschlag seiner großen Schwester an.
„Tante Sally?“ fragte er, und ging, ohne eine Antwort abzuwarten, zur Tür hinaus. Gus und Meadow folgten ihm, ohne zu zögern. Erst, als sie alle in Gus’s Auto saßen, Gus wie immer der Fahrer, Meadow neben ihm, Warrick unangeschnallt auf dem Rücksitz, und der Motor zu laufen begann, fragte Warricks Zwillingsbruder: „Wohin geht’s? Falls wir Onkel Clyde abholen: Er und Ashley mitsamt Söhnen passen nicht alle ins Auto, das ist euch klar, oder?“
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Meadow McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Fr 4 Nov 2016 - 17:04

2. Akt (we know what we’re doing okay. Also this posting raises awareness on the issues of climate change.)

Während das Auto anfuhr, ließ sich Meadow tiefer in ihren Sitz sinken und drückte dabei die Lehne von diesem bei gleichzeitiger Betätigung des erforderlichen Hebels – dessen feuchte Oberfläche sie aus Selbstschutzgründen unhinterfragt ließ – mit dem Rücken nach hinten bis die Schräge einen Winkel erreicht hatte, bei dem nicht nur Warrick im Rücksitz jegliche Beinfreiheit verlor, sondern auch sie selbst schon gar nicht mehr bequem sitzen konnte. Komfort war jedoch auch in keinster Weise die Intention, die Meadow mit dieser Tat verfolgte. Nein, es war vielmehr eine kleine Geste. Eine Geste, die so viel sagen sollte wie ‚Ich hab dich auch vermisst, kleiner Bruder.

Wir holen Sally. Onkel Clyde und seine Frau LAUREL samt Nachwuchs sind schon da“, erklärte Meadow. „Ashley ist Schnee von gestern, aber die Verwechslung ist okay, bedenkt man, dass Laurel und Ashley dasselbe Gesicht haben. Wortwörtlich. Selber Doktor. Also zumindest laut Mom“, belehrte Meadow ihren Bruder Gus, der – und dies stimmte die junge Frau seltsam nostalgisch – wie immer direkt zum Fahrersitz des Wagens gelaufen war, obwohl dieser Warrick gehörte. So sehr sich die Brüder über die Jahre voneinander distanziert hatten, so wenig hatten sich manche Dinge geändert. Etwas Anderes als geteilten Besitz gab es nicht, alles gehörte ihnen gemeinsam, alles Gute und auch alles Schlechte.

An Ashley erinnere ich mich ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr. War das die, die den Klimawandel für einen Komplott der Regierung hält?“, fragte Meadow und schob ein abfälliges, etwas leiseres „Amerikaner…“ hinterher, auf das hin Gus lachte und entgegenbrachte: „Das war Monica, Weihnachten vor 4 Jahren, oder so. Ich mochte Monica. Immer wenn sie gekommen ist, haben wir alle fünf Dollar bekommen.“ Meadow lachte. „Moneyca… richtig, ich erinnere mich. Die nächste rechts.

Gus bog links ab und verlangsamte das Tempo des Wagens als sie aus der Stadt heraus auf den Highway fuhren, den nicht selten Kängurus (we’re in Australia after all) unvermittelt überquerten, weshalb immer Vorsicht geboten war. Meadow schaltete die Lüftung an, aus der lediglich ein schwächliches Röcheln und dann heiße Luft strömte, schaltete sie dann wieder aus und zog ihren festlichen Pullover aus. Auf ihrer Haut hatten sich rötliche Flecken gebildet, die entweder von Überhitzung oder billiger Wolle (!!!) verursacht worden waren. Da sie aber weder juckten, noch sonst irgendwie störten, rieb Meadow lediglich über die betroffenen Stellen der Haut und wandte ihren Blick geistesabwesend nach draußen, wo sie Kilometer um Kilometer vertrocknetem Nichts willkommen hießen. Oh, wie wenig hatte sie diese trostlose Aussicht vermisst.

Die Lebensbedingungen im australischen Outback waren nicht im Geringsten für Menschen vorgesehen und selbst Tiere fanden sich hier wegen den teils extrem hohen Temperaturen nur äußerst selten (forget the earlier mentioned kangaroos, there are no animals anymore. Way too hot. Gus is speeding again.) Wollte man hier leben bzw. überleben, so erforderte dies… nun, Magie. Praktischerweise stand diese ja einem geringen Prozentteil der Menschen zur Verfügung, weshalb sich vor nunmehr 50 Jahren ein paar Zauberer die Tatsache zu Nutze gemacht haben, dass Muggel das Outback in der Regel mieden, und den Ort Rogworth mitten im Nirgendwo gründeten. Zusätzlich zur ohnehin schon unübertroffenen Isolation von allem, das lebte, war der Ort auch noch magisch versteckt, so dass er von Muggeln stets unentdeckt blieb. Hier gab es einige wenige Ausnahmen, wie z.B. ihren Vater oder Jakes Familie, die vor etwa 25 Jahren grundlos nach Rogworth gezogen ist, ohne dass sich jemand erklären konnte, wie ihnen dies hatte gelingen können. Zwar war es Muggeln generell nicht unmöglich den Ort zu betreten, es war nur wegen der diversen Abwehrzauber sehr unwahrscheinlich, dass sie von alleine herausgefunden hatten, dass er existierte und wo er lag. Vermutlich hatte also einfach jemand das Geheimnis ausgeplaudert… Wie die Caulfields es allerdings geschafft hatten bleiben zu dürfen, war Meadow ein Rätsel, ebenso wie die Frage danach wie es angestellt wurde, dass sie noch nichts von Magie mitbekommen hatten. Vermutlich war auch hier die Antwort Magie.

Meadows Familie väterlicherseits wurde z.B. vor jedem Besuch in Rogworth ein Trank untergejubelt, der jegliche natürliche Neugier bzw. die Eigenschaft des Hinterfragens ausschaltete – obwohl dies vermutlich weder bei Sally, noch Clyde oder seinen Herzdamen je nötig gewesen wäre. Lediglich Noel, der jüngste Sprössling des Ashley-Gesichtszwillings schien skeptisch, was die große, kreisrunde, semipermeable Blase um den ganzen Ort anging, die nicht nur die Temperaturen aushaltbar machte (was nebenbei bemerkt immer schwieriger wurde, weil diese stetig anstiegen. Climate change. It’s real. Go to http://climate.nasa.gov/ for further information), sondern auch wöchentlichen Regen bescherte und Drachen davon abhielt Australien heimzusuchen, auch wenn dies ab und an dennoch geschah und das Ganze dann als „Waldbrand“ oder „Feuertornado“ (seriously, that’s a real thing.) abgestempelt wurde.

Wisst ihr schon wer Moms Überraschungsgast ist? Am Telefon letzte Woche war sie sehr geheimnistuerisch, was das angeht.“, meldete sich Gus plötzlich nach einigen Minuten des Schweigens zu Wort.
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Warrick McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Fr 4 Nov 2016 - 19:42

Das Wort „Überraschungsgast“ ließ sämtliche Alarmglocken schrillen. Warrick, der gerade damit beschäftigt gewesen war, unter den Sitz vor ihm zu greifen und nach dem Hebel zu suchen, der es ihm ermöglichen würde seine Beine wieder auf dem Boden abzustellen und gleichzeitig seine Schwester gewaltsam auf das Armaturenbrett zu schieben, hielt in der Bewegung inne. Er ließ von dem Sitz ab, rutschte nach links und krallte seine Fingernägel in Gus’s Oberarme, was zur Folge hatte, dass Hubertus einen erschrockenen Laut von sich gab, kurzzeitig die Kontrolle über das Lenkrad verlor und einen unfreiwilligen Schlenker machte, sodass das Auto für einige angstvolle Sekunden statt über die Straße über ausgetrocknete Erde rollte. Alle Geschwister schrien auf, und als sie sich wieder sicher auf der Fahrbahn befanden, drehte Gus sich nach hinten, um Warrick einen bösen Blick zuzuwerfen. „Schau bitte auf die Straße bevor du wieder einen Unfall baust“ sagte Warrick, ohne seinen Griff um die Arme seines Bruders zu lockern. Wieder?“ wiederholte Hubertus deutlich gereizt. „Wenn ich dich daran erinnern darf, warst du derjenige, der schon mal in einen Unfall verwickelt war.“

Das war korrekt. Die Zwillinge waren 16 gewesen, und Gus hatte soeben den Führerschein gemacht und sich irgendwoher ein Auto besorgt, das weder schnell war noch über eine Klimaanlage verfügte, und das bei jeder Fahrt nach spätestens fünf Minuten begann, bedenkliche Geräusche von sich zu geben. Nachdem Warrick eine Wette gewonnen hatte, hatte Gus ihm widerwillig inoffizielle Fahrstunden gegeben. Eines Abends hatte Warrick sich von einem in der ferne friedlich vor sich hin hüpfenden Känguru ablenken lassen – eine Besonderheit, denn es trauten sich selten Tiere hierher, no matter what else you might have heard – und war klassischerweise gegen einen Baum gefahren.

„Den du, nebenbei bemerkt, mir in die Schuhe geschoben hast“
fuhr Gus in anklagendem Tonfall fort. Auch das stimmte. Bevor sie ihre Eltern anriefen, hatten die Brüder sich erst auf eine Geschichte einigen müssen, und nach einer hitzigen Diskussion war ihnen klar geworden, dass sowohl Möglichkeit A (Die Wahrheit. „Warrick war der Fahrer, Gus saß im Beifahrersitz“) als auch Möglichkeit B (Eine schamlose Lüge. „Gus war der Fahrer, Warrick saß im Beifahrersitz“) dafür sorgen würden, dass Gus, der noch in der Probezeit war, seinen Führerschein verlor, egal ob für das Verursachen eines Unfalls oder für die fahrlässige Entscheidung, jemanden ans Steuer zu lassen, der die Fahrschule nur aus Erzählungen kannte. Also hatten sie sich darauf geeinigt, die Geschichte zu wählen, bei der nur einer von ihnen dem Zorn ihrer Mutter ausgesetzt sein würde.

Jedenfalls“, sagte Warrick fest, um das Thema zu wechseln, „jedenfalls, nein, keine Ahnung welchen Überraschungsgast Mom meint. Bist du sicher, dass sie ‚Gast‘ gesagt hat? Nicht vielleicht Überraschungsspeise, oder Überraschungstier?“
Beide genannten Alternativoptionen waren schon einmal vorgekommen. Weihnachten ´06, Warrick und Gus waren 10 und Meadow 13 gewesen, hatte es anstelle des üblichen Hummer einen purpurnen, kürbisgroßen Pilz zum Weihnachtsessen gegeben, den Althea McMahon selbst angebaut und stolz serviert hatte. Am nächsten Tag lag die gesamte Familie mit Lebensmittelvergiftung im Bett, und Warricks Mutter schwor bis zum heutigen Tag, dass etwas mit den Kartoffeln nicht gestimmt hatte.
Drei Jahre später hatte sie ihren Kindern ganz besondere Weihnachtsgeschenke in Form von jeweils einem Ei pro Kind gemacht, das nicht weniger groß als der Pilz von ´06 war. Meadows Ei war allerdings schon in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember zerbrochen, und die Familie war zu einem jungen Basilisken aufgewacht, der sich auf dem Sofa schlafen gelegt hatte. Althea hatte offenbar mit einem anderen Tier gerechnet und reagierte mit der Art von gefasster Ruhe, die sich nur bei Menschen findet, deren Innerstes mit Panik erfüllt ist. Doch als sie versuchte, ihre Familienmitglieder nach dem Plan, den es seit dem ersten Versuch eines Drachen, das Haus niederzubrennen, gab und der in jedem Zimmer des Hauses aushing, zu evakuieren, hatte sie nicht mit dem vehementen Widerstand eines Mädchens gerechnet, das gerade durch eine pubertäre Rebellion ging. Meadow hatte einen Blick auf das tödliche Monster im Wohnzimmer geworfen und entschieden, sich zum ersten Mal in ihrem Leben für Tiere zu begeistern. Nichts, was Althea sagte, hatte ihre Tochter davon abbringen können, Butterscotch V mit auf ihr Zimmer zu nehmen und ihm ein Bett aus Kissen, Decken und Warricks Lieblingspullover einzurichten. Für drei volle Tage lang genoss Meadow die Genugtuung, dass diesmal sie und nicht ihre Mutter diejenige war, die das Leben aller Haushaltsmitglieder gefährdete. Am vierten Tag machte sie den Fehler, Butterscotch V in die Augen zu sehen. Zu ihrem Glück war der Basilisk noch nicht ausgewachsen, was allerdings nichts daran änderte, dass Meadow für die restlichen Weihnachtsferien regungslos im Bett lag. Als sich pünktlich zum ersten Schultag ihr Körper aus der Erstarrung löste, musste sie feststellen, dass Butterscotch V „auf eine Farm für gleichgesinnte Tiere“ geschickt worden war (ihre Mutter), „von zwei Männern in dunklen Anzügen weggebracht wurde“ (ihr Vater) beziehungsweise „in Form einer besonders hübschen Handtasche sein Dasein verbrachte“ (Hubertus und Warrick).

„Ich bin sicher“, erwiderte Hubertus bissig. Hubertus hatte die Angewohnheit empfindlich zu reagieren, wenn jemand sein Hörvermögen anzweifelte. Warrick tippte darauf, dass dies sich, wie so viele Probleme der Familie, auf Meadow zurückführen ließ. Als die Geschwister noch jung genug gewesen waren, um alle täglich und ausschließlich miteinander zu spielen mangels anderer Spielkameraden, hatte Gus einen Samen geschluckt, der in der Nähe des Gartenschuppens herumgelegen hatte. Althea hatte sich nicht mehr daran erinnern können, welche Samen sie zuletzt verwendet hatte, und selbst dann wäre dies keine Garantie gewesen. Für mehrere Wochen hing eine unausgesprochene Todesdrohung über Gus, die keins der Familienmitglieder offen aussprach. Als ihre Mutter jedoch schließlich Entwarnung gab („selbst wenn es ein Samen von der Herba Mortifium gewesen ist, denke ich, dass er spätestens jetzt Wirkung hätte zeigen müssen“), ging die fünfjährige Meadow mit ihrer Erleichterung angesichts des Überlebens ihres jüngeren Bruders um, indem sie eben diesem Bruder einredete, der Samen habe sein Gehör beeinträchtigt, und sprach für zwei Tage nur im Flüsterton, wann immer Gus in der Nähe war. Es war einer dieser Witze, die nie alt wurden, sodass Warrick und Meadow noch immer von Zeit zu Zeit ihre Stimmen senkten, wenn Gus den Raum betrat.

„Überraschungsgast, Känguru zu eurer linken, und Mom wollte mir nicht verraten, wer es ist.“
„Was natürlich der ganze Punkt eines Überraschungsgastes ist“, murmelte Warrick abwesend, zu sehr damit beschäftigt, das Fenster herunterzukurbeln um sich aus dem Autofenster zu lehnen, damit er das Känguru besser sehen konnte. Meadow hingegen drehte sich nicht einmal um.
„In Anbetracht der Tatsache dass Onkel Clyde plus Anhang schon da sind, wir dabei sind Tante Sally abzuholen, und Tante Margaret nicht mehr mit uns redet, fällt mir als möglicher Überraschungsgast eigentlich nur Bono ein“, sagte Warricks Schwester.
„Würde mich nicht überraschen, wenn Mom auch den über die Arbeit kennt. Ihr sagt, Bono sei ein Muggel? Ich sage, Mom kennt vermutlich jede Person auf dem Globus, magisch oder nicht. – Oh.“
„Oh?“ echoten Warrick und Meadow im gleichen alarmierten Tonfall, ehe sie gleichzeitig begannen, sich umzusehen. „Du hast dich verfahren“, stellte Warrick kurze Zeit später fest, eher ein Schuss ins Blaue als eine auf Fakten basierende Annahme. Zwar kam dem jungen Mann nichts von der Landschaft bekannt vor, aber im australischen Outback sah quasi alles gleich aus. Es war genauso gut möglich, dass sie in der nächsten Querstraße wieder auf den Weg zur Ranch ihrer Eltern einbiegen würden, wie es denkbar sein konnte, dass sie sich heillos verirrt hatten und Tante Sally anrufen müssten um ihr mitzuteilen, dass sie sich um kurze Zeit / mehrere Stunden verspäten würden.
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Meadow McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Fr 4 Nov 2016 - 21:25

Oh?“, fragte Meadow der Vollständigkeit halber ebenfalls nach und musste nicht lange auf eine Antwort warten. Verfahren? Wirklich verfahren?
Gus, es gibt nur eine einzige Straße“, sagte sie und sprach ihre Gedanken damit laut aus. „Du musstest nur ein einziges Mal abbiegen.
Bin ich!“, entgegnete Gus, der sofort eine verteidigende Tonlage annahm. „Links abbiegen hast du gesagt, also bin ich links abgebogen.
Meadow grinste. Zwar konnte sie unmöglich wissen was Warrick auf dem Rücksitz machte, doch sie konnte erahnen, dass ihm gerade ein ähnlicher Blick ins Gesicht geschrieben stand. „Rechts“, verbesserte Meadow ihren Bruder mit bemüht neutraler Stimme, hinter der bereits ein Auflachen wartete.
Ich habe rechts abbiegen gesagt. Du musst dich verh-
Sei still“, versuchte Gus sie zu unterbrechen, doch konnte Meadow nicht davon abhalten diesen ihr auf einem Silbertablett servierten Witz zu beenden, „-ört haben.
Sowohl Warrick als auch Meadow lachten, Gus stimmte nicht mit ein.
Du hast links gesagt. Sei still.
Ganz wie du meinst, Bruderherz“, entgegnete Meadow im Flüsterton. „Aber im Ernst, wie lange sind wir jetzt schon in die falsche Richtung gefahren? Schaffen wir es überhaupt noch pünktlich?“ Ohne auf eine Antwort ihrer Brüder zu antworten, schlug sie das erste vor, das ihr in den Sinn kam: Magie.

Wir könnten uns alle kurz zum Flughafen apparieren und dann zusammen mit Sally hierher zurück apparieren, dann haben wir uns nicht nur den Weg gespart, sondern auch Benzin.

Um zu wissen, dass Warrick gerade nackte Panik überkam, musste sie ihn nicht ansehen. Natürlich war es möglich, dass Gus und sie alleine zum Flughafen apparierten, aber 1. war es  40 Grad heiß und sie hatten nichts zu trinken dabei, weshalb Warrick im Auto vermutlich den Hitzetod sterben würde und 2. sah Meadow es noch immer nicht wirklich ein, dass Warrick einfach damit durchkam NICHT zu apparieren. Sie konnte nicht ganz genau sagen, was sie so sehr an der Idee störte. Vermutlich war es einfach ihre feste Überzeugung, dass er sich unnötig anstellte, wie man es so schön sagte. Er behauptete, dass er es nicht konnte, weil er es einfach nicht versuchen wollte und weil er wusste, dass er bei ihren Eltern damit durchkommen würde, weil diese ihn irgendwo noch als süßen kleinen Jungen mit viel zu großen Händen – tatsächlich waren Warricks Hände eine lange Zeit überproportional groß gewesen, was ihm den Spitznamen Homunculus eingebracht hatte – sahen, der mit allem durchkam. Aber nicht mit Meadow. Sie fand Warrick nicht süß, nahm ihm sein kleiner-Junge-Getue nicht ab und würde nicht zulassen, dass er jetzt kniff. „Ja, du auch, Warrick. Du musst das früher oder später auch lernen“, sagte sie deshalb vorbeugend im Befehlston, bevor Warrick sich beschweren konnte. „Du kannst nicht hierbleiben, weil es viel zu heiß wird ohne den Fahrtwind und heimfahren kannst du auch nicht, weil Mom niemals erlauben würde, dass wir mit Tante Sally apparieren. Es ist total gefährlich jemanden mitzunehmen, der das noch nie gemacht hat und sich deshalb nicht sicher fühlt.

Wie genau sie es anstellen würden, dass Tante Sally ihren Mund hielt, hatte Meadow noch nicht entschieden. Vermutlich würden sie ihr einfach einen kleinen Gedächtniszauber verpassen… oder aber der Trank, den hoffentlich irgendwer von ihnen mitgenommen hatte, würde dazu führen, dass sie es ohnehin nicht weiter merkwürdig fand, dass sie 100 Kilometer durch Australien gebeamt wurde. Vielleicht war sogar ein kleiner Star Trek Witz drin, wer konnte das schon sagen.

Es dauerte gefühlt eine halbe Stunde (die Warrick in seinem Post sicherlich näher beschreiben wird), bis der Junge endlich zustimmte mit ihnen gemeinsam zum Flughafen zu apparieren. In der Zwischenzeit hatten sie alle ihre Kleidung komplett durchgeschwitzt und Meadow spürte wie die Haut auf ihren Schultern sich begann zu spannen, so wie sie es tat, wenn man kurz davor war, einen Sonnenbrand zu bekommen. Still verfluchte sie ihren kleinen Bruder, der so angsterfüllt wie er gerade neben ihr stand tatsächlich ein wenig süß aussah und griff dann nach seiner Hand.

Okay, du musst gar nichts machen, ja? Du lässt dich einfach mitnehmen. Du darfst dich nicht in irgendeiner Form dagegen wehren oder dich ablenken lassen. Mach einfach nichts. Sag nichts, tu nichts, denk an nichts und alles wird gut, ja?“, sagte Meadow, während sie blind nach der Hand ihres anderen Bruders griff.

Fertig?“, fragte sie noch einmal, „Dann los.

Meadow konzentrierte sich. Sie stellte sich vor wie ein unsichtbarer Kreis sich um sie als Gruppe schloss, wie sich ihre Fingerspitzen mit denen ihrer Brüder verschmolzen und sie zu einer großen Masse Fleisch – eow – wurden, die von einem Punkt A, ihrem jetzigen Standort, zu Punkt B, dem Flughafen, transportiert werden musste. Meadow rief sich das Parkhaus vor Augen. Es gab dort eine kleine abgeschiedene Ecke, in der sie sich im Vorjahr ihrer halb aufgegessen und trotz Überteuerung wahrhaft widerlich schmeckenden Burgerreste entledigt hatten. Diese Ecke stellte sie sich vor. Gleichzeitig dachte sie an die Burger… Sie hatten sie gekauft, weil der Flug ihres Onkels Clyde aus Barbados – warum war er in Barbados gewesen? – Verspätung gehabt hatte. Vier Stunden waren es gewesen. Ja, vier Stunden Verspätung… wegen… Es war ein lustiger Grund gewesen. Was war der Grund gewesen? Oh, sie hatten außerdem Ozzy Osbourne getroffen. Meadow schwelgte in Erinnerungen an Burger und Flugverspätungen und Ozzy Osbourne und die heiße Sonne brannte ihr auf den Kopf und – Plop – Meadow spürte ein Ziepen am Bauchnabel, einen Ruck und die brennende Hitze wurde von beinahe schon unangenehmer Kühle ersetzt. Der Geruch von Abgasen erfüllte ihre Nase, Durchsagen in verschiedenen Sprachen drangen in ihre Ohren und dann … ein Schrei. Warricks Schrei.

Meadow riss ihre Augen auf. Sie befand sich im Parkhaus, sie stand in der Ecke, der abgelegenen Ecke, in der vor fast exakt einem Jahr die Burgerreste von ihnen gelegen hatten. In ihrer linken Hand spürte sie Gus‘ Hand, der sich im selben Moment los riss. Rechts neben ihr am Boden lag Warrick, der sich krümmte und sein Bein umklammerte. Der Stoff seiner Jeans sog sich in beunruhigender Geschwindigkeit mit Blut voll. Meadow erstarrte, Gus reagierte.

Mit einem kleinen Messer, das er plötzlich in der Hand hatte, trennte der Junge die Nähte der Hose seines Bruders auf und offenbarte die Verletzung. Meadow wurde sofort übel. Es sah ganz so aus als sei ein Stück des Fleisches vom Bein Warricks beim Apparieren zersplintert, bzw., um es besonders widerlich auszurücken: abgeschnitten worden. Abgeschnitten. Mit einem perfekt sauberen Schnitt. Meadow griff sich mit ihren Armen um den Magen und kämpfte gegen das Bedürfnis an sich zu übergeben.

Du bist okay!“, rief sie instinktiv aus ihrer Panik heraus. „Du bist okay, das ist ein Kratzer, sag Mom nichts.“ Meadow versuchte sich an ihre früheren Apparierstunden zu erinnern und daran, was der süße Instruktor darüber gesagt hatte, was unternommen werden musste, wenn jemand zersplinterte. Sie erinnerte sich nicht, nicht im geringsten, nur an die Augenfarbe des Instruktors, also tat sie das, was jede große Schwester tun würde: sie schob Warrick die Schuld in die Schuhe. „Ich habe gesagt du sollst an nichts Anderes denken! Verflucht, Warrick, wenn uns jemand sieht!
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Warrick McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Fr 4 Nov 2016 - 23:33

Warrick konnte nicht apparieren. Man hätte meinen können, dies sei keine große Sache. Immerhin war er lange nicht der einzige in der Welt der Zauberer, und abgesehen davon waren weder sein Vater noch sein Zwillingsbruder magisch begabt, Familienurlaubsziele wurden also prinzipiell mit dem Auto oder Flugzeug oder (glücklicherweise nur ein einziges Mal) Schiff erreicht. Und Warrick besaß zwar keinen Führerschein, dafür aber ein Fahrrad, und immerhin gab es zusätzlich in Rogworth einen Bus, der zweimal täglich fuhr. Abgesehen davon war er, wenn er sich doch manchmal ans Steuer setzte – es war ja nicht so, als gäbe es im australischem Outback Polizeikontrollen – gar kein so schlechter Fahrer.

Seine mangelnde Apparierfähigkeit hätte also gar nicht erwähnenswert sein sollen. Nicht aber in seiner Familie, wo Witze nie alt wurden, ganz besonders nicht Witze über andere Familienmitglieder.
Als Warrick fünf Jahre alt war, fiel er vom Dach.
Hubertus und er hatten ein Spiel gespielt, Warrick erinnerte sich nicht mehr daran wie es hieß, war aber sicher dass sein Bruder noch jedes Detail wusste. Hubertus neigte dazu, sich an unwichtigen Details festzuklammern, wenn Warrick oder Meadow schreckliche Dinge zustießen, was in ihrer Kindheit quasi täglich der Fall gewesen war.
Als Warricks Mutter, alarmiert durch Hubertus’s Schreie, herbeigerannt kam, unterzog sie Warrick einer genauen Inspektion, deren Endurteil lautete, dass sein Arm gebrochen war und er ins Krankenhaus musste – ein magisches Krankenhaus natürlich. Althea war der Meinung, dass es keine Rolle spielte, wie fähig Muggelärzte meinten, zu sein, magische Heiler wussten es im Zweifelsfall einfach besser. Mit einer ungewöhnlichen Ruhe teilte sie Hubertus mit, er solle zu weinen aufhören und seinem Vater Bescheid geben, während sie Warrick zu einem Heiler bringen würde. Per Seit-an-Seit-Apparieren selbstverständlich. Warrick war zwar erst fünf, aber das nächste magische Krankenhaus  war hunderte von Kilometern entfernt, da Rogworth über kein eigenes verfügte, und Althea war schon immer eine praktische Frau gewesen. Sie packte ihren Sohn beim unverletzten Arm, erklärte kurz und präzise, was er zu tun beziehungsweise nicht zu tun habe, und apparierte dann in das erste Krankenhaus, das ihr in den Sinn kam. Den Bruchteil einer Sekunde später  stand sie in der Eingangshalle von St. Mungo’s, London, ihr Sohn neben ihr. Für einen Moment glaubte sie, das hysterische Weinen sei aufgrund des gebrochenen Armes, sodass sie kurz davor war, ihm zu sagen er solle sich zusammenreißen, als sie merkte dass sein gebrochener Arm – fehlte. Dort, wo Sekunden zuvor noch ein mehr oder weniger gesunder Arm in einem ganz und gar nicht gesunden Winkel an Warricks Körper gehangen hatte, war nun Luft. Althea blinzelte, und apparierte, ohne darüber nachzudenken, wieder zurück nachhause, um den blutigen Arm zu holen. Die Heiler würden es schon richten, sagte sie sich innerlich. Die Heiler würden ihren Sohn wieder herrichten.
Die Heiler richteten Warrick in der Tat wieder her, wobei sie sowohl den Arm heilten als auch ihn wieder Warricks Körper hinzufügten. Althea seufzte erleichtert auf, bedankte sich, und machte sich bereit, nachhause zu apparieren.
Einen Tag später nahmen sie und ihr Sohn ein Flugzeug nach Australien.

Es wäre vielleicht Ironie des Schicksals gewesen, wenn Warrick an so etwas wie Schicksal geglaubt hätte, dass sowohl sein Vater als auch sein Bruder nie das geringste Problem mit dem Seit-an-Seit-Apparieren gezeigt hatten, während er, mehr magische Begabung als Vater und Bruder zusammen, noch nie appariert war, ohne unterwegs Gliedmaßen zu verlieren.
Jeffrey McMahon hatte akzeptiert, dass Magie etwas war, dass seine Frau und zwei von drei Kindern beherrschten und bei dem er nur zuschauen konnte. Das war in Ordnung, immerhin war er der einzige in seiner Familie, der mit einer Nähnadel umgehen konnte. Eine Nähnadel, so pflegte Jeffrey zu sagen, war gar nicht so anders als ein Zauberstab.
Hubertus hatte sich nicht ganz so leicht damit getan, sich einfach damit abzufinden, aber von den Zwillingen war er schon immer der Rationalere von beiden gewesen.
Weder Jeffrey noch Hubertus hatten jemals mit der Wimper gezuckt, wenn es ums Apparieren ging. Weder Jeffrey noch Hubertus hatten jemals einen Wutanfall gehabt, weil sie etwas einfach nicht konnten, etwas, das andere mit einer Leichtigkeit anstellten, die ihnen ein Rätsel war.

Mit 17 schrieb Warrick sich fest entschlossen für einen Apparierkurs ein, und erzielte große Erfolge in der Fähigkeit, sich mit dem eigenen Versagen zu befassen.
Anders als in regulären Schulfächern handelte Warricks Problem sich beim Apparieren nicht um Konzentration oder fehlendes Wissen. Die Anweisung des Lehrers kannte er schnell auswendig. Es war schlichtweg so, als weigere sein Körper sich, ihm diesbezüglich zu gehorchen. Irgendwann hatte er aufgegeben, den Kurs abgebrochen und die ganze Erfahrung in seinem Gehirn als „niemals wieder“ abgestempelt. Als er dies seiner Familie gegenüber erwähnte, zeigte die sich verständnisvoll. Sein Vater und Hubertus nickten, ohne ihn wirklich zu verstehen, und seine Mutter und Meadow nickten ebenfalls, vielleicht mit noch einer Spur weniger Verständnis.
Seit Warrick selbst bei dieser letzten Instanz versagt hatte, hatte er sich zwar unendlich viele Witze anhören müssen, aber es waren automatische Witze, so wie es kein Familienmitglied schaffte, die Meinung über eine neue Frisur oder eine neue Beziehung einer anderen Person in der Familie für sich zu behalten. Witze, denen man keinen zweiten Gedanken schenkte.
Allerdings hatte Warrick geglaubt, dies sei die Grenze. Witze Ja, aber mehr nicht.

Die Worte „Wir könnten uns alle kurz zum Flughafen apparieren und dann zusammen mit Sally hierher zurück apparieren, dann haben wir uns nicht nur den Weg gespart, sondern auch Benzin“ füllten ihn mit einem Horror, den er sich selbst nicht so recht erklären konnte. Warrick versuchte, mit Meadow zu diskutieren. Er schlug vor, einfach umzukehren („wen interessiert es, wenn wir ein bisschen später kommen?“ „Uh, vielleicht Tante Sally?“ „wen interessiert schon Tante Sally?“), er schlug vor, Meadow und Hubertus sollten einfach allein apparieren und dann mit Sally wieder zum Auto zurückapparieren („du willst hierbleiben, in der Hitze, ohne Wasser?“ „…Wer sagt, dass ich das nicht will?“), er schlug vor, Tante Sally einfach ein Taxi zu zahlen („mit dem Geld, das du definitiv nicht verdienst?“ „Halt die Klappe, Mads“), alles während seine Geschwister immer genervter wurden. Den Auslöser gab schließlich Hubertus’s Feststellung, dass sie nicht genug Benzin hatten, um zum Flughafen zu gelangen. Warrick blieb nichts anderes übrig, als Meadows Hand festzuhalten und „nichts zu sagen, nichts zu denken, nichts zu tun“. Er schloss die Augen, spürte wie sein Körper zu zittern begann noch bevor Meadow begann, „Drei, zwei, eins“ zu sagen, und wurde dann, wie zu erwarten, von einem schrecklichen Schmerz erfasst.

Angeblich gewöhnte der menschliche Körper sich an Schmerz. Warrick merkte davon nichts, als er am Boden lag – wie war er auf den Boden gekommen? – und wimmerte. Es spielte keine Rolle, dass ein Stück Fleisch besser war als das ganze Bein, dass er beim Apparieren schon einmal eine Niere verloren hatte, was noch nie zuvor jemandem passiert war laut dem begeisterten Arzt im Krankenhaus, das einzige was zählte war, dass er jetzt trotz der Qual mitbekam, wie Hubertus die Wunde inspizierte, und Hubertus war zwar sein Bruder, ein Medizinstudent und Rettungssanitäter, aber er war auch ein Squib. Mit sämtlicher Kraft, die er aufbringen konnte, klammerte er sich an Hubertus‘ Hemdkragen fest und flüsterte: „Bring mich – zu einem – Heiler“. Hubertus verzog das Gesicht, als habe er in etwas sehr Saures gebissen, und antwortete pikiert: „Ich bin sehr gut in der Lage, dich zu verarzten. Ich weiß was ich tue.“ Er pausierte, und fügte dann an Meadow gewandt hinzu: „Wenn er an mir zweifeln kann, kann es ihm gar nicht so schlecht gehen.“ Warrick sank zurück auf den Boden, nur mit Mühe ein neues Wimmern unterdrückend, und war gerade dabei, seine Gedanken zu einer intelligenten Antwort zu bündeln, als jemand – wahrscheinlich Hubertus – vorsichtig den Teil seines Beines berührte, der jetzt offenes Fleisch zeigte. Alle Gedanken zerbarsten, irgendeine Person antwortete auf Hubertus’s Versicherung trocken „Ganz offensichtlich“, und Warrick wurde langsam schwarz vor Augen.
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   So 13 Nov 2016 - 12:36

Gus scherzte gezwungen. Überspielte die Tatsache, dass sein Bruder nach einem echten… einem magischen Arzt verlangte. Dass er, Dr. Hubertus McMahon, machen und erreichen konnte, was er wollte, und von seiner Familie immer noch behandelt werden würde als wäre er weniger wert, weil ihm die magischen Kräfte fehlten. Es war ein alter Konflikt… vermutlich sogar der älteste innerhalb der Familie. Und Gus‘ nächste Geste, sein kaum merklicher Griff um das eigene Handgelenk, erinnerte Meadow auf schmerzlichste Art und Weise an dessen tragischen Anfang.

Alles hatte vor 16 Jahren zur Hochphase des Sommers begonnen. Die Temperaturen hatten die 50 Grad Grenze erreicht, weshalb sie, Gus und Wrick nicht hatten draußen spielen dürfen. Zwar schützte die magische Kuppel um Rogworth vor einem Teil der unmenschlich erscheinenden Sonnenstrahlung, doch mit ca. 40 Grad im Schatten bei einer Außentemperatur von 50 Grad und dem damit verbundenen Sonnenstich war noch immer zu rechnen, Magie hin oder her.  Aus diesem Grund hatten die Geschwister die meisten ihrer Sommer zuhause auf der Ranch verbracht. Dass man sich hier hin und wieder etwas in die Quere kam bzw. einander auf die Nerven ging, war kaum zu vermeiden, ganz besonders bei den fünfjährigen Zwillingen, die als Kinder ständig wegen jeder Kleinigkeit aneinandergeraten waren. An diesem Tag vor 16 Jahren war es eine Wasserpistole gewesen, um die sie gekämpft hatten. Noch heute erinnerte sich Meadow ganz genau daran. Die Zwillinge hatten beide eine zum Geburtstag bekommen, die Waffen waren beinahe größer gewesen als sie selbst und wenn sie mit Wasser gefüllt gewesen waren, hatten sie sie fast nicht tragen können. Dennoch war es das Lieblingsspielzeug ihrer Brüder gewesen. Sie hatten sie kaum aus ihren Händen genommen, die Wasserpistolen. Und schon bald war das passiert, das einfach hatte passieren müssen: eine der Pistolen war verschwunden. Einfach so.

Die Familie hatte überall nach ihr gesucht: im Haus, im Garten, in der Stadt, doch die Pistole war verschwunden geblieben. Das alleine war zwar schon schlimm genug, wurde aber von der Tatsache verstärkt, dass sowohl Wrick als auch Gus der Meinung gewesen waren, dass die noch verbleibende Pistole ihre eigene war. Der schier endlose Streit um das dumme Spielzeug hatte tagelang angedauert, zwischenzeitlich dazu geführt, dass den Jungs die Waffe weggenommen wurde und diese erst wieder ausgehändigt worden war nachdem ihre Eltern ihren eigenen Seelenfrieden über die pädagogisch richtige Erziehung ihrer Söhne gestellt hatten. Fairerweise musste man an dieser Stelle anmerken, dass die Zwillinge das wohl durchdringendste und nervtötendste Weinen der Welt besessen hatten. Warum ihre Eltern aber nicht gleich das Konzept von Erziehung über Board geworfen und einfach eine weitere Pistole besorgt hatten, würde Meadow nie verstehen. Vielleicht hätten sie die folgenden Ereignisse verhindern können. Vielleicht hätten sich ihre Brüder versöhnt, wären beste Freunde geworden und würden sich jetzt nicht nur an hohen Feiertagen sehen. Vielleicht wäre Gus‘ Beziehung zu Magie gesund und seine Abneigung gegen selbige gering oder nicht vorhanden. Vielleicht. Oder vielleicht wäre alles genau so gekommen wie es gekommen ist, nur dass ein anderes, später eintretendes Ereignis alles ausgelöst hätte. Meadow vermutete, dass dies die wahrscheinlichste Alternative war. Denn obwohl Wrick an diesem heißen Tag vor 16 Jahren das erste Mal unbewusst Magie eingesetzt hatte, als er seinen Bruder dazu hatte bewegen wollen die Pistole loszulassen, indem er ihn mit glühend heißer Hand gepackt und so für immer gebrandmarkt hatte, war es nicht das letzte Mal gewesen. Der Aufschrei war nur größer und bedeutsamer und irgendwo auch endgültiger gewesen.

Die Pistole war nach diesem Tag weggeräumt worden und Wrick hatte den Sommer größtenteils in seinem Zimmer verbringen müssen, während ihre Eltern Gus von Heiler zu Heiler gebracht hatten, um die Brandwunde, die einfach nicht hatte heilen wollen, behandeln zu lassen.

Auch wenn niemand ernsthaft der Meinung gewesen war, dass Wricks Handlungen aus Böswilligkeit heraus entstanden waren, so hatte die Familie doch begonnen ihn anders zu behandeln. Besonders ihre Mutter hatte ihm den ganzen Sommer über die kalte Schulter gezeigt, was Wrick wohl etwas mehr mitgenommen hatte, als es ihren Eltern klar gewesen war. So hatte er für beinahe ein Jahr lang kein Anzeichen von Magie mehr gezeigt und war sehr anhänglich geworden. Ständig hatte er an Meadows Rockzipfel gehangen, hatte geschrien – das durchdringende, schrecklich nervige Schreien – als sie ihm gesagt hatte, dass er nicht mit ihr zur Schule kommen konnte und war in so gut wie jeder Nacht zu ihr ins Bett gekommen. Normalisiert hatte sich alles dann erst als er selbst eingeschult worden war. Gus und Wrick hatten wieder damit begonnen mehr zusammen zu unternehmen und die Familie hatte nach und nach das Ereignis vergessen. Tatsächlich hatte ihr Vater Jeffrey vor ein paar Jahren bei einem gemeinsamen Essen  sogar die Wasserpistole, dieselbe Wasserpistole, die beinahe die Beziehung ihrer Söhne zerstört hätte, auf sie alle gerichtet und versucht eine Wasserschlacht zu starten, ohne sich darüber bewusst zu sein, welche Erinnerungen er mit dieser kindischen (Wasserschlachten. They belong in movies, not the real world. End of story.) Tat hervorrufen würde.  Gus und Wrick hatten sich nichts anmerken lassen, aber Meadow war sich sicher, dass sie sich erinnert hatten, so wie sie selbst sich erinnert hatte.

Und dieser Moment gerade… Dieser Moment der Beklemmtheit, weil Wrick nach einem Heiler gefragt hatte, obwohl er wusste, dass keiner in der Nähe war, fühlte sich genauso an. Genau wie das Faux-Pas ihres Vaters vor ein paar Jahren; genau wie jede Situation, in der Gus außen vor gewesen war, weil er keine magischen Kräfte besaß; genau wie der Moment vor 16 Jahren, in dem Wrick seinem Bruder bewiesen hatte, dass er ihn in einem Kampf ohne Weiteres besiegen würde. Und weil der Moment der Beklemmtheit Überhand zu ergreifen drohte, tat Meadow das erste, das ihr in den Sinn kam, das, was auch Gus getan hatte: sie scherzte.

Now, I cannot come up with a funny joke right now and to be frank, I don’t feel like writing down what happens next, so let me just describe it to you, dear reader(s). Here it goes…Meadow decides to apparate her and Wrick into St. Mungos, where the boy can get proper treatment. Gus stays behind to wait for aunt Sally. Even though Wrick is unconscious while apparating, he leaves his arm behind and Meadow has to come back to get it, she does so like a total champ with only saying ‘Eoooooow’ like ten times, then apparates back to the hospital. Wrick gets fixed and is as good as new, Meadow gets the number of the cute healer – you go girl – and Wrick wakes up. He is being welcomed back with the words “Guten Morgen, Sonnenschein!” They use flea powder to get back to the airport, that – for whatever weird reasons – does have a chimney. Don’t fight me on this one, okay. Your character being unable to apparate is super inconvenient right now, since we’re on a tight schedule. Aunt Sally could arrive any second now. Anyway. Wrick and Mads arrive at the airport, meet up with Gus and aunt Sally, who brought her cats, Garfunkel and Simon – not related to the musicians – and they all rent a car to get back to their car (They told Sally they had an engine problem which is why they had to take a taxi to the airport while the car is being fixed. Really proud of that one). They start their journey without any further complications and pick up a nice tramper girl named Jezebel on their way back. She smells like soup and immediately bonds with Sally over musical theatre. Also she has nowhere to go. On Christmas. Can you believe? How sad. Wish someone could, you know, do something about this.
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Mo 14 Nov 2016 - 19:21

Die Stille im Auto war beinahe so erdrückend wie die allgegenwärtige Hitze. Tante Sally auf dem Beifahrersitz hatte sich schon längst ihrer Strickjacke, ihrer Unterstrickjacke, sowie dem sich darunter befindenden Strickjäckchen entledigt. Die Kleidungsstücke bildeten nun ein Bett für die Katzen, welche zuvor auf Hubertus geturnt hatten und nun endlich eingeschlafen waren.

Warricks Geschwister allerdings ließen sich nichts von der stickenden Wärme anmerken, was die Abwesenheit jeglicher Geräusche nur umso stärker auffallen ließ. Warrick konnte vom Rücksitz aus beobachten, wie Hubertus‘ Fingerlnöchel am Lenkrad weiß hervortraten. Meadow sah schon seit geraumer Zeit aus dem Fenster, fast so steif und verkrampft wie Gus. Warrick selbst hatte eine halbe Stunde damit verbracht, die Füllung seines Autositzes herauszupulen, und hatte erst aufgehört, als Hubertus scharf „Lass das“ gesagt hatte. Das war nun etwa zehn Minuten her, und Warrick spürte, wie sein Körper auf die unangenehme Ruhe und den stummen Befehl, sich nicht zu rühren, so reagierte wie auf jedes andere beklemmende Stillschweigen seines Lebens: Es fiel ihm plötzlich überaus schwer, ruhig dazusitzen. Sein Bein zuckte, und seine Finger begannen wie von selbst, auf dem Sitz vor ihm herumzutrommeln. Unglücklicherweise war das zugleich der Fahrersitz und damit der Platz von Hubertus. Doch bevor Warricks Bruder aussprechen konnte, was bestimmt eine passivaggressive Bemerkung gewesen wäre, legte Meadow ihrerseits ihre Hand auf die Warricks, eine stumme Mahnung. Warrick unterließ das Trommeln und krallte stattdessen die Fingernägel in seine Oberschenkel, und verharrte in dieser Position, bis eine Gestalt am Straßenrand erkennbar wurde, noch weit entfernt, aber eindeutig auf der Route, die sie fuhren.

Das Auto wurde langsamer, sodass alle Insassen klar eine Frau von vielleicht Mitte dreißig mit einem selbstgebastelten Schild in der Hand erkennen konnten. „Ziel egal, biete quasi neues Hochzeitskleid als Bezahlung“ las Tante Sally laut vor. „Vielleicht sollten wir-“ „Ich halte nicht für einen Anhalter an, Tante Sally“ sagte Hubertus, beschleunigte allerdings noch immer nicht. „Hubertus August McMahon-“ „August ist mein zweiter Vorname“, warf Warrick ein. „- diese Einstellung ist nicht so, wie du erzogen wurdest. Deine Mutter-“ „-wäre angehalten und hätte die Frau bei uns einziehen lassen. Glaub mir, ich weiß. Als ich zehn war, musste Mads für sechs Monate bei Wrick und mir im Zimmer schlafen, damit Bob Meadows Zimmer als Schreiboase Schrägstrich Arbeitszimmer für seinen Roman benutzen konnte.“ „War Bob der Schulfreund von Mom, der seinen Job verloren hat?“, fragte Meadow. Hubertus antwortete: „Nein, das war Jimmy. Er schickt mir immer noch jedes Jahr eine Geburtstagskarte“, bevor ihm offensichtlich wieder einfiel, dass er im Augenblick nicht mit seinen Geschwistern redete, und er sich betont wegdrehte. Erneut drohte Stille auf sie einzubrechen.

„Eine gute Tat pro Tag“, sagte Tante Sally mit einem Mal wie aus der Pistole geschossen. „Hubertus, halte dieses Auto an.“ „Meine gute Tat heute war, undankbare Familienmitglieder vom Flughafen abzuholen“, murmelte Hubertus kaum hörbar. Warrick seinerseits warf einen Blick auf den verkniffenen Mund seiner Tante, und wusste plötzlich, dass dieses Ereignis etwas wäre, was Tante Sally nicht nur ihrer Schwester erzählen würde, sondern was diese auch prompt zum Anlass nehmen würde, ihren Kindern einen mehrstündigen Vortrag zu halten, wobei der ‚Vortrag‘ in diesem Fall in einer Lautstärke gehalten werden würde, der theoretisch dazu einlud, ihn alternativ als ‚Schreikrampf‘ zu bezeichnen, wenn diese Betitelung, laut ausgesprochen, die Tonlage nicht noch eine Oktave höher lassen zu werden. Es galt, Schadensbegrenzung zu betreiben. „Wer weiß, was passiert, wenn wir anhalten“, sagte Warrick also in unheilvollem Tonfall. „Bestimmt hat die Frau ein Messer. Oder eine Pistole – findet ihr nicht auch, dass sie überaus amerikanisch aussieht? Wenn nicht in letzter Zeit einer von euch zufällig Krav Maga gelernt hat, sollten wir weiterfahren.“ „Ich hatte mal eine Stunde Judo“, sagte Meadow nachdenklich. „Und?“ „Und es blieb bei einer.“ „Siehst du?“, meinte Warrick nun an Tante Sally gewandt. „Fahr weiter, Gu-AH. Was stimmt nicht mit dir?“ Der letzte Teil des Satzes war darauf bezogen, dass Hubertus soeben eine Vollbremsung gemacht hatte, und der Wagen sich nun direkt auf einer Höhe mit der Anhalterin befand. Letztere wedelte hoffnungsvoll mit dem Schild – das, wie Warrick jetzt entdeckte, mit Lippenstift beschrieben zu sein schien – und spähte ins Innere des Autos. „Wir nehmen sie mit.“ Warrick starrte seinen Bruder so gut an, wie es vom Rücksitz aus ging. Der hatte inzwischen die Tür geöffnet, stieg aus und führte ein kurzes Gespräch mit der Frau, während dessen Verlauf ihn zwei fassungslose und ein selbstzufriedenes Augenpaar verfolgten.  Fünf Minuten später ging die Reise weiter, jetzt mit einem weiteren Passagier an Bord.

Es war bezeichnend für die McMahons, dachte Warrick etwa zwei Stunden, nachdem sie Jezebel aufgelesen hatten, dass niemand in der Familie auch nur mit der Wimper gezuckt hatte, als neben Gus, Warrick, Meadow und Sally mitsamt Katzen auch noch eine wildfremde Frau das Haus betrat. Althea und Jeffrey McMahon hatten die perfekten Gastgeber gespielt, um genau zu sein so perfekt, dass sie sich kaum Zeit genommen hatten, Warrick und Gus zu begrüßen, und Warrick hegte die Vermutung, dass Onkel Clyde einfach annahm, Jezebel sei eine Verwandte.
Zurzeit saßen alle Familienmitglieder plus Jezebel im Wohnzimmer und unterhielten sich mehr oder weniger zivilisiert. Warrick lauschte mit halbem Ohr, wie seine Mutter und Jezebel sich über Gartenpflege austauschten, während Hubertus bemüht war, höflich auf Onkel Clydes ausschweifende Erläuterungen über das Spiel, das im Fernsehen lief, zu antworten, ohne den Hauch einer Ahnung zu haben, wer gegen wen spielte oder auch nur, um was für eine Sportart es sich handelte, als es an der Tür klingelte. Für einen Moment schien sich niemand bemüßigt zu fühlen, die Konversation abzubrechen und zur Haustür zu gehen. Dann aber entschuldigte Althea sich unerwarteterweise bei Jezebel und machte sich selbst auf den Weg, anstatt eines ihrer Kinder zu der unliebsamen Aufgabe zu kommandieren – ein Zeichen zur Beunruhigung. Warrick konnte sich an keine Gelegenheit erinnern, bei der nicht entweder seine Geschwister oder er selbst geschickt worden waren, um Gäste zu begrüßen. Jäh erinnerte er sich wieder an die geheimnisvolle Ankündigung seines Bruders. Überraschungsgast, hatte Gus gesagt.

Warrick runzelte die Stirn und schwang sich von dem Sofa, das er bisher alleine in Anspruch genommen hatte. Am anderen Ende des Raumes schaffte Meadow es augenscheinlich, sich von Tante Sally loszureißen, und auch Hubertus beendete abrupt das Gespräch mit Onkel Clyde. Beinahe synchron bewegten die Geschwister sich alle Richtung Flur, scheinbar gleichsam von einer Neugierde gepackt, die ihre Anfänge in frühester Kindheit fand. Inzwischen konnte Warrick die Stimme seiner Mutter vernehmen. Sie begrüßte jemanden – sie bogen um die Ecke -, sie fragte jemanden nach dem Reiseverlauf – sie sahen den Rücken ihrer Mutter, der die Tür blockierte -, sie bat jemanden herein und trat beiseite, um den Gast durchzulassen – sie blieben wie angewurzelt stehen und starrten auf die hellhaarige junge Frau, die soeben das Haus betrat. Wie im Traum registrierte Warrick, wie Meadow und Hubertus irritierte Blicke austauschten, der größte Teil seiner Aufmerksamkeit war aber auf seine Mutter und die Person gerichtet, die der Überraschungsgast sein musste. Althea McMahony strahlte Warrick an. „Überraschung“, sagte sie. Warrick brauchte ein paar Sekunden, bis er sich wieder in der Lage fühlte, zu antworten. Schließlich brachte er heraus: „Hi, Sarah“, bevor seine Stimme erneut versagte.
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Meadow McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Do 24 Nov 2016 - 22:40

3. Akt: Sarah (yes, the acts have names now)

Für einen kurzen Augenblick konnte Meadow weder mit dem Namen Sarah, noch mit dem rundlichen Gesicht, das sie auf unaufdringlich freundliche, beinahe einstudiert wirkende Art und Weise anlächelte, auch nur das Geringste anfangen. Soweit sie wusste, hatte sie keine Cousine namens Sarah und da Clydes neuste Flamme bereits da war, fiel auch diese Möglichkeit weg. So etwas wie neue Nachbarn gab es in Rogworth nicht und den Tag, an dem eines ihrer Familienmitglieder tatsächlich Freunde mit nach Hause brachte, musste Meadow noch erleben. Kurz wog sie tatsächlich ab, ob es sich bei Sarah vielleicht um eine ihrer Kolleginnen handeln konnte (vielleicht den Tagesdienst, lol) und ob sie möglicherweise hier war, um ihre Mutter abzuführen, doch dann verwarf sie den Gedanken. In ihrer Abteilung arbeitete man schon die restlichen 364 Tage nicht und damit erst recht nicht an Weihnachten.

Für einige Momente stand Meadow recht bedrüppelt (you heard me right) gegenüber von der Fremden und konnte sich keinen Reim aus der Situation machen. Erst als ihr Bruder Wrick plötzlich staksig auf das Mädchen zuging und sie kurz an sich drückte, dämmerte es Meadow allmählich. Sarah. Natürlich hatte sie diesen Namen schon gehört! Unzählige Male sogar! Sarah! Sarah aka Wricks feste Freundin seit zwei Jahren, die zwar hin und wieder von ihrem Bruder erwähnt wurde (meist auf direkte Nachfragen ihrer Mutter hin), aber an die nach zahlreichen No-Shows auf Familienfesten quasi keiner mehr glaubte, so dass Sarahs gesamte Person, sowie ihre Existenz oder auch Nicht-Existenz zu einem familieninternen Insider-Witz bzw. Running Gag geworden waren. Meadow persönlich hatte allerdings immer gewusst, dass es Sarah geben musste (auch wenn es witziger war zu behaupten, dass es nicht so war) und dass ihr Nicht-Erscheinen auf Einladungen hin keineswegs an dem Mädchen selbst (oder ihrer Imaginarität) lag, sondern vielmehr an Warrick und seinem Unbehagen Partner nach Hause mitzubringen. Weil Rogworth ein Kaff war, hatte Meadow stets gewusst, wen ihre Brüder wie lange gedated hatten, ohne auch nur darauf zu achten oder gar nachfragen zu müssen, aber heimgebracht hatte Warrick zumindest nie jemanden davon. Nun, das stimmte nicht ganz. In der siebten Klasse hatte der Junge sich das erste Mal verliebt… in Kelly McCann, ausgerechnet Kelly McCann, die vermutlich die Jungfräulichkeit des halben Dorfes auf dem Gewissen hatte. Aus einer verrückten Laune heraus hatte er das Mädchen dann nach Hause eingeladen, woraufhin ihre Mutter aus einer noch viel verrückteren Laune heraus – wie die Frau, die absolut alles immer als erste wusste, die Gerüchte, die das Mädchen umgaben, nicht mitbekommen haben konnte, war Meadow ein Rätsel – beschlossen hatte, dass Kelly McCann ihre Schwiegertochter werden würde. Und von diesem Vorhaben hatte sie sich nicht abbringen lassen können. Nicht durch vernünftiges auf sie einreden, nicht durch weniger vernünftige Gespräche, oder Drohungen, nein, durch gar nichts.

Nach ein paar Tagen gefüllt mit absurden familienvereinenden Aktivitäten wie dem gemeinsamen Brunchen mit den McCanns (Meadow war sich immer noch sicher, dass Kellys Vater ihr Tagebuch geklaut hatte, egal wie oft ihre Mutter ihr vorbetete wie lächerlich diese Anschuldigung war), hatte Warrick schließlich verkündet, dass er und Kelly – die mittlerweile verheiratet und mit Braten in der Röhre war -  fortan getrennte Wege gehen würden und damit das Herz ihrer Mutter gebrochen. Ja, wirklich gebrochen. Sie hatte am selben Abend noch eine ganze Flasche Wein alleine ausgetrunken und war dann leise weinend auf der Couch eingeschlafen, während sie unverständliche Worte vor sich hingefaselt hatte. Nach diesem wohl mehr oder weniger traumatischen Erlebnis hatte Warrick dann nie wieder jemanden mit nach Hause gebracht. Nun, bis zu diesem Moment zumindest. Und wenn Meadow Warricks steife Haltung und sein angestrengtes Lächeln, das nicht halb so gut einstudiert war wie das von Sarah, richtig deutete, dann war dies nicht ganz freiwillig gewesen. Der Überraschungsgast, so schien es Meadow, war angekommen.

Für einen kurzen Moment begutachtete Meadow das Bild, das sich ihr bot. Sarah, die wahrscheinlich das wahre Opfer der Situation war, neben Warrick, der nicht zu wissen schien was er mit seinen Händen tun sollte, während beide von ihrer Mutter als ‚sooo süß zusammen‘ betitelt und näher zusammen geschoben wurden. In einer Rekordzeit von nur ein paar Sekunden, bevor Meadow oder irgendeiner der anderen überhaupt Zeit hatte sich vorzustellen, hatte ihre Mutter es dann auch geschafft einen Kommentar über das mögliche Aussehen der Sprösslinge von Warrick und Sarah abzugeben. Meadow wusste nicht ob sie beeindruckt oder belustigt oder verärgert sein sollte. Alles passierte zu schnell und unerwartet und erinnerte auf mehr als nur einer Ebene an den Plot einer ganz klassischen Weihnachtsspezialfolge einer Sitcom (would you look at that, we’re self aware).

Meadow warf zunächst Gus, der aussah als hätte er gerade das beste Weihnachtsgeschenk der Welt geöffnet, einen kurzen, aber vielsagenden Blick zu, ließ sich dann von seinem Strahlen anstecken und schritt hinüber zu Sarah. Wenn sie die Situation nicht ändern konnte – und dem schien nicht so – dann konnte sie sie genauso gut auch genießen, fand Meadow.

Hi! Ich bin Meadow“, stellte sie sich theatral vor und lief mit ausgestrecktem Arm auf Sarah zu. „Wrickys große Schwester. Es freut mich so, so sehr dich endlich kennenzulernen nach all den Geschichten, die Warrick schon erzählt hat.
Sie ließ Sarah genug Zeit die Standardfloskel „Alles Lügen, ich bin mir sicher“ loszuwerden – die sie nebenbei bemerkt in derart trockener und übertrieben posher Stimmlage herausbrachte, dass das Mädchen ihr direkt sympathisch wurde -, bevor Meadow die Frage: „ist das nicht Großmutters Brosche?“ anschloss und sich das Lachen verkniff. Ihre Mutter hatte Sarah also schon mit Erbstücken versorgt bzw. als Eigentum der Familie markiert. Ohne auf Sarahs Antwort zu achten, warf Meadow dem mittlerweile hochgeröteten Warrick einen Blick zu, der so viel ausdrücken sollte wie: „Hier kommst du nicht mehr raus, Amigo“, bevor sie von Gus zur Seite geschoben wurde, der Sarah in die Arme fiel und sie in der Familie willkommen hieß. Diese Geste führte dazu, dass die Augen ihrer Mutter glasig wurden und sie Gus liebevoll über den Rücken strich, weil sie seinen Scherz für Aufrichtigkeit gehalten hatte. Sie hatte den Witz nicht verstanden. Sie hatte nie irgendwelche Witze verstanden und manchmal fragte Meadow sich, ob ihre Mutter sie dadurch jemals wirklich kennenlernen konnte, oder ob ihr ihre eigenen Kinder bis zu einem bestimmten Punkt hin immer fremd bleiben würden.

Ich bin so froh, dass Warrick endlich jemanden gefunden hat, der ihn so nimmt wie er ist. Er mag eine raue Schale haben, aber im Kern, das versichere ich dir, im Kern ist er ein fürsorglicher und sensibler junger Mann“, sagte Gus als er sich von Sarah gelöst hatte. „Er wird gut für dich sorgen, Sarah, wenn du ihn nur festhältst. Ganz fest, Sarah. Halt ihn ganz fest!

Meadows Grinsen wurde breiter, Warricks Kopf roter. Es war verrückt, aber in Momenten der absoluten Bloßstellung fühlte sich Meadow ihren Geschwistern verbundener als während jeder begrüßenden Umarmung und jeder Lass-uns-öfter-etwas-unternehmen-Floskelei. Und auf einmal, trotz ihrer Unlust am Morgen überhaupt das Haus zu verlassen, war sie froh, hier zu sein.

Lasst uns ins Esszimmer gehen, Kinder“, begann ihre Mutter plötzlich (vielleicht hatte sie den Witz nun doch begonnen zu verstehen…)  und umfasste mit dem Begriff „Kinder“ alle, nicht nur ihre erwachsenen Nachkömmlinge, sondern auch Clyde, whatsherface und Anhang. „Ich habe frischen Kaffee gemacht und der Kuchen dürfte jetzt auch abgekühlt sein. Wenn alle da sind, möchte ich unbedingt die Geschichte hören wie ihr beiden euch kennengelernt habt. Jeffrey? Jeffrey, hol doch bitte die Kamera. Ich möchte ein paar Fotos machen für meine Tante Clara.“ Sie hakte sich bei Sarah ein und ging mit ihr vor ins Esszimmer. „Clara kann nicht mehr so gut... Ihre Hüfte, du weißt“, hörte Meadow ihre Mutter noch zu Sarah sagen. Die Worte „du weißt“ lösten bei der jungen Frau gleichzeitig Belustigung und Frustration aus. Zu oft hatte sie schon selbst gehört. Natürlich wusste Sarah nicht von Tante Claras Problemen mit der Hüfte. Wie auch? Dennoch drückte ihre Mutter es so aus als wäre es etwas, an das sie das Mädchen lediglich erinnerte und über das sie schon ausgiebig informiert worden war. (a shout out to my favourite character)

Erst als Sarah und ihre Mutter durch die Tür verschwunden waren, wandten sich Meadow und Gus zu Warrick um und legten erstmals ihre affektierten Gesichtsausdrücke ab. „Sie gibt es ja doch!“, stieß Gus hervor. „War die nicht auf meiner dritten Hochzeit?“, fragte Clyde von weiter hinten aus dem Raum. „Ich fass es nicht, dass du uns nicht gesagt hast, dass Sarah kommt“, warf Meadow ein, wohlwissend, dass Warrick nichts davon gewusst haben konnte. „Das heißt es ist etwas Ernstes? Nun, ich hoffe doch, dass es etwas Ernstes ist. Man spielt nicht mit dem Herz einer jungen Dame, kleiner Bruder. Aber was rede ich? Du hättest sie doch nicht zu Weihnachten eingeladen, wenn es nicht die Eine wäre. Habe ich Mom nicht etwas von Enkelkindern sagen hören?
Gus verpasste seinen Einsatz nicht. Er verpasste ihn nie.
Oh, ja, Babys! Zwillinge sind ein Spaß, habe ich gehört. Ich glaube sie werden süß… Nun, solange sie all ihre äußerlichen Eigenschaften und den Großteil der Persönlichkeit von ihrer Mommy erben. Sie wirkt nett. Gute Wahl, Bruder. Ausgesprochen gute Wahl. Tolle Wangenknochen.
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Sa 17 Dez 2016 - 23:10

Es war nicht das erste Weihnachtsessen, bei dem Wildfremde mit am Tisch saßen. Um genau zu sein, konnte Warrick die Weihnachtsfeste, bei denen die Familie unter sich gewesen war, an einer Hand abzählen. Alle paar Jahre tauchte Clyde mit einer neuen Freundin auf, die er im kommenden Jahr als Ehefrau vorstellte und im Jahr darauf schon wieder ausgetauscht hatte. Tante Sally war bekannt dafür, Leute aufzulesen, die ihr leidtaten, wofür Ezekiel zurzeit das beste Beispiel war, und auch Warricks Vater lud gerne Arbeitskollegen zu sämtlichen Familienfeiern ein, wenn er vermutete, dass besagte Kollegen zuhause statt einer liebevollen Familie der Fernseher erwartete.

Die Person jedoch, die mit Abstand am meisten Gäste ins Haus gebracht hatte, war Warricks Mutter. Althea McMahon, die sich schon an guten Tagen auf der falschen Seite des Gesetzes bewegte und an weniger guten so weit davon entfernt war, dass sie für einige Zeit das Haus nicht verlassen konnte, um nicht festgenommen zu werden. Auch ihre Gäste wurden Warrick, Meadow und Hubertus als „Arbeitskollegen“ vorgestellt, aber während die von Jeffrey oft eher schüchtern im Umgang mit den Kindern waren, dafür aber stundenlange Gespräche mit Jeffrey über statistische Analysen und andere Dinge führten, die Warrick nie ganz durchschaut hatte, verhielten Altheas Gäste sich Warrick und seinen Geschwistern gegenüber offener (gern untermauert mit Kommentaren wie „in unserer Branche sind Kinder ja immer ein Risiko, was, Thea?“) und führten stundenlange Gespräche mit Althea über Drachenzüchtung und die Geheimhaltung dieser vor der Polizei. Erst, als er schon längst ausgezogen war, hatte Warrick begriffen, dass der Grund für die beinahe permanente Anwesenheit von diesen vernarbten und oft bis an die Zähne bewaffneten Menschen hauptsächlich darin lag, dass sie untergetaucht waren und Althea ihr Zuhause als Versteck und ihren fußballfeldgroßen Garten als Unterkunft für diverse illegale Kreaturen angeboten hatte.

Doch heute war die Person, die nun inmitten der Familie am Tisch saß, gerade dankend ein viertes Stück Kuchen abgelehnt hatte und dafür sofort als unterernährt bezeichnet worden war, frei von jeglichen von Tieren stammenden Narben, eine erklärte Ablehnerin von Waffen, hatte Warrick noch nicht angeboten, ihm zu zeigen, wie man einen Hippogreifen am besten und risikolosesten bändigte, und war trotz alledem Warricks Meinung nach derjenige Gast, dessen Präsenz ihm in 20 Jahren das größte Unbehagen bereitete.

Hätte Warrick einen Facebookaccount gehabt, wäre sein Beziehungsstatus wohl „es ist kompliziert“ gewesen. Warrick mochte Sarah, wirklich. Für eine kurze Zeit hatte er sogar an der Überzeugung festgehalten, sie sei die Eine, und nicht nur aus dem einfachen Grund, dass sie ihn eine Woche nach ihrer ersten Begegnung bei sich hatte einziehen lassen, als er vorsichtig seine prekäre Wohnsituation erwähnt hatte. Nein, objektiv betrachtet war Sarah großartig. Dennoch war Warrick nach wenigen Wochen des Zusammenlebens klar geworden, dass die Beziehung keine Zukunft hatte.

Es war ein Montagabend gewesen. Sarah war nach einem langen Arbeitstag zur Tür hereingekommen und hatte Warrick in dem einzigen Sessel der Wohnung sitzen sehen, vertieft in ein bereits sehr mitgenommenes Buch. Auf die Frage nach seiner Lektüre hatte er es nicht bei einer knappen Nennung des Titels belassen, sondern hatte Sarah mit dem Enthusiasmus, der jenen Lesern vorbehalten ist, die ein neues Opfer für ein besonders geliebtes Buch gefunden haben, erst den Handlungsverlauf, dann die Charaktere und schließlich seine persönliche Interpretation geschildert. Und Sarah…Sarah hatte zugehört, ein leichtes Lächeln auf den Lippen, einige Fragen gestellt, und als Warrick schließlich geendet hatte, hatte sie ihm das Buch aus den Händen genommen, es achtlos auf den Beistelltisch gelegt, und ihn geküsst. Für Warrick war die Beziehung in dem Augenblick vorbeigewesen, in dem der Roman die Tischplatte berührte.

Das Problem bei alldem war, dass Warrick Sarah trotzdem noch mochte. In einer Parallelwelt hatten sie vielleicht bei diesem ersten Kaffeetrinken am Flughafen festgestellt, dass sie nie ein gutes Paar abgeben würden, nachdem sie innerhalb der ersten zehn Minuten auf Lieblingsbücher zu sprechen gekommen waren. Vielleicht hatten sie dennoch Nummern ausgetauscht, und waren noch in der gleichen Woche zu einer Filmpremiere gegangen. Vielleicht hatten sie bei dem zweiten Treffen gemerkt, dass eine Beziehung nicht funktionieren würde, eine Freundschaft hingegen schon. Vielleicht hatten sie auch in dieser Realität für kurze Zeit zusammengelebt, hatten einander durch Beziehungen und Trennungen begleitet, und als Warrick irgendwann wegzog, hatten sie den Kontakt aufrecht erhalten, für Jahre und Jahrzehnte.

In dieser Realität jedoch hatte Warrick es beim ersten Date versäumt, seinen Buchgeschmack direkt zu erwähnen, und hatte es einige Wochen danach gleichermaßen versäumt, sich von Sarah zu trennen, was ultimativ in der jetzigen Lage resultierte.
Warrick schenkte Sarah ein halbherziges Lächeln, das bestimmt fünfte dieser Art in der letzten halben Stunde, als seine Mutter, ebenfalls zum fünften Mal, erklärte wie schön das Essen „im engsten Familienkreis“ sei, mit einem vielsagenden Blick zu Sarah.
Letztere, das musste Warrick ihr lassen, trug das Ganze mit Fassung. Bisher hatte sie alle neugierigen und viel zu persönlichen Fragen ausweichend, aber selbstbewusst beantwortet. Was Warrick viel nervöser machte war die Tatsache, dass Sarah ihm nachdenkliche Blicke zuwerfen zu schien, wenn niemand sonst hinsah.
Erst, als Althea McMahon ankündigte, demnächst nach dem Ehering ihrer Ururgroßmutter zu suchen (ein sehr geschätztes Familienerbstück) und sich nach Sarahs Ringgröße erkundigte, konnte Warrick sich dazu bringen, die Worte auszusprechen.
„Sarah?“ sagte er, bevor die junge Frau auf die Frage eingehen konnte. „Würdest du kurz mit nach draußen kommen?“

Die Veranda war schon mehrmals in Brand gesteckt und danach neu gebaut worden. Die derzeitige war, so schätzte Warrick, nicht älter als ein Jahr, was bedeutete, dass man auf ihr laufen konnte, ohne Angst zu haben, die Holzbretter würden unter dem eigenen Gewicht nachgeben. Er wartete, bis Sarah sich auf der Bank niedergelassen hatte, setzte sich dann sehr, sehr vorsichtig, und seufzte erleichtert auf, als das Möbelstück nicht in sich zusammenbrach.
„Sarah“, wiederholte er. Plötzlich, als er die Frau ansah, die ihn ohne zu zögern bei sich hatte einziehen lassen, die über den Großteil seiner Witze lachte, die gerade seine Familie getroffen und keinen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, überkam ihn das irrationale Bedürfnis, der Beziehung noch einen letzten Versuch zu geben. Ein letzter Test. „Sarah, was ist mein Lieblingsbuch?“
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Meadow McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Mi 1 Feb 2017 - 20:14

INTRODUCING: SARAH DOSHIE ALDERTON-SMITH!! 


Sarah konnte sich nicht daran erinnern jemals in ihrem Leben irgendwelche außergewöhnlichen Träume gehabt zu haben. Sie hatte nie zu den Mädchen gehört, die Prinzessin hatten werden wollen. Ihr hatte immer die Vorstellung von einer Wohnung oder einem kleinen Haus gereicht. Sie hatte nie reich und wunderschön sein wollen, hatte nicht von einem strahlenden Prinz in weißer Rüstung geträumt. Nein, nein im Gegenteil. Sarahs Traum war es immer gewesen, ganz normal zu sein. Zur Schule zu gehen, mittelmäßig abzuschließen, zu studieren, jemanden kennenzulernen, vielleicht ein paar Jahre zu arbeiten und dann Kinder zu bekommen. Für einen Außenstehenden mochte diese Einstellung bei einer Vier- oder Fünfjährigen wohl etwas sonderbar klingen, kannte man allerdings ihre Geschichte, so erschien es gar nicht mehr so abstrus. Denn Sarah war in eine Zirkusfamilie hineingeboren, völlig ohne Ambitionen oder Talent für die Schausteller-Karriere. Ihre Familie hatte sie nie dazu gedrängt am „Spaß“ teilzuhaben, in der Hinsicht hatte Sarah großes Glück gehabt, aber normal war ihr Leben dennoch nie verlaufen. Ständig hatte sie umziehen müssen, war beinahe immer das neue Kind an der Schule gewesen und hatte nie irgendwo Wurzeln gefasst. Diese Rastlosigkeit hatte sie in ihr erwachsenes Leben begleitet: Sarah war Flugbegleiterin geworden und damit beinahe immer unterwegs. Es störte sie nicht sonderlich lange Zeit nicht zuhause zu sein, da ihr kleines Apartment im Herzen Londons ihr nicht wirklich wie ein Zuhause vorkam. Es hatte nichts gemeinsam mit diesem Haus hier, diesem Ort und Warricks Familie, die auf den ersten Blick schon als nicht perfekt, aber herzlich und zusammengeschweißt zu erkennen war.
Sarah hatte Warrick vor zwei Jahren am Flughafen in Gatwick kennengelernt. Sie war gerade aus Amerika zurückgekehrt und hatte ihren Jetlag versucht dadurch zu umgehen, dass sie zunächst das Flughafenrestaurant aufgesucht und dort sicherlich acht Stunden verbracht hatte. Sie hatte Mittag gegessen, ein Dessert bestellt, dann einen Kaffee und dann wieder etwas Herzhaftes, bis ihr Magen irgendwann so voll gewesen war, dass sie nur noch ein Wasser nach dem anderen hatte trinken können. Am Ende hatte sich ihr höchst amüsierter Kellner zu ihr gesetzt, ihr eine Pommes von ihrem Teller geklaut und dann mit vollem Mund verkündet, dass er jetzt Feierabend habe und ihre Geschichte nur zu gerne hören würde. Er hatte nett ausgesehen in seinen nur bedingt passenden Jeans, seiner achtlos angelegten Schürze und der unreinen Haut, die er vom Arbeiten in der Küche bekommen hatte. Nett auf eine normale Art und Weise, eine nicht besondere. Warrick war niemals das neue Kind gewesen, hatte ein ganz und gar durchschnittliches Leben geführt, da war sich Sarah vom ersten Moment an sicher gewesen. Und sie hatte Recht behalten. Zumindest zum größten Teil. Alles, was er ihr an diesem Abend im Restaurant von sich erzählt hatte, hatte dieses Bild bestätigt. Er war zur Schule gegangen und hatte danach nicht gewusst, was er mit seinem Leben machen wollte. Er war daraufhin zunächst etwas herumgezogen bis er schließlich bei seiner Schwester gelandet war. Als Warrick fertig gewesen war, hatte Sarah angefangen von sich zu erzählen und hatte bemerkt, dass Warrick ihr kurioses Leben mindestens genauso sehr begeisterte wie seine Normalität sie. Sie hatten den Abend gemeinsam im Restaurant verbracht. Danach war alles sehr schnell gegangen. 
Warrick und Sarah hatten sich zum Frühstück am nächsten Tag verabredet und weil sie in der Nacht kein Auge hatte zumachen können wegen ihres Jetlags, hatte Warrick ihr morgens früh Abendessen bestellt und sich danach mit ihr schlafen gelegt. Es war originell gewesen, aber nicht zu aufgesetzt oder zu romantisch oder zu überstürzt. Sarah hatte es gefallen. Mehrere Tage lang hatten sie gemeinsam in der falschen Zeitzone gelebt und für eine Weile, ja für eine kleine Weile war alles wirklich besonders gewesen. So besonders sogar, dass sie Warrick nach nur einer Woche darum gebeten hatte bei ihr einzuziehen. Es war schon verrückt. Zumindest hörte es sich für sie verrückt an, wenn sie jetzt rückblickend darüber nachdachte, aber in dem Moment damals vor zwei Jahren hatte es sich wirklich so angefühlt als würde ihr Traum vom Ottonormalleben in Erfüllung gehen. Dann hatte sie nach Thailand fliegen müssen und dann nach Sri Lanka und dann nach Griechenland und irgendwann hatte Warrick damit aufgehört sich mit ihr schlafen zu legen, wenn sie nach Hause kam. Und eines Tages war er einfach nicht mehr da gewesen. Seine Sachen waren es gewesen. Seine Kleidung und seine Möbel, nur er war es nicht. Warrick war ausgezogen ohne auszuziehen. Manchmal hatte er sie noch besucht und seine Kleidung getragen und seine Möbel benutzt und nicht einen einzigen Kommentar darüber verloren, dass er nicht mehr hier war. Und Sarah hatte es nicht angesprochen, weil sie wusste, dass er ihr sofort entgegenbringen können würde, dass sie es ja auch nie war. Also hatte Sarah den Auszug von Warrick unkommentiert gelassen. Und ein normaler, gesund denkender Mensch hätte an dieser Stelle den Wink mit dem Zaunpfahl – um es nett auszudrücken – verstanden und hätte das Ende der Beziehung erkannt. Nicht Sarah. Sie hatte weiterhin darauf vertraut, dass sie und Warrick sich schon noch irgendwie wieder zusammenraufen würden. Nicht zwingend, weil sie ihm gegenüber so große Gefühle verspürte, sondern vielmehr, weil sie einfach keine Zeit und Lust hatte jemand neuen zu finden. 
Vor einigen Monaten war dann der Moment gekommen, in dem Sarah aufgegeben hatte. Nach fast einem halben Jahr ohne Kontakt zu Warrick hatte sie festgestellt, dass keine Post mehr für ihn in ihrem Briefkasten landete. Er hatte seine Adresse ändern lassen und lediglich seine Kleidung, ein paar alte Möbel und einen geplatzten Traum von einem gewöhnlichen Leben zurückgelassen. Und es war okay gewesen. Sarah war es gut mit der Trennung gegangen. Ja, sie war sogar ein wenig erleichtert darüber gewesen, dass sie zumindest wusste, was Sache war. Es war ein nicht ganz sauberer Schnitt gewesen, aber ein Schnitt nichtsdestotrotz. Sie hatte sich sogar wieder auf ein paar Dates gewagt und dann… dann hatte Mrs McMahon sie angerufen. Und ab diesem Moment war alles fürchterlich schnell und schief gegangen. 
Jetzt war sie hier. Hier in Australien an einem Ort, den es laut ihrem geographischen Verständnis gar nicht geben durfte - was eine Tatsache war, die sie aus irgendeinem Grund nicht im Geringsten hinterfragte – und war kurz davor verlassen zu werden, diesmal wirklich. Und alles, woran sie denken konnte, war es, wie anders alles hätte laufen können, wenn sie nur… wenn es eben anders gelaufen wäre. Sie hatte es versucht. Sie hatte alles versucht. Alles ausgenommen davon ihr Leben zu ändern, ihren Job zu kündigen und wirklich anwesend zu sein. Aber selbst dann hätte es vermutlich nicht geklappt. Tatsächlich glaubte sie ein bisschen, dass Warricks Interesse an ihr unter anderem an der Tatsache gelegen hatte, dass sie nicht wirklich zu haben gewesen war. Wäre das nicht wahr, dann hätte er es versucht. Er hätte sie darum gebeten ihr Leben zu ändern. Hätte Interesse gezeigt, Hingabe, irgendwas. Stattdessen hatte er nichts gemacht. Warrick hatte niemals irgendetwas gemacht. Und jetzt, ja jetzt musste sie sich anhören, dass sie ihn nicht genug kannte. Dass sie sich nicht genug Mühe gegeben hatte. Zumindest vermutete sie, dass er mit seiner Frage nach seinem Lieblingsbuch genau darauf hinaus wollte. 
Sarah lachte schnaufend auf. Irgendwie kam sie sich ganz plötzlich verflucht albern vor. 
Rick…“, begann sie. „Rick, ich war 26 Stunden hier her unterwegs… Ich hab mir gefühlt zwanzig Kinderalben von dir angeschaut, während ihr eure Tante abholen wart.“ Sarah holte Luft. Sie hatte das alles gar nicht aussprechen wollen, keine alten Wunden aufreißen wollen. „Ich hab dich bei mir einziehen lassen. Ich hab dich in mein Leben gelassen, ohne je was dafür zu verlangen. Und du… du hast nicht mal Bescheid gesagt… Du hast nicht mal angerufen. Du hast dir kein bisschen Mühe gegeben. Und deshalb bist du der letzte, der allerletzte Mensch, der mir vorwerfen darf, dass ich dein scheiß Lieblingsbuch nicht kenne!“ 
Sarah seufzte und stand auf. Sie ging einige Schritte hin- und her und rieb sich dabei die Augen, die von der absurden Hitze völlig ausgetrocknet waren und brannten. „Ich glaube ich sollte jetzt gehen. Es war keine gute Idee zu kommen. Ich hatte längst mit allem abgeschlossen und…“, Sarah blickte auf und sah Warrick in seine völlig gewöhnlichen Augen. „Little Women. MEIN Lieblingsbuch. Falls du dich mal gefragt hast.“ 
Sarah stand auf und dachte darüber nach, ob sie ein Taxi wohl hier abholen würde. 
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Mi 1 Feb 2017 - 23:36

Schon früh hatte Warrick gelernt, dass es das Beste für alle Beteiligten war, wenn er seine Familie nur in äußersten Notlagen um Hilfe bat. Und selbst wenn eine solche Notlage eintrat, was im Laufe seiner Kindheit öfter als ihm lieb war vorgekommen war, hatte er inzwischen ein privates Ranking seiner engsten Familienmitglieder gemacht, angefangen mit der Person, an die er sich nur dann wandte, wenn es unbedingt sein musste, und geendet mit derjenigen, die ihm im Vergleich zu allen anderen immer noch am liebsten war, wenn es um Hilfestellung ging.

4. Jeffrey McMahon


Das Großartige an Warricks Vater war, dass er Geheimnisse für sich behalten konnte. Bat man Mr. McMahon, einem zur Seite zu stehen bei beispielsweise der Beseitigung von versehentlich freigelassenen Riesenskorpionen, die man in diesem selbstverständlich rein fiktiven Szenario zuvor im Arbeitszimmer seiner Mutter in einem Terrarium mit der Aufschrift „nicht anfassen – hochgefährlich“ gefunden hatte, konnte man darauf vertrauen, dass Jeffrey McMahon sich weder aus der Ruhe bringen ließ noch seiner Frau etwas von dem Vorfall erzählte.

Das Problem an Warricks Vater war, dass er zwar bei der Geheimhaltung eines Problems ganz vorne stand, bei der eigentlichen Lösung eines Problems allerdings zumeist noch ratloser war als man selbst. Teils lag das sicherlich daran, dass Jeffrey McMahon über keinerlei Magie verfügte, teils aber war der Grund schlicht und ergreifend, dass der ältere Mann nicht in der Lage war – oder vielleicht wollte er einfach nicht, Warrick war sich bis heute nie ganz sicher -, mental den Sprung zu jenem abstraktem Denken zu machen, das benötigt war, wenn es um Vorfälle einer solch unkonventionellen Art ging, wie sie im McMahon-Haushalt des Öfteren vorkamen.

3. Althea McMahon


Alle waren sich einig, dass Althea McMahon eine außerordentlich begabte Hexe war – ein glücklicher Umstand, denn ansonsten wäre sie mit Sicherheit inzwischen längst vom australischen Zaubereiministerium verhaftet worden. Als direktes Resultat folgte daraus jedoch, dass ihre Kinder seit jüngstem Kindesalter an mit dem Hintergedanken lebten, dass es besser war, ihre Mutter nur mit solchen Problemen zu behelligen, die sofortige Aufmerksamkeit einer fertig ausgebildeten Hexe benötigten, und die sie auf keinen Fall in den Blickwinkel der Behörden rücken würden. Diese Lektion hatten Altheas Kinder auf die harte Tour gelernt, als Warrick und Gus gerade von der Grund- in die weiterführende Schule (für Warrick das Melbourne Institute, für Gus ein Muggelgymnasium) gekommen waren, und Althea zeitgleich einen Drachen namens Earnest adoptiert hatte. Earnest war zwar geradezu engelsgleich im Umgang mit sowohl Menschen als auch Artgenossen (von denen es zu dieser Zeit vier Stück in seiner direkten Umgebung gab), hatte aber ein paar Neurosen, die der Grund dafür waren, dass Althea ihn für einen Spottpreis hatte erwerben können. An den freien Nachmittagen nach der Schule wechselten die Kinder sich ab, das Futter für Earnest vor seinen Augen so zuzubereiten, wie er es bevorzugte (was Code war für ‚wie er es zum Essen akzeptierte‘), und am Abend war Meadow dafür zuständig, ihm, ohne dass er es merkte, extrastarkes Valium in sein Abendessen zu mischen, damit er des nachts keine Alpträume hatte, die dafür sorgen könnten, dass das Haus in Flammen stand.

Es dauerte ein paar Wochen, bis Warrick eines Montags früher von der Schule nachhause kam, da er Kopfschmerzen hatte, und im Badezimmerschrank eine Pille aus der bereits offenen Packung in Meadows Regalbrett nahm, die ihren Inhalt als Kopfschmerztabletten auswies, einnahm und mit einem Glas Wasser herunter spülte.

Als Warrick wieder aufwachte, war es Donnerstag, und neben einer leichten Gehirnerschütterung und eines allgemeinen Schwächegefühls das davon kam, dass er für drei Tage bewusstlos gewesen war, wurde er außerdem mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Mutter im Augenblick vom Zaubereiministerium verhört wurde. Wie sich herausgestellt hatte, waren die Valiumtabletten für Earnest von so hoher Dosierung, dass sie a) lebensgefährlich und b) deshalb verboten waren, etwas, was an und für sich nicht schlimm gewesen wäre, wenn Meadow nicht für sich entschieden hätte, dass ein kleiner Nebenjob nicht schaden konnte. Ihre Mitschüler hatten einen geradezu beunruhigenden Gefallen an dem Medikament gefunden, sodass sich ein lukratives Geschäft daraus entwickelte, von dem vielleicht nie jemand erfahren hätte, wäre Warrick nicht an jenem Montag von Kopfschmerzen geplagt gewesen.

Meadow, so hatte Hubertus seinem Bruder später berichtet, hatte zuerst probiert, Warrick auf eigene Faust zum Aufwachen zu bringen, aber nachdem mehrere Ohrfeigen und jegliche Versuche, seinen Würgreiz auszulösen, fehlschlugen, hatte sie keine Wahl gehabt, als ihre Mutter anzurufen. Die Warrick prompt ins australische Krankenhaus für magische Verletzungen aller Art apparierte (und dann noch einmal kurz zurückapparierte, um seine zurückgelassene linke Hand zu holen). Die noch während sie auf eine Rückmeldung der Ärzte wartete von zwei Ministeriumsangestellten diskret heraus begleitet wurde. Die erst knapp eine Woche nach dem Vorfall wieder nachhause kam.
Die Geschwister hatten die Lektion nie wieder vergessen.

2. Meadow ‚Mads‘ McMahon

Warrick hätte Meadow nie so weit oben auf der Liste platziert, wenn es bessere Alternativen gegeben hätte. Die Wahrheit war, dass seine Schwester grundsätzlich eher die Verursacherin von Problemen war (siehe oben), als sie zu lösen. In der sechsten Klasse hatte Warrick sich unsterblich in ein Mädchen namens Marlene aus Meadows Freundeskreis verliebt (zumindest nahm er an, dass es zu Meadows Freundeskreis gehört hatte. Meadow hatte damals mehr Freunde gehabt, als es Seiten in ihrem Freundebuch gab, und noch dazu hatte es jede Woche eine andere Person gegeben, mit der sie nicht gesprochen hatte, was es deutlich erschwert hatte, den Überblick zu behalten). Und dann hatte er den Fehler begangen, Meadow davon zu erzählen.

Seine Schwester war, das musste man ihr lassen, nicht sofort in schallendes Gelächter ausgebrochen. Nein, sie hatte erst ein paar Sekunden lang eine Grimasse gezogen und irritierende Geräusche von sich gegeben, bis sie schließlich aufgegeben und laut losgelacht hatte. Nachdem sie sich aber endlich beruhigt hatte, hatte sie Warrick versprochen, Marlene nichts davon zu erzählen.
Meadow war in Hinsicht Geheimhaltung das genaue Gegenteil von ihrem Vater.
Den zweiten Platz auf der Liste hatte sie absolut nicht verdient, und Warrick überlegte regelmäßig, ob er sie nicht runter stufen sollte.

1.  Hubertus ‚Gus‘ McMahon


Obwohl Gus bei weitem keinen Orden für seine Problemlösefähigkeit erhalten würde, wusste Warrick doch, seinen Zwilling diesbezüglich zu schätzen, und nicht nur, weil er im direkten Vergleich mit dem Rest seiner Familie stand.
Gus war all das, was kein anderes Familienmitglied für sich in Anspruch nehmen konnte: Zumindest halbwegs analytisch denkend, in Besitz eines Whiteboards, und willig, die Probleme seiner Mitmenschen wie seine eigenen zu behandeln. Bevor Warricks Bruder sich an der Universität für das Fach Medizin eingeschrieben hatte, hatten alle insgeheim damit gerechnet, er würde Lebensberater werden.

Besonders Warricks Jugend – begonnen mit seinem und Gus‘ zwölftem Geburtstag, an dem Gus das Whiteboard geschenkt bekommen hatte (Warrick war der Meinung, dass sich die Persönlichkeit seines Bruders in einzig dem Fakt zusammenfassen ließ, dass er sich unironisch ein Whiteboard zum Geburtstag wünschte) – war geprägt vom Versagen Warricks in sämtlichen Lebenslagen und von den darauffolgenden Versuchen Gus‘, die Sache wieder geradezubiegen. Gus hatte dafür gesorgt, dass Warrick zumindest alle wichtigen Hausarbeiten rechtzeitig oder wenigstens nur bis drei Tage nach der Abgabefrist einreichte, Gus war derjenige gewesen, der Warricks Beziehungsprobleme analysiert und der Warrick dann mit hilfreichen Tipps ausgestattet hatte, und es war Gus zu verdanken, dass sie die Riesenskorpione damals alle gefunden hatten. Zwar hatte Warrick sich während all dieser Ereignisse unendlich viele sarkastische Bemerkungen und Witzeleien anhören müssen, aber letztendlich war es das wert gewesen.
Der einzige Nachteil daran, Gus um Hilfe zu bitten, bestand darin, dass Warricks Bruder ebenso wie sein Vater nicht magisch war, und Magie, egal was seine Muggelkundelehrerin ihm in seiner Schulzeit versucht hatte, einzureden, nun einmal doch die meisten Probleme löste.

***
Jetzt betrat Warrick das Haus seiner Eltern, sich die eben geschilderte Liste ins Gedächtnis rufen, und traf eine Entscheidung. Er steckte den Kopf ins Esszimmer und gab seiner Mutter gar nicht erst die Chance, ihn nach Sarahs Wohlbefinden zu fragen, indem er Tante Sallys Geschichte über den Gesundheitszustand ihrer Katzen mitten im Satz unterbrach und sagte:
„Mads, Gus? Eure Assistenz wird benötigt.“ Er war sich nicht sicher, was ihm lieber war: Meadows entzückter Gesichtsausdruck, oder Hubertus‘ panischer.
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Meadow McMahon
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BeitragThema: Re: A Christmas Carol (in fünf Akten)   Sa 11 März 2017 - 19:17

And now for Hubertus ‚Gus‘ McMahon …





4. Juli 1995

Althea Margarite McMahon (geb. Hendricks) wird parallel zum Hausdrachen Glenda im Garten des eigenen Anwesens Mutter. Um genau 22:54 Uhr gebärt sie zuerst ein gesundes Kind und zwei Minuten später, um 22:56 Uhr, einen dünnen, kränklichen Jungen, dem sein Bruder – so zumindest später die Witze – den ganzen Platz und all die Nährstoffe wegeschnappt hat und der deshalb so unterentwickelt und blass ist. Zusammen mit den Babydrachen, Drachi, Wallace und Doyle, die am selben Abend, nur wenige Minuten später, aus ihren Eiern schlüpfen, werden Warrick und Baby Boy in eine große Decke eingewickelt. Später wird Althea erzählen, dass es keinen Namen für das zweite Kind gab, weil sie sich noch nicht geeinigt hatten, ob ihnen Augustus oder Hubertus besser gefällt. In Wahrheit glaubt sie nicht daran, dass das zweite Kind die Nacht überleben wird und entscheidet sich aus pragmatischen Gründen vorerst gegen eine starke Bindung zu dem Kind. Baby Boy überlebt die Nacht entgegen aller Erwartungen und auch alle folgenden Nächte. Anstelle von ihm stirbt Wallace, der kleinste der Drachen, ein paar Tage nach seiner Geburt und wird im Anschluss daran – oder währenddessen - von Glenda gefressen. Baby Boy erhält den Namen Hubertus.


5. Oktober 1997

Hubertus macht seine ersten Schritte. Sie sind unbeholfen und tapsig und schon bald geht ihm die Puste aus. Er beginnt zu Schwanken. Mit ausgestreckten Armen läuft er auf das Sofa zu, das gefühlte Kilometer weit von ihm entfernt ist und stürzt nur ein oder zwei Meter vor dem sicheren Ziel. Er schlägt sich den Arm an und schreit. Nach einigen Momenten ohne gespendeten Trost dreht er sich um, um nachzusehen, weshalb ihm niemand zu Hilfe eilt. Er erkennt seinen Bruder Warrick. Er blutet am Kopf und wird verarztet. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Hubertus blickt auf seinen eigenen Arm, der lediglich einen blauen Fleck aufweist und hört sofort auf zu weinen.


4. Juli 2000

Warrick und Hubertus, der inzwischen von allen nur noch Gus genannt wird, - warum, das weiß er auch nicht - bekommen beide jeweils eine Wasserpistole zum Geburtstag geschenkt. Sie sind beide rot, was Althea und Jeffrey ursprünglich sehr raffiniert vorkam, weil um keine Farbe gestritten werden konnte, wenn beide Pistolen identisch waren. Der Fehler in der Logik zeigt sich bald. Eine der Pistolen verschwindet. Keines der Kinder möchte zugeben, dass es sein Spielzeug verloren hat und es entbrennt ein Kampf. Normalerweise würde es sich hierbei um einen ganz und gar ausgeglichenen Kampf handeln, da die Jungen aufgrund von Körperbau und Statur über die genau gleichen Kräfte verfügen. Diese Chancengleichheit wird allerdings durch eine entscheidende Tatsache ausgelöscht: Im Gerangel um die zweite Pistole zeigt Warrick das erste Mal Anzeichen magischer Kräfte. Er packt seinen Bruder. Seine Hand wird glühend heiß ohne ihm dabei wehzutun. Hubertus hingegen brennt sie ins Fleisch. In diesem Moment wird klar: er besitzt keine Kräfte. Er kann sich nicht wehren. Also lässt Hubertus die Pistole los. Die Wunde verheilt niemals vorständig.



7. März 2008

Rogworth ist ein Zaubererort mit nur wenigen Muggeln, die ihn behausen. Eine „örtliche High School“ gibt es demnach nicht. Der Unterricht für Muggel wie Hubertus, neben ihm gab es noch drei andere, findet in der gleichen Schule statt wie der für Hexen und Zauberer. Gemeinsam mit seiner großen Schwester Meadow und seinem ihm überlegenen Zwilling fährt Hubertus jeden Morgen in die Schule, um dann statt mit dem Zauberstab herumzuschwingen, Mathematik, Physik und Biologie vermittelt zu bekommen. Hubertus erzielt überdurchschnittliche Leistungen und erhält die Chance die Schule zwei Jahre früher zu beenden, um auf dem College Medizin studieren zu können. Lächelnd plant er das heimatliche Kaff für immer hinter sich zu lassen, während er zuerst mit seinem Ärmel dann mit einem Taschentuch versucht das Wort „SQUIB“ von seinem Spint zu entfernen.


4. August 2015

Hubertus schließt die Universität vorzeitig ab und erhält eine Stelle als Assistenzart an einem der renommiertesten Lehrkrankenhäuser Australiens. Nach nur einer Woche und drei oder vier Stunden Schlaf insgesamt, bricht er zusammen und seine Ausbildung ab ohne irgendjemandem davon zu erzählen. Den anschließenden Monat verbringt er auf der Couch und gibt sein letztes Geld für unzählige Pizza-Bestellungen aus. Als er seine letzten 10 Pfund vom Konto abhebt, bewirbt er sich spontan bei dem Pret-A-Manger-Sandwitchladen vor seiner Wohnung und wird nur vier Wochen später zum Mitarbeiter des Monats. Gus ist so glücklich wie nie.


Die Gegenwart

Hubertus‘ Onkel Clyde reicht Bilder seines Ägypten-Urlaubes herum. Sie zeigen hauptsächlich ihn an der Bar des Hotels, am Pool des Hotels oder im Restaurant des Hotels, immer das gleiche Shirt tragend, mit wechselnder Bartlänge.
Die Tür geht auf und ein aufgelöst aussehender Warrick tritt ein. Er sagt er braucht Hilfe und seine Augen suchen sofort nach Gus, so wie sie es immer taten, wenn ihnen ein besorgter Ausdruck innelag. Er musste der einzige Mensch dieser Welt sein, sein Bruder, der nicht mitbekommen hatte, dass er der überlegene Zwilling war. Meadow, Gus und Warrick verlassen das Haus und betreten die Veranda. Der Rest der Familie lauscht Clydes frei erfundener Geschichte über das Krokodil, das ihn hatte fressen wollen.


***


Sarah war… verwirrt. Sie befand sich auf der Veranda des Hauses von … sie befand sich auf einer Veranda aus Holz und es war warm und sie trug trotzdem einen dicken Pullover. Instinktiv wollte sie ihn sich ausziehen, doch eine Person, die im ersten Moment fremd aussah, hielt sie auf.
Glaub mir, wenn du den jetzt ausziehst, dann wird das einen Tobsuchtanfall meiner Mom nur begünstigen“, erklärte er ihr.
Die Worte aus dem Mund des Fremden… nein aus Warricks Mund, dem Mund ihres Freundes… nein, Exfreundes, machten keinen Sinn. Ihr war warm. Es waren sicher 40 Grad im Schatten, wieso sollte sie einen Pullover anbehal… wieso waren es 40 Grad im Schatten? Es war Dezember. Oh, Australien. Sie war in Australien. Wieso um alles in der Welt war sie in Australien?

… verstehe dich ja gut, Bruderherz, aber das ändert nichts daran, dass die Muggelzentrale an Feiertagen, schon gar nicht an Weihnachten und schon ganz und gar nicht für uns – du erinnerst dich, das Feuer letztes Jahr – geöffnet hat.

Jaaaa, aber was schlägst du denn sonst vor? Soll sie hierbleiben? Über die Feiertage?? Und so tun als wär nichts? Was sagen wir denn Mom?

Muggelzentrale“, wiederholte Sarah verwirrt, doch niemand schien sie zu hören. Viel zu tief waren sie in ihre Diskussion, der Sarah so gar nicht folgen konnte, vertieft.

… muss hierbleiben, da gibt es gar keine andere Wahl“, schnappte Sarah auf und „Hättest du nicht ein BISSCHEN damit warten können?!

Muggelzentrale… Richtig… Muggelzentrale. Als sie ankam, da… Als sie ankam, hatte sie sich registrieren müssen als… Muggel. Sie hatte etwas bekommen. Was war das gewesen? Es hatte scheußlich geschmeckt… wie verflüssigte Zahnpasta. Warum hatte sie das getrunken? Irgendwer hatte gesagt das sei notwendig für … für Muggel, die den Ort besuchen wollten. Es half ihnen dabei … hm… alles zu akzeptieren? Alles zu vergessen? Nein. Noch nicht vergessen. Vergessen war danach dran. Sarah war so verwirrt.

Was ist das hier?“, fragte sie zunächst beherrscht, dann erfüllte sie eine gewisse Beunruhigung. Dann sah sie das Stück Holz in Warricks Hand und die Beunruhigung schlug um zu Panik. Sie erinnerte sich. Er hatte es auf sie gerichtet! Gerade eben noch! Sie hatten irgendetwas gesagt… irgendetwas, das sie bestürzt hatte und dann… Licht. Dann war alles weg gewesen.

Was läuft hier?!“, rief sie. Jetzt sahen alle zu ihr. „Ihr sagt mir jetzt sofort was hier läuft oder … oder ich schreie!

Verdammt. Der wievielte ist das jetzt?“, fragte Warrick oder Gus. Vielleicht war es Gus. Oder jemand ganz anderes. Sarah war noch immer etwas neben sich. Was machte sie überhaupt in Australien? Und warum trug sie so einen dicken Pullover, wenn es doch so heiß war. „Der letzte“, antwortete die Frau… uh… Meadow! Meadow.

Obliviate“, hörte Sarah und….Licht.

Sarah war verwirrt.

Lass uns reingehen“, sagte Warrick, ihr Freund… Nein, Exfreund. Oder Gus. Vielleicht war es auch Gus. Wieso trug sie nur diesen dummen Pullover? Dafür war es doch viel zu heiß! 

@'Warrick McMahon'
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A Christmas Carol (in fünf Akten)
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