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 Verstärkung naht!

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Pablo Vasquez
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BeitragThema: Verstärkung naht!   Mo 30 Jan 2017 - 19:26

"Ladys und Gentlemen. Wir erreichen in Kürze den Heathrow Airport, London. Wir bitten sie für den Landeanflug, die Sitze in eine aufrechte Position zu bringen. Im Namen von Monarch Airlines hoffen wir, sie hatten einen angenehmen Flug und würden uns freuen sie bald wieder an Bord begrüßen zu können." Die Stimme brach ab und Pablo öffnete die Grauen Augen. Über seinem Sitz leuchtete das Lämpchen auf, welches ihn aufforderte seine halb liegende Position aufzugeben und den Sitz wieder aufrecht zu klappen. Sofort betätigte der Südländisch wirkende Russe den Mechanismus und seufzte leicht, als diese überaus komfortable Position sich wieder mit aufrechtem Sitzen ablöste. Sein Blick glitt nach draußen aus dem Fenster. Das Lichtermeer von London erhellte die Finsternis dieser Nacht, wie ein Sternengewimmel, welches mit Inbrunst versuchte, das obere zu verdrängen.

Die Kabine war taghell erleuchtet und er konnte die Reflektionen anderer Fluggäste in der Scheibe betrachten. Auf der anderen Seite der ersten Klasse saß eine englische Familie. Muggel wie er mitbekommen hatte. Ein Feister Familienvater mit geröteter Nase und seine Ehefrau, ein korpulentes schrilles Frauezimmer, mit einer blonden Lockenpracht und hängen backen. Ihre Lippen war knallrot geschminkt und kleine Schweinsäuglein schmiegten sich über die Fettpolster in die Augenhöhlen und der Russe war sich absolut im Klaren, dass sie das blaue glitzernde Kleid zwei Nummern größer hätte kaufen sollen. Ihr Mann, welcher in Beige gekleidet war, wie ein Bürohengst, bemühte sich nach Leibeskräften die beiden Bälger in Schach zu halten, deren von Mc Donalds-Essen aufgedunsene Körper wirkten wie unförmige Balons. Die kleinen fetten Quälgeister hatten den ganzen Flug über geschnattert, ebenso wie dieses fettige Exemplar von Frau, welche bereits während des Fluges aufgezählt hatte, was ihr Mann ihr so alles, von seinem erschufteten Sklavenlohn wohl kaufen sollte. Sie hatten ihm das schlafen nicht leicht gemacht und der Russe mit den harten Gesichtszügen und dem finsteren Blick hatte ein direktes Machtwort sprechen müssen, in welchem er mit seiner charmanten direkten Art den Körperlichen Zustand der Familie minutiös hervorgehoben hatte.

Zuerst hatte sich die Frau, welche auf den Namen Camille hörte noch beschweren wollen und ihren Mann angehalten etwas zu unternehmen, doch ein wütender Blick des genervten Russen hatte ausgereicht, um die beiden zum verstummen zu bringen und ihren Bälgern darauf hin ebenso konsequent den Mund zu verbieten. Der Rest des Fluges war soweit angenehm gewesen, doch jetzt wo die Landebahn mit ihren Lichtern immer näher kamen, schien sich das dicke Familienglück nicht mehr länger an seine Ermahnung gebunden zu fühlen. Pablo liebte es mit Flugzeugen zu fliegen. Was das anging, hatten die Muggel wirklich ein überaus komfortables Transportmittel erfunden und der Russe nahm dies gerne so oft es zeitlich machbar war in Anspruch. Warum mussten ausgerechnet auf diesem Flug diese aufgedunsenen Kreaturen die Atmosphäre zerstören? Pablo wartete, bis der Flieger aufsetzte und die Menge in der ersten und zweiten Klasse anfingen zu applaudieren. Er selbst stimmte nicht mit ein. Es war unnötig denn selbst die Piloten machten sich, wie er wusste darüber lustig, in dem sie die Fluggäste dann gerne mit klatschenden Robben und Seelöwen verglichen.

Als das Flugzeug schlussendlich zum Stillstand gekommen war, stand der Auror auf und legte sich wieder den braunen Pelzmantel um die Schultern, welcher seine schwarze Kleidung, die sich eng um seinen muskulösen Körper und die breite Brust schmiegte, wieder verdeckte. Die schwarzen Haare, in welche sich an manchen Stellen bereits ein wenig Grau gemischt hatte, waren zu einem dicken Knoten gebunden, welcher schnell unter der dicken russischen Fellmütze verschwand. Seine schweren Stiefel verursachten Trittgeräusche, selbst auf dem Teppichboden, der sich hier in der ersten Klasse erstreckte, als er auf den Ausgang zusteuerte. Einige Male wollten sich andere Fluggäste an ihm vorbei drängen, doch ein einziger drohender Blick genügte in sämtlichen Fällen, damit der betreffende Deliquent es sich noch einmal anders überlegte und sich lieber hinter dem Russen in der Schlange einfand. Vom Flugplatz ging es schließlich mit einem Shuttlebus bis zur Flughalle, in welcher er seinen Pass vorzeigte und sein gepäck durchleuchtet wurde. Pablo führte stets nicht viel mit sich. Der Russe besaß zwar nicht gerade wenig Geld doch er machte sich nicht sonderlich viel aus vielem unnötigem Besitz. Das Gedränge am Flughafen war dicht und als er seinen Koffer in einer Hand und erstandene Tüte Fish & Chips in der anderen durch die Lobby wandelte, hatte er schon die Befürchtung, er würde Natasche niemals finden.

Das Stimmengewirr bildete eine unablässige Kakophonie im Hintergrund untermalt von Ansagen, welche hin und wieder über die Lautsprecher kamen. Nachdem er kurz rastend sein erstes Mahl eingenommen hatte, seitdem er wieder auf englischem Boden war, suchten seine Augen akribisch die Umgebung ab. Wo war Natascha nur? Sorgsam suchte er er sich voran bis in die Eingangshalle. Es hatte ihn erstaunt, als seine ehemalige Partnerin ihn aus Russland hatte kommen lassen, nach dem Vorfall, der ihn beinahe seine Karriere gekostet hatte. Damals hatte er einen Magier verfolgt, Jonathan Chantaelee, welcher engen Kontakt mit einem russischen schwarzen Magier namens Ivanov gehabt hatte. Damals hatte er Jonathan besiegt und ihn ausgefragt, was für den Mann schlussendlich im St. Mungo endete, wo sie sowohl magische als auch körperliche Verletzungen hatten heilen müssen.

Es war die Cousine dieses Mannes gewesen. Farine Chantaelee, welche alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um Pablo seiner Lizenz zu berauben. Doch damals war er noch den russischen Behörden unterstellt gewesen. Der Fall ging durch das Amt für magische Zusammenarbeit und Pablo wurde nach Russland zurück geschickt, wo seine Vorgesetzten versprochen hatten, sich um eine Bestrafung zu kümmern. Er hatte wählen dürfen. Ein Abschied vom Dienst, oder ein Jahr Haft. Das war das mildeste, was seine Kollegen ihm hatten verschaffen, doch der Abschied war niemals in Frage gekommen. Er war Auror durch und durch und er würde Auror sein, wenn er starb. Nun hatten sich die englischen und russischen Behörden geeinigt und er war in Nataschas Dienste überstellt worden, welche sich den Posten der Leitung magischer Strafverfolgung erarbeitet hatte. Endlich fand er sie. Sie lehnte an einem der Tische eines Saftladens, welcher allerlei Direktfruchtsaftgetränke in Mischungen anbot. Die Jahre hatten sie kaum berührt, wie er fand.

Noch immer war die Halb Veela von einer gerade zu magischen zarten Schönheit, doch Pablo wusste das dieser Schein trügte, denn hinter diesem Gesicht verbarg sich ein Stahlharter Geist und Wille. Ein Grund, weswegen er Natascha so ungemein schätzte. Die Aurorin trug passende Muggeltaugliche Kleidung. Ein Bleistiftrock, in Schwarz, eine Graue Bluse und Stahlgraue Absatzschuhe. Zielstrebig steuerte der Halbblutzauberer, auf seine alte Freundin zu, welche ihn bereits entdeckt hatte. "Natascha! Es tut gut dich zu sehen." Sprach er sie in sachlichem jedoch Ton auf russisch an. Er war niemals ein Mann vieler Worte gewesen. Der Koffer wurde abgesetzt und er umarmte die ehemalige und nun neue Kollegin auf warme, allerdings nicht anzügliche Art.
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Natascha Romanova
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Mo 30 Jan 2017 - 22:46

SAMSTAG, 02.05.2015

Noch immer spielte das Wetter auf den britischen Inseln verrückt. Anfang der Woche hatte es sogar einen kleinen Hurricane gegeben, doch von all den Turbulenzen hatte Natascha nichts mitbekommen. Seit Wochen kam die Halb-Veela nicht mehr aus ihrem Büro raus, liefen die Ermittlungen gegen Zachary Jones doch auf Hochtouren. Natürlich gab es Aufgaben, die sie den britischen Auroren anvertrauen könnte, wäre da nur nicht dieses kleine Problem: ihr Misstrauen. Schon früh hatte die Aurorin am eigenen Leibe erfahren müssen, dass man etwas selbst erledigen musste, wenn man wollte, dass es gut wurde, und bis heute hielt sie sich daran, denn diese Devise hatte sich bewährt. Sie war nun Leiterin der magischen Strafverfolgung, was wohl der beste Beweis dafür war, dass ihre Methode funktionierte.
Misstrauen war jedoch schädlich, wenn man sich nicht traute, Arbeit an andere zu verteilen. Sie hatte genug Auroren unter sich, doch von den meisten hielt sie nicht viel; manche, so hatte sie den Eindruck, würden ihre Arbeit wahrscheinlich eher behindern, als dass sie ihr zum Fortschritt helfen würden. Was fehlte, war eine Person, der sie ihr eigenes Leben anvertrauen würde; eine Person, die furchtlos, unberechenbar, stark und rational war. Jemand, der verstand, was sie meinte und tickte wie sie. Und von dieser Sorte kannte sie nur eine Person.

Eben diese Person befand sich in der Monarch Airline Maschine, dessen Landung die kühle Russin durch die großen Fensterscheiben des Flughafens beobachten konnte. Selten regte sich etwas in der Halb-Veela, doch das Wiedersehen mit dem alten Freund beschleunigte ihren Puls durchaus. Zwei Jahre war es nun her, dass sie Russland verlassen hatte, um in England mit Phillipp Callista Forschungen zu einem mysteriösen Buch zu betreiben. Callista war inzwischen tot und das Buch verschwunden, und doch hatte sie dieses Land nicht verlassen können, hatte hier festgesessen, bis sie sich an die übervorsichtigen Briten und ihre eigenartige Lebensweise gewöhnt hatte. Sie hatte gute Bekanntschaften geschlossen, würde sogar so weit gehen, sie vorsichtig als Freundschaften zu betiteln. Man könnte sagen, dass sie aufgetaut war, und doch scharte sie die Menschen nicht um sich, fühlten sich die meisten in ihrer Gegenwart doch eher unwohl. Sogar hier am Flughafen merkte sie, wie die Leute sie ansahen und mieden. Sie schienen es merkwürdig zu finden, dass die schlanke Dame mit dem strengen Gesichtsausdruck bei diesem regnerisch-kalten Wetter einen Rock trug, während die Russin nicht verstand, wie man sich von dem Wetter vorschreiben lassen konnte, was man sich anzog. Sie empfand das, was Briten für kalt hielten, überhaupt nicht als kalt. Mild vielleicht, aber bis sie sich eine Hose anzog, weil sie fror, müsste die Temperatur noch um 10 weitere Celsius-Grade sinken.

In der Flugzeughalle war es ohnehin sehr warm, weshalb sie den dünnen, hellgrauen Kurzmantel über ihre verschränkte Arme hängte. Nun, da das Flugzeug gelandet war, würde das heillose Chaos ausbrechen. Natürlich könnte sie zum Gate gehen, um Pablo direkt doch aufzufangen, doch wie sie ihn kannte, hatte er gewiss Hunger und würde erst einmal essen wollen. Sie ahnte, wo sie ihn finden würde, ließ sich auf dem Weg dorthin jedoch Zeit, damit er in Ruhe verdauen konnte. Während des Essens würden die ehemaligen Ermittlungspartner ohnehin nicht viel reden. Worte waren damals generell eher wenige zwischen den beiden gefallen, es sei denn, die Arbeit hatte dies verlangt, doch bei der Wellenlänge, auf welcher sich sowohl Natascha als auch Pablo befunden hatten, war es selbst nicht einmal beruflich nötig gewesen, sich verbal auszudrücken. Einige hatten es im russischen Ministerium gruselig gefunden, dass die beiden so gut miteinander arbeiten konnten, konnte es doch kein anderer lange genug mit nur einem von ihnen aushalten, doch andererseits hatte es viele der ehemaligen Kollegen auch irgendwann nicht mehr gewundert. Beide sprachen nicht viel, hatten keine Freunde und wandten unkonventionelle Methoden an. "Da haben sich zwei gefunden", hatte Jurij damals hinter Nataschas Rücken gemurmelt. Und sie hatte es so stehen gelassen, denn das Urteil anderer tangierte sie nicht im geringsten. Damals wie heute.

Ruhig wanderten die dunklen Augen durch die Flughafenhalle, während sie an einem Saftstand lehnte. Sie überlegte, ob sie sich nicht einen Saft kaufen sollte, ließ es dann jedoch lieber. Die Russin schlief ohnehin schon so schlecht, Jones sei dank, da sollte sie auf Zucker zu so später Stunde verzichten. Der musternde Blick veränderte sich, als eine übergewichtige Familie an ihr vorbeiwatschelte, allesamt mit Tüten von McDonalds unter dem Arm, während sie angezogen waren, als wollten sie noch ins Theater. Paradox, ja, fast schon pervers war diese Kombination. Und dass die Kinder auch noch so rumbrüllen mussten... Angestrengt wandte die Russin den Blick ab, und eben jener veränderte sich, wurde für ihre Verhältnisse fast schon sanft, als sie einen schweren Pelzmantel mit passender Fellmütze sah. Da war er. Ihr Retter in der Not.
Sie kam ihm entgegen und öffnete ihre Arme, und tatsächlich schlich sich auf ihre Lippen ein Lächeln, wenn auch ein müdes, schwaches, da viel mehr nach den letzten Wochen einfach nicht möglich war, auch wenn sie sich aufrichtig freute, ihren ehemaligen Arbeitskollegen zu sehen.
"Pablo", seufzte sie leise, als sich seine Arme um ihre schlanke Figur windeten und sie die Umarmung herzlich erwiderte. Sie musste sich dafür auf Zehenspitzen stellen, um dem Größenunterschied von fast 50 Zentimetern auszugleichen. "Ich bin so froh, dass du hier bist." Endlich jemand da, der zu gebrauchen ist... "Wie war dein Flug? Und sag doch, wie geht es dir?" Auch sie sprach russisch, und es fühlte sich ein Stück an wie früher, als wären die Arbeitskollegen nie voneinander getrennt gewesen. Pablo Vasquez mochte auf einige rau und unsympathisch wirken, doch in Nataschas Augen war er einer der wenigen, die ihren Respekt verdienten.
Als die Umarmung gelöst wurde, atmete die Hexe tief aus, während ihr Blick prüfend über die Erscheinung des hochgewachsenen Mannes wanderte. Er sah gut aus, doch das hatte er auch damals schon getan. Es würde sich vor Susan Forbes in Acht nehmen müssen, welche sich herzlich gerne an die Männer in der Aurorenzentrale schmiss, vor allem, wenn diese besonders attraktiv waren. "Herzlich Willkommen in England." Sie selbst hatte früher nicht viel vom westlichen Teil Europas gehalten, hatte viele Vorurteile gehabt, von denen sich viele bestätigt hatten. Nun würde sie beobachten können, wie es Pablo in der neuen Situation gehen würde, doch sie wollte seinen Eingewöhnung so angenehm wie möglich gestalten. Sie hatte schon Pläne für die Wohnungssuche und würde ihn am Montag im Ministerium bei den Auroren vorstellen. Sein Büro war ebenfalls schon hergerichtet und musste nur noch an seinen Geschmack angepasst werden. Bis er jedoch noch kein Dach über dem Kopf hatte, würde sie ihm ihr Bett überlassen, während sie auf der Couch schlafen würde, sofern er dies denn zuließ.
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Di 31 Jan 2017 - 0:01

Der warme Moment zwischen Beiden währte nur kurz, bevor Pablo seine Kollegin wieder losließ. Mit einem Mal war die Vergangenheit wieder lebhaft vor seinen Augen. Wie sehr sie zu zweit in der magischen russischen Unterwelt aufgeräumt hatten. Stets hatten beide die größten Probleme mit ihren Partnern gehabt. In Pablos Fall war es sogar schon zu Handgreiflichkeiten gekommen. Yuri dieser Vollidiot, welcher vor dem Leiter der Abteilung Bratislav beständig gekrochen war und Pablos Leistungen hatte runter spielen, oder als die eigenen verkaufen wollen. Er hatte diesem Kriecher mit nur einem Schlag die Nase gebrochen.

Es war nie die Tatsache gewesen, dass er auf Ruhm und Anerkennung aus war, nein im Gegenteil. Er verrichtete seine Arbeit auf seine Art und Weise und dies war das einzige was ihm wichtig war. Keine Profilierung, keine Aufschneiderei. Deswegen war er einer der erfolgreichsten Auroren in der Abteilung gewesen, mit einer der höchsten Verhaftungsquoten, neben Natascha. Doch wenn er etwas mehr hasste, als Verbrecher, dann waren es Verräter und Yuri war nur zu bereit ihn zu verraten um seinen eigenen Ruhm zu mehren. Diese Widerwärtigkeit hatte ihn die Unversehrtheit des Nasenbeines gekostet, woraufhin Bratislav die Geduld verloren und Pablo mit Natascha zusammen in ein Team gesetzt hatte.

Die schöne Russin war neben Bratislav die einzige gewesen, welche mit ihm umzugehen wusste. Ja, sie verstand sogar seine Methoden, welche sich in den Augen vieler nicht sehr von denen der Verbrecher unterschieden, die er so sehr verachtete. Doch Pablo hatte zu oft miterlebt, wie Gnade und Gesetze zu Fesseln wurden, durch welche der Unrat den Auroren stets einen Schritt voraus zu sein schienen. Bratislav hatte dies ebenso gewusst und die beiden unkonventionellen Auroren gewähren lassen, ja sie sogar gedeckt. Als er wieder von ihr abließ, glitt sein Blick reglos, mit hartem Ausdruck über ihr Gesicht. Sie sah müde aus, ausgelaugt und mitgenommen. Was immer sie veranlasst hatte, ihn aus Russland kommen zu lassen, schien ihr langsam über den Kopf zu wachsen. Er hatte sie lange nicht mehr so gesehen. Sie wirkte regelrecht verletzlich, wenn man sie kannte und er kannte sie gut.

Sein eigenes Gesicht hatte noch an Kanten und Härte dazugewonnen. Falten hatten sich dorthin gegraben, wo vorher noch keine gewesen waren. Erst vor einem Jahr war er aus Zaly Krikov entlassen worden, einem Gefängnis von nahezu berüchtigter Reputation. Die Zeit dort war mehr als hart gewesen. Wenn man bedachte, das mehrere der Insassen ihm ihre Haft dort erst verdankten, musste das schon einiges heißen. Zaly Krikov hieß übersetzt Hallen der Schreie und diesen Namen trug dieses finstere Gefängnis zurecht. Dennoch hatte er das Jahr dort überlebt, es hatte ihn stärker gemacht, aber auch seinen Tribut gefordert, welcher sich in seinem Gesicht, Haaren und Bart abzeichnete. Er nickte lediglich, als sie ihn in England willkommen hieß und strich prüfend über ihre Wange.

Auch dies war keine annähernde Geste. Viel mehr eine Versicherung. "Du siehst müde aus Natascha." Bemerkte er knapp und zog seine Hand wieder fort. "Ich habe mich für dich gefreut als ich hörte, wo du heute stehst. Aber jetzt wo ich dich sehe, mache ich mir sorgen. Was macht dir zu schaffen?" Viele Worte für seine Verhältnisse. ~Wer auch immer dir so zusetzt, kann sich warm anziehen.~ Dachte er im stillen und legte den schweren Mantel ab. Er hatte ihn lediglich umgelegt, um ihn nicht tragen zu müssen, doch nach langem Aufenthalt in Sibirien, war das englische Klima ja fast schon tropisch. Er zog sich die Mütze vom Kopf und legte alles auf seinen Koffer.

"Der Flug war gut." Rekapitulierte er. "Ich musste einige fette Engländer zum schweigen bringen, um schlafen zu können. Aber dann war er gut." Mehr würde er auch nicht dazu sagen. "...Und mir geht es gut." Der kurze Statusbericht würde wohl auch nicht mehr erweitert werden. Pablo war nie ein Mann gewesen, der sich groß beschwerte. "Lass uns gehen. Flugzeuge sind angenehm, Flughäfen nicht." Stellte er nüchtern fest und klemmte sich Mantel und Mütze unter den breiten Arm, während er wieder den Koffer hochnahm und sich zusammen mit Natascha in Bewegung setzte.

Wie gewöhnlich wanderte sein Blick wachsam nach Rechts und links, beständig auf der Suche nach möglichen Gefahren. Er war ein Krieger, ein Soldat und das war er rund um die Uhr. Sein Zauberstab rutschte wie gewöhnlich unter seinem Hemdsärmel in seine Hand, während seine Augen umher huschten. Dort gab es einen kleinen Taschendiebstahl, an einer anderen Stelle, bezahlte ein Mann gerade bei einem Bäcker seine Ware, wäre er verstohlen eine weitere von der Theke zog. Er hatte einen Blick dafür, er sah die Schattenseiten des Lebens. Viele hatten ihm vorgeworfen niemals abschalten zu können, aber irgendjemand musste ja wachsam sein, wenn andere es nicht sein wollten. Dennoch waren dies Muggelverbrechen. Nichts was sein Einschreiten verlangen würde, lediglich kleine ekelhafte Diebe, welche ohnehin einen großen Umweg um ihn machen würden.

Dennoch hob er unmerklich seinen Arm und die Hand des Taschendiebes versteifte, als dieser gerade in einem günstigen Moment nach der Börse des anderen Muggels griff, was sofort einen kleinen Tumult auslöste und nur kurze Zeit später, waren auch schon die Muggel-Ordnungshüter zur Stelle. Pablo hatte die Flughafenhalle allerdings schon verlassen. Angenehme Nachtluft umfing die beiden Auroren und ein leichter Regen flog vom Wind fast Waagerecht getragen umher und wechselte immer wieder die Richtung. Gemeinsam steuerten sie auf eine Seitengasse zu, in welcher sie vor den Blicken der Muggel geschützt waren. Die Lichter der Stadt verschwanden, als sie um das Gemäuer bogen und auch der Straßenlärm nahm ein wenig ab, während dahinrasende Autos Fontänen seitlich hochspritzen ließen. Ohne zu zögern ergriff der Auror ihre Hand und zusammen apparierten sie fort vom Heathrow Airport in die nächtliche Winkelgasse.
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Natascha Romanova
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Di 31 Jan 2017 - 12:02

Selbst, wenn sie es wirklich verzweifelt versucht hätte, hätte sie es wohl nicht geschafft, ihm etwas vorzumachen. Die kühle Russin konnte Lügen, dass sich die Balken bogen, konnte einem in 2 Minuten den Eindruck vermitteln, sie hätte 10 unterschiedliche Persönlichkeiten, doch einen wahren Freund konnte sie nicht täuschen. Pablo hatte sie zwar ein paar Jahre nicht gesehen, doch er schien noch immer zu wissen, woran man erkannte, dass es der Halb-Veela schlecht ging. Er wusste die Zeichen sofort zu deuten. Ein wenig erschöpft schlug sie die Augen nieder, während sie den Kopf leicht gegen die Hand an ihre Wange lehnte. Erleichterung empfand sie in diesem Moment, aber auch ein wenig Scham. Den ersten Eindruck nach der langen Trennung hatte sie sich anders erhofft. Sie hätte ihn lieber in altem Glanz begrüßt, doch sie hatte zu viel Kummer, als dass sie nun noch glänzen könnte. Und eben deshalb, weil sie diesen Kummer nun endlich einmal ausdrücken könnte, ohne dass man sie verurteilte, war sie ein wenig erleichtert. Sie musste ihm eben nichts vormachen, aber das hatten wir ja schon.

Manch einer könnte diese Geste falsch interpretieren, doch wenn man genau hinsah und Nataschas Reaktionen auf die zarte Berührung beobachtete, würde erkennen, dass dies keine Annäherung mit sexueller Intention war. Viel eher erinnerte dieses Bild an einen großen Bruder, der seiner kleinen Schwester eine Träne aus dem Gesicht wischte, weil diese an einem aufgeschlagenen Knie oder an Liebeskummer litt. Und doch waren die Sorgen der Aurorin so viel bedeutender.
"Ich werde dir nachher alles in Ruhe erzählen. Es hat mit dem Fall zu tun, an dem ich gerade arbeite...", murmelte sie leise, noch immer auf russisch, nachdem sie die Augen wieder geöffnet hatte, um in das harte Gesicht des attraktiven Russen mit südländischen Wurzeln zu blicken. Generell gab es viel zu berichten, auf beiden Seiten. Natascha wusste von seiner Zeit in Zaly Krikov, würde ihn deshalb jedoch weder verurteilen noch mit Fragen  belästigen. Wenn er das Bedürfnis hatte, darüber zu reden, würde sie ihm aufmerksam zuhören, wenn er sich jedoch dazu entschied, die Sache ruhen zu lassen, würde sie dies auch akzeptieren. Es gab Dinge, die man nicht über seine Freunde wissen musste, da man davon ausging, es sowieso besser zu wissen, und wenn es um die Verurteilung Pablos ging, war sich die temperamentvolle Russin sicher, dass jedes Urteil ungerechtfertigt war. Viele verstanden seine Art zu Handeln nicht, obwohl es der Statistik nach die effektivste Methode war. Wenn man etwas nicht verstand, es aber dennoch wirksam war, wieso musste man es also hinterfragen und verurteilen?

Die Russin musste sofort an die fetten, lauten Engländer denken, als Pablo von seinem Flug erzählte. Sie freute sich jedenfalls für ihn, dass er es geschafft hatte, sie zum Schweigen zu bringen. Er hatte eben eine besondere Aura, die auf viele einschüchternd wirkte, ob er dies beabsichtigte oder nicht.
"Ja, lass uns gehen", murmelte sie dann leise, als ihr Freund den Wunsch äußerte, den Flughafen zu verlassen, worauf sie sich in Bewegung setzten. Der Fall, an dem sie arbeitete, und der daraus resultierende Schlafmangel ließen ihr Blickfeld enger werden, sodass sie banale Kleinverbrecher wie den Taschendieb am Flughafen automatisch ausblendete. Es wäre ihr unter anderen Umständen wohl auch aufgefallen, doch sie hatte andere Sorgen. Die Arbeit der Muggelpolizei war nicht ihr Metier, und doch hätte sie vielleicht ähnlich wie Pablo gehandelt, wenn es ihr denn aufgefallen wäre. Aber es war ihr eben nicht aufgefallen, bis es hinter ihr laut wurde. Sie drehte den Kopf nach hinten, sah noch, wie sich die Polizisten auf einen Mann stürzten, doch da hatten sie den Flughafen auch schon verlassen.  

Der Regen fiel in der eng bebauten Winkelgasse nicht ganz so stürmisch um die Ohren der Russen. Hier war es deutlich windstiller, was es einfacher machte, Schritte in der Nacht zu hören. Ein neuerer Ladenbesitzer ging eine Zigarette rauchend hinter den Auroren entlang, grüßte mit rauer Stimme, ohne jedoch anzuhalten. Natascha kannte den Mann, wusste, dass er ein Geschäft für Quidditchausrüstung eröffnen würde, doch da sie selbst nicht viel mit dem Sport zu tun hatte, interessierte es sie auch nicht sonderlich. Der Ladenbesitzer, Caspar King hieß er, wirkte verwegen, fast ein wenig rau und wirklich viel sprach er auch nicht, aber von ihm ging keine Gefahr aus. Er sah deutlich böser aus als er tatsächlich war. Woher Natascha dies wusste? Nun, sie hatte ihn beobachten lassen, schließlich kam es ihr doch merkwürdig vor, dass jemand kurz nach ihrem Erfolg um Zachary Jones in ihre Nähe zog. Es mochte paranoid klingen, aber nach so vielen Drohungen, wie sie in letzter Zeit erhalten hatte, war eine Reaktion wie diese nur selbstverständlich.

Sie hatte die bösen Jungs verärgert, das hatte sie verstanden, und doch würde sie mit ihren Ermittlungen nicht aufhören. Sie dachte nicht einmal daran, jetzt schon aufzuhören. Wieso sollte sie auch? Weil man versuchte, ihr ein bisschen Angst zu machen? Bisher waren die Drohungen eher leere Versprechungen gewesen, als würde man sich nicht trauen, ihr wirklich etwas zu tun. Also nahm sie diese Worte auch nicht ernst, sondern verbrannte die Briefe in ihrem Kamin, um dem Papier bei einem Schluck Wodka dabei zuzusehen, wie es in Flammen aufging.
Mit niemandem hatte sie bisher darüber gesprochen. Weder mit Farine noch mit Elliott, welche bisher wohl ihre einzigen Bezugspersonen auf den britischen Inseln waren. Letzteren hatte Natascha noch kurz zum Abendessen getroffen, bevor sie Pablo abgeholt hatte, um ihn auf den neuesten Stand zu bringen. Gut hatte es getan, ihm von dem Arbeitskollegen zu erzählen, der ihr nun bei der Arbeit unter die Arme greifen würde, doch über die Arbeit selbst hatte die Halb-Veela lieber nicht gesprochen. Sie hatte die Verabredung lieber für andere Gespräche nutzen wollen - sie sahen sich ohnehin viel zu selten, daher sollte die Zeit, die sie hatten, nicht für so belastende Themen verwendet werden. Wenn Pablo und Elliott Zeit fanden, würde sie die Herren einander vorstellen. Sie konnte nicht einschätzen, wie sie einander wohl finden würden, sie hoffte jedoch, dass sie sich gut verstehen würden. Es wäre ihr sehr wichtig, schließlich waren sie die wichtigsten Männer in ihrem Leben.

"Hier wohne ich", meinte die Russin bescheiden, als der Ladenbesitzer ruhig an den beiden vorbeigezogen war. Sie standen vor dem Geschäft von Ollivander, dem in die Jahre gekommenen Zauberstabhersteller, dessen Kunden sich nach und nach lieber für Smethwyk's zauberhafte Zauberstäbe entschieden. Über dem alten Laden befand sich eine Wohnung, und in eben dieser Wohnung war die Russin zuhause. Eine schmale Tür am Ende eines fünfstufigen Treppenaufstiegs, ein paar Meter vom Ladeneingang entfernt, bildete den Eingang um Treppenhaus, das nach oben führte. "Ich habe schon ein paar Wohnungen gefunden, die dir gefallen könnten. Morgen hast du deinen ersten Besichtigungstermin." Sie hatte sich um alles gekümmert. Alles, damit er sich hier wohl fühlte. Langsam ging sie die Treppen hinauf, um den Schlüssel ins Schlüsselloch zu stecken, doch sie hielt inne, als sie aus dem Augenwinkel bemerkte, dass etwas aus ihrem Briefkasten floss. Eine dunkle Flüssigkeit tropfte durch die ritzen des angerosteten Briefkastens und hatte auf dem Boden vor der Wand, an der er befestigt war, schon eine kleine Lache gebildet.
Alarmiert sah sie kurz zu Pablo, worauf sie den Zauberstab zog und auf den Briefkasten richtete. Leise kreischten die alten Scharniere beim Öffnen der Klappe, und kaum war der Spalt groß genug, rollte etwas undefinierbares aus eben diesem, um mit einem dumpfen Geräusch in der Lache zu landen. Mithilfe des Lumos-Zaubers erleuchtete Natascha die kleine Pfütze, und als sie erkannte, was hier vor ihrer Haustier lag, musste sie doch schwer schlucken. Die dunkle Flüssigkeit war Blut, und aus ihrem Briefkasten war ein abgeschlagener Hasenkopf gerollt. Er schien noch nicht sonderlich alt zu sein, denn er roch noch nicht, und auch das Blut war sehr frisch, nur an einigen Stellen geronnen.

Manch einer wäre nun in Panik ausgebrochen, ein anderer hätte die Auroren gerufen, doch Natascha  war die Aufmerksamkeit um ihre Person ohnehin schon ziemlich Leid. Sie konnte nicht noch mehr davon gebrauchen. Natürlich beunruhigte es sie, dass man nun auch noch ihre Sachen beschädigte, aber sie würde sich deshalb nicht bücken.
"Ich denke, das beantwortet deine Frage von vorhin ganz gut", kam es unbeeindruckt von ihr, "Ich habe da einen Mann festgenommen, dessen Freunde ganz und gar nicht davon begeistert sind. Dies ist ihre Art, mir das zu zeigen." Mit einem anderen Zauber ließ sie den Hasenkopf in die nächste Mülltonne levitieren, während der Alltagszauber Ratzeputz das Blut verschwinden ließ. Sie konnte das Chaos so nicht zurücklassen, schließlich wollte sie nicht in der Hexenwoche darüber lesen. Nicht, dass sie so eine Zeitung je lesen würde. "Wir sollten uns ein Hotel suchen." Knapp waren ihre Worte, auch wenn viele offene Fragen nun durch die Luft schwebten. "Das Savoy dürfte noch ein paar freie Zimmer haben. " Es war nicht billig, aber für eine Nacht würde es wohl gehen. Zu Elliott sollte sie nun nicht, um ihn nicht zu gefährden, und sie wusste nicht, wo sie sonst hingehen könnten. Hier zu bleiben wäre jedenfalls zu gefährlich, auch wenn ihr an Pablos Seite wohl niemand etwas anhaben könnte.  


Zuletzt von Natascha Romanova am Di 31 Jan 2017 - 18:53 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Di 31 Jan 2017 - 15:01

Pablo sprach kein Wort, während sie die nächtliche Winkelgasse durchquerten. Nicht verwunderlich, denn der Auror sprach ohnehin nur, wenn er musste. Geschwätzige Menschen waren ihm schon immer zuwider gewesen. Noch ein Punkt, den er an Natascha so schätzen gelernt hatte. Auch sie vermied es überflüssige Worte zu verlieren. Damals in ihrem gemeinsamen Büro, hatte es mehr als nur einige Tage gegeben, in denen sie zusammen saßen und nicht ein einziges Wort fiel in der Zwischenzeit, bis man in den Außeneinsatz ging, oder einen Rapport erstattete. Dennoch war die Stille niemals unangenehm gewesen. Sein Blick glitt auch hier wachsam von einem Gebäude zum nächsten und sondierte erst recht die dunklen Seitengassen. Man konnte niemals wissen, was sich in den Schatten verbarg, doch was immer dort war, sollte sich nun hüten, denn er würde diese Kreaturen durch die Schatten jagen. Die dunklen würden schon bald selbst Angst vor der Dunkelheit haben, bevor sie unter ihm und Natascha fielen.

Es war ihm nicht entgangen, wie sehr ihre Wachsamkeit gelitten hatte. Früher hatten sie sich lediglich zunicken müssen, in dem Wissen, der andere hatte bereits entdeckt, worauf aufmerksam gemacht werden sollte. Doch sowohl am Flughafen, als auch hier, wandelte die Hexe mit einer Erschöpfung daher, welche sich nur in kaum wahrnehmbaren Nuancen in ihrem Gang widerspiegelte, aber umso mehr in ihrer Aufmerksamkeit. Als sie an dem neuen Ladenbesitzer vorbei liefen, erwiderte Pablo die Begrüßung nicht. Er war kein Freund solcher Plattitüden. Er grüßte, wen er mochte, was bedeutete, dass er kaum irgendjemanden grüßte. Sein Blick war durchdringend und drohend. Eine Ermahnung, das man ihn im Auge hatte, sowie eine unausgesprochene Herausforderung, es nur zu versuchen. Auch dieser Mann verfügte über ein eher härteres Äußeres. Die Augen waren wachsam und ein klarer Verstand glitzerte dahinter. Das verwegene Äußere des Ladenbesitzers, drückte in jeder Faser Selbstbewusstsein aus, doch unter Pablos Blick, schien dieses Selbstbewusstsein zu bröckeln. Mit einem Male, wirkte der Mann viel mehr wie ein Tier in wachsamer Position, bereit bei Gefahr das Weite zu suchen. Gut so. Er konnte kein schlechtes Gewissen im Gesicht dieses Mannes ausmachen, aber das bedeutete nichts. In seinen Augen, seiner schwarz-weißen Welt, mit zugegeben mehr Schwarz, war prinzipiell erst einmal jeder schuldig, bis dessen Unschuld bewiesen war.

Eine zynische Weltanschauung? Vielleicht, aber sie hatte dem Auror mehr als nur einmal das Leben gerettet, ebenso wie Natascha, welche diese Ansicht zumindest früher geteilt hatte. Der Russe war sich nicht sicher, inwiefern die Jahre in diesem Land die Aurorin verändert hatten, aber das würde er noch herausfinden. Er hoffte nicht zu stark. Es passte nicht zu Natascha weich zu werden. Aber solche Gedanken wollte er sich jetzt lieber nicht machen. Er würde es ohnehin bald mitbekommen. Natascha führte sie beide zu einem Gebäude, an welchem ein Schild befestigt war und dieses als den Laden eines Zauberstab-Herstellers auswies. Unwillkürlich musste Pablo an Stanislav Bratovich denken, den Zauberstabhersteller, welcher verbissen versucht hatte, den perfekten Stab für die dunklen Künste zu kreieren. Er hatte mit Dementorenknochen und Acrumantulafängen experimentiert. Er hatte regelrechte kleine Leichenberge unter Trauerweiden vergraben, damit diese die Essenz des Todes in sich aufnahmen und das Holz damit erfüllten.

Es war ein gefährlicher Auftrag gewesen, denn Stanislav war niemand der aus irgendwelchen Weltlichen Motiven handelte, nein, er hatte zu der Gefährlichsten Sorte gehört, denen mit Vision, für welche sie alles tun würden. Doch Pablo verdrängte den Gedanken an den toten Magier und richtete seine Aufmerksamkeit wieder in das Hier und Jetzt. Natascha öffnete die Tür zu dem Hausflur, welcher nach oben in die Wohnung über dem Laden führte. Wie gewöhnlich, huschte sein Blick in jeden Winkel, jede Ecke, versuchte abzuwägen, ob Gefahr drohte. Er nickte lediglich, als sie ihm mitteilte Wohnungsbesichtigungen organisiert zu haben, doch darauf konnte er sich gerade nicht konzentrieren. Er roch es, bevor er es sah. Den leicht metallischen, süßlichen Geruch, der so bezeichnend war. Natascha hatte es ebenso bemerkt.

Pablos Koffer, Mantel und Mütze fielen achtlos auf den Boden, während er den Zauberstab zückte. Auch Natascha hatte den ihren erhoben und ließ ihren Briefkasten, aus welchem das Blut tropfte aufschwingen. Ein matschiges Geräusch ertönte, als das Stück Fleisch und Knochen, welches Nataschas Licht als Hasenkopf identifizieren sollte, in die kleine Blutpfütze fiel. Verwesungsgeruch war keiner zu riechen und die Pfütze war überaus frisch. Gerade erst passiert. Er knurrte bedrohlich während Natascha die Verunreinigung beseitigte. "Von diesem Mann musst du mir erzählen. Wenn seine Leute dir so drohen, werde ich sie mit dir einen nach dem anderen an ihren mageren Hälsen an den Mauern von Azkaban aufhängen." Konstantierte er auf russisch mit einem kampfbereiten Leuchten in den Augen. Als sie vorschlug sich ein Hotel zu suchen, verspürte er einen kleinen Stich. Hatte sie Angst, oder war das Vorsicht? Er studierte sie offen und akribisch und nickte schließlich. Vorsicht, keine Angst. Sehr gut.

"Soll mir recht sein." Erwiderte er lediglich. Er hatte keine Befürchtung jetzt angegriffen zu werden. Drohungen dieser Art wurden selten von direkten sofortigen Angriffen untermauert. Am liebsten hätte er ja geschmunzelt. Er konnte sich das Gesicht des Mannes vorstellen, wie er selbstzufrieden den Kopf dieses kleinen Wesens in dem Briefkasten deponierte und sich selbstzufrieden auf die Schulter klopfte, in der eigenen Gewissheit damit nun für haltlose Panik in der Russin zu sorgen. Stümper! "Dann gehen wir in dieses Savoy." Keine Sorge regte sich in seiner Stimme. Er würde gerade wenn Natascha in dieser Verfassung war Zuversicht ausstrahlen. So hatten sie sich auch früher immer wieder gegenseitig gestützt.

Das Hotel war für die beiden Auroren sprichtwörtlich nur einen Katzensprung entfernt und Pablo hatte darauf bestanden, seinen Teil zu den Kosten beizutragen. Geld hatte er genug dafür. Immerhin lebte er spartanisch und verdiente genug, da sammelte sich einiges an. Als sie auf ihrem Zimmer angekommen waren, ließ Pablo Mantel und Mütze achtlos in der Mitte des Raumes fallen und knöpfte sein Hemd auf. Seelenruhig zog er das feuchte Kleidungsstück aus und öffnete seinen Gürtel. Neue Narben zogen sich kreuz und quer über seine starke Brust und unterbrachen die Krause Behaarung, wo sie entlang liefen. Besonders eine stach hervor, welche aussah, als wäre sein Brustkorb regelrecht aufgeschlitzt gewesen und nicht mit magischen Mitteln geheilt worden. "Ich gehe duschen." Teilte er Natascha mit, als er aus seiner Hose stieg. "...und danach könnte ich noch etwas essen. Lassen wir uns etwas kommen?" Nackt wie Gott ihn schuf wanderte er an Natascha vorbei, klaubte sich ein Handtuch aus dem Schrank und nur kurz darauf, fiel die Tür der des Bades ins Schloss.
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Natascha Romanova
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Di 31 Jan 2017 - 18:49

Das Gepäck des neuen stellvertretenden Leiters der magischen Strafverfolgung fiel polternd zu Boden, und aus dem Augenwinkel erkannte Natascha die für ihn so natürliche Reaktion, den Zauberstab zu zücken. Schnell wie ein Pfeil hatte er die Puzzleteile erkannt und zusammengesetzt, hatte die Gefahr gerochen, bevor sie erkennbar war, und genau das machte Pablo Vasquez zu einem derart begnadeten Auroren. Natascha war normalerweise auch so, doch die Jahre in England hatten sie gezeichnet. In einer leitenden Position zu sein öffnete die Fesseln nicht und ließ einem nicht mehr Spielraum als zuvor; im Gegenteil, die Fesseln wurden sogar enger geschnürt und jeder schien sie anzuzweifeln, egal, wie ihre Entscheidungen denn lauteten. Für viele Handlungen hatte sie nicht einmal die richterliche Erlaubnis bekommen, und da sie schon genug Feinde auf der Seite der Bösen hatte und nicht noch welche auf der guten Seite brauchte, tat sie etwas für sie ziemlich untypisches. Sie akzeptierte die Missstände und suchte nach Umwegen. Diese Umwege waren ineffizient in ihren Augen, aber ihr waren die Hände gebunden. Hielt sie sich nicht an die Regeln, käme sie in Teufels Küche. Sie wäre ihren Job und den Respekt aller Kollegen los. Wenigstens einen guten Ruf gab es nicht zu verlieren, schließlich galt sie hierzulande auch schon als brutal, impulsiv und selbstgerecht. Der Presse sei dank. Dies war aber auch wieder etwas, das sie aus Russland vermisste - die Tatsache, dass die magische Strafverfolgung bestimmen durfte, was an die Öffentlichkeit geriet. Manche würden es als Zensur kritisieren, doch es wäre in Nataschas Situation einfach nur hilfreich, wenn nicht jeder so viel über ihre Ermittlungen wüsste und sich über ihre Methoden das Maul zerreißen könnte.

Sie hörte das animalische Knurren ihres Freundes und schenkte ihm einen ruhigen Blick. Es brachte nichts, sich darüber aufzuregen. Natürlich war die Sache nicht gerade sehr beruhigend, aber es würde auch nichts bringen, sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Genau das erwartete man doch von ihr, dass sie Angst zeigte und sich verkroch. Aber da konnten Zachs Leute lange warten. Sie würde die Ermittlungen zuende führen und dieses Netzwerk sprengen - und wenn es das letzte war, was sie tat. Sie brachte sich damit in Gefahr, doch das war es nicht, was sie an dieser Sache störte, denn ihr eigenes Wohl war ihr nicht so wichtig wie jenes derer, die ihr etwas bedeuteten. Farine dürfte in Hogwarts sicher sein, schließlich umschlich sie ständig der eigenartige Professor für alte Runen, dieser Isländer, dessen Name Natascha verdrängt hatte. Elliott hingegen war ein gefundenes Fressen für die, die Natascha etwas anhaben wollten. Sie und ihr Verflossener waren zwar noch immer nicht dort angekommen, wo sie vor über einem Jahrzehnt aufgehört hatten, und der Beruf der Halb-Veela ließ es auch einfach nicht zu, dass man sich näher kam, aber er war ihr dennoch verdammt wichtig. Es tat ihr Leid, ihn so oft vertrösten zu müssen und sich ihm nicht voll und ganz anzuvertrauen. Nun müsste sie sich auch noch dafür entschuldigen, dass ihre Wohnung bald ohne jede Erklärung leerstehen und er sie einige Tage nicht zu Gesicht bekommen würde, bis sie einen Weg gefunden hatte, ihn zu treffen, ohne dass sie dadurch ihre Feinde zu ihm führen würde. Dass er das alles überhaupt mitmachte, war eine Zumutung, das wusste die kühle Russin, aber sie wollte beides - Berufs- und Privatleben - unter einen Hut kriegen. Es würde schwierig werden, war aber gewiss nicht unmöglich.

Die dunklen Augen wurden etwas schmaler, als Pablo ihr servierte, wie er mit ihren Bedrohern umgehen würde. Das klang wirklich ganz nach ihrem alten Freund, dem Jäger, mit dem sie die dunkle Untergrundszene Russlands aufgeräumt hatte. Er hatte sich kaum verändert. Es war schon verrückt, wie selbstverständlich es für beide genau dort weiter ging, wo sie aufgehört hatten. Anders als bei Elliott, aber die Konstellation war hier auch deutlich unkomplizierter.
"Das ist das romantischste, was je ein Mann zu mir gesagt hat", feixte die Russin mit einem frechen Glanz in den Augen, was eindeutig ein Scherz war, schließlich war an der Aussage des südländischen Typs nichts romantisch, schon gar nicht in dieser Situation. Es war lediglich ein Versuch Nataschas, eben diese Situation mit einem Witz runterzuspielen, sie ins Lächerliche zu ziehen, denn letztendlich war sie nur das: lächerlich und billig. Wenn man sie einschüchtern wollte, musste man schon etwas anderes versuchen.

Sich eine andere Bleibe für die Nacht zu suchen war nur eine Vorsichtsmaßnahme, schließlich hatte Natascha nun wirklich keine Lust, ihren Freund in Gefahr zu bringen. Nicht, dass er sich nicht selbst verteidigen könnte, aber sie wollte ihm ihre Probleme nicht zumuten. Er hatte schon jetzt mehr gesehen als an diesem Abend hätte offenbart werden sollen. Sie vermutete auch, dass man in ihrer Wohnung gewesen war, und da sie nun wirklich nicht die Nerven dafür hatte, ihr Hab und Gut im totalen Chaos vorzufinden, schlug sie vor, in ein Hotel zu gehen. Und bei der Wahl des Hotels wurde deutlich, dass die Zeit ihren Geschmack verändert hatte. In einer höheren Position konnte man sich einiges leisten, auch wenn sie längst nicht so viel Geld auf dem Konto hatte wie der letzte Mann, den sie verhaftet hatte. Das Savoy war ein ziemlich bekanntes Luxushotel in London, und eines der wenigen, in dessen Betten sich die wählerische Russin legen würde. Das Personal war diskret, die Einrichtung stilvoll und der Zimmerservice schnell. Teuer würde der Spaß werden, aber es gab nicht viele Alternativen, die sie ansteuern würde und die noch freie Zimmer hätten.

Tatsächlich überraschte man sie negativ, denn zwei freie Einzelzimmer hatte es für diese Nacht wohl nicht mehr gegeben. Man vertröstete die Russin mit einem Doppelzimmer mit zwei Einzelbetten und bot ihr den halben Preis und eine Spirituose ihrer Wahl als Entschädigung an, und da sie wirklich müde war, sie damals auf Auslandseinsätzen schon öfter mit Pablo in einem Raum übernachtet hatte und ihr nun nicht nach langen Diskussionen zumute war, ließ sie sich darauf schließlich ein. Das Savoy war zu ihrem Glück ein Muggelhotel, was bedeutete, dass hier keine neugierigen Reporter Stoff für ihre Klatschzeitschriften suchen würden. Sie würde auch ziemlich in Erklärungsnot geraten, wenn man sie fragen würde, wieso sie sich mit dem hochgewachsenen, attraktiven Kollegen ein Zimmer in einem luxuriösen Hotel nahm...
Sie saß auf dem Bett, das näher zum Bad stand und schob sich die Pumps von den Füßen. Mantel und Handtasche hatte sie auf einen komfortabel aussehenden Sessel gelegt, und mehr als das hatte sie nicht bei sich. Keine Wechselwäsche, keine Zahnbürste, nichts. Für Hygieneartikel hatte zu ihrem Glück das gut ausgestattete Hotel gesorgt, nur hatte sie keine Kleidung, die sie zum Schlafen anziehen könnte.
Gegenüber von ihrem Bett stand ein Spiegel, und in eben jenem betrachtete sie sich kurz, während sie in ihrem Kopf den Abend Revue passieren ließ. Elliott hatte bei der Verabschiedung nicht sehr begeistert gewirkt. Vielleicht strapazierte sie seine Nerven zu sehr. Ein befremdliches Gefühl machte sich in ihrer Brust bemerkbar, als sie sich vorstellte, dass er eben doch erkannte, dass sie nicht das war, was er wollte oder brauchte. Je weniger sie bei ihm war, desto mehr würde er einsehen, dass es auch ohne sie ging. Über zehn Jahre war es ohne sie gegangen, wieso sollte es nicht auch den Rest des Lebens ohne sie gehen? Der Blick wurde vom Spiegel abgewandt und wanderte durch das teuer eingerichtete Doppelzimmer. Einen Fernseher hatten sie, doch nicht einmal für Filme hatte die Russin nun noch Kapazitäten. Die Gedanken in ihrem Kopf waren so laut, dass sie kaum die Dialoge verstehen würde.
Dass Pablo sich vor ihren Augen auszog, bemerkte sie, doch sie starrte ihn deshalb nicht ungläubig an. Alles, was es zu sehen gab, kannte sie schon. Er war kein Nudist und versuchte auch nicht, zu zeigen, was er hatte, obwohl er sich dies durchaus leisten könnte. Vielmehr war es ein gesundes Selbstbewusstsein und mangelndes Schamgefühl, kombiniert mit einer ungezwungenen Freundschaft, in welcher man ohnehin jeden Winkel des anderen kannte. Wobei Natascha beim Anblick ihres Freundes tatsächlich doch die ein oder andere neue Narbe erkannte, ohne genau hinsehen zu müssen.
"Duschen klingt gut, das sollte ich auch tun. Ich hoffe sie haben hier zwei von diesen unverschämt weichen Bademänteln", knurrte sie leise, während Pablo an ihr vorbei wanderte. "Ich werde uns etwas bestellen."

Leise rauschte das Wasser hinter der Badezimmertür, während Natascha das Telefonat mit der Rezeption führte. Sie bestellte herzhafte Köstlichkeiten, von denen sie dachte, dass sie Pablo schmecken würden und gönnte sich und ihrem Freund auch ein Dessert dazu. Es waren französische Gerichte, dessen Namen sie nicht einwandfrei aussprechen konnte, und doch verstand man sie und versicherte ihr, die georderten Speisen zusammen mit einem passenden Rotwein und der versprochenen Flasche Wodka der Sorte Beluga Gold zum Zimmer zu bringen. Seufzend legte sie sich dann auf ihr Bett, öffnete den Haarknoten und starrte an die Decke, während ihre Füße sanft über den weichen, hellen Teppich des Hotelzimmers strichen. Es war ein gutes Gefühl, Pablo nun bei sich zu haben, und doch konnte sie sich noch lange nicht ausruhen. Jetzt würde die Jagd erst so richtig los gehen.
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Mi 1 Feb 2017 - 14:41

Die Dusche war wohl das Einzige bei welcher Pablo nicht pragmatisch eingestellt war. Der Russe liebte es unter dem Wasser zu stehen. Eiskalt rauschte es aus dem Duschkopf und umspülte seinen muskulösen Körper. Als er als Kind nach Russland gekommen war, hatte ihn das oftmals kalte Wetter im Norden Russlands, wo die Temperaturen meistens bei 1-2° Celsius lagen, regelrecht wahnsinnig gemacht, war er schließlich noch das warme Wetter Spaniens gewohnt. Doch der starke trotzige Junge hatte sich daran gewöhnt, ja sogar Gefallen daran gefunden. Er hatte sich den Kältesten Regionen Russlands ausgesetzt, in welchen die Temperaturen oft auf -50° fielen und man leicht Gefahr lief zu erfrieren. Er hatte Seen aufgehackt und war im Eiswasser geschwommen. Er hatte sich gestählt und der Lohn war eine nahezu eiserne Konstitution gewesen, welche er nun sein Eigen nennen durfte.

Nach seiner Haft in Zaly Krikov, als er noch Freizeit hatte, um sich wieder an das Leben außerhalb des Gefängnisses zu gewöhnen, hatte er sich, wie schon früher, ein halbes Jahr in die Sibirische Tundra zurück gezogen. Er hatte in Einsamkeit gelebt und sich von dem Ernährt, was die Natur für ihn zu bieten hatte. Seiner Meinung nach, konnte man sich niemals lebendiger fühlen, als wenn man auf sich gestellt überlebte, oder aber einem Feind gegenüber stand. Er hatte Wild gejagt, Würmer und Wurzeln ausgegraben. Er hatte gefischt, während er durch kaltes Wasser watete. Fern ab von jedem anderen Menschen, bis man zurück beordert hatte. Das Leben war für den Auror ein beständiger Kampf und wer sich nicht mit dem Umständen und der Welt messen wollte, war in seinen Augen schwach.

Natascha hatte ihn zwar niemals in die Abgeschiedenheit der Wildnis begleitet, welche er immer aufgesucht hatte, wenn er mal wieder Zwangsweise in den Urlaub geschickt wurde, doch sie stellte sich auf ihre Art und Weise dem Leben und auch wenn sie keinen gestählten Körper besaß, so würde er sie niemals an schwach ansehen. Unter der Dusche freute er sich bereits auf das Essen. Er war kein Gourmet. Er schätzte raffinierte, feine Speisen nicht höher, als einen rustikalen Eintopf, oder gar die Kost, welche er in seinem Überlebenstraining vorfand. Essen war Essen und Essen war zum Leben da. So einfach die Sache und Pablo konnte so ziemlich immer essen. Wen wunderte es, wenn man sich lange Zeit in unwirtlichen Gegenden aufhielt, wo man nehmen musste, was man kriegen konnte, und wann man es kriegen konnte.

Entspannt seufzte er unter den Wasserstrahlen und gestattete es sich gegen die gekachelte Wand der Dusche zu sinken, während ihm das kalte Wasser über das Gesicht strömte. Doch das kleine Vergnügen währte nicht ewig. Immerhin hatte Natascha ebenso duschen wollen. Schnell seifte sich der Auror ein, spülte sich mit einigem Genuss Körper und Haare ab um sich schließlich außerhalb der Kabine zu frottieren. Seine Haare klebten ihm noch feucht auf der Haut und fielen in leicht lockigen nassen Strähnen bis über die Schultern, auf den Rücken. Genau so wie er war, kehrte er zurück in ihr gemeinsames Zimmer. Das Essen war leider noch nicht, also hieß es sich anziehen. Er wusste schon, dass die Menschen hier Nacktheit mit außerordentlicher Zurückhaltung und Scham begegneten. Wie überaus lächerlich. Warum ein menschlicher auch immer etwas war wessen man sich schämen sollte. Seine Gedanken schweiften kurz zu der fettleibigen Muggelfamilie aus dem Flugzeug und er revidierte. Einige Körper gab es dann doch derer man sich als Eigner schämen sollte.

Bademäntel hatte es tatsächlich gegeben, doch der Auror sah keinen Sinn darin, sich einen solchen umzulegen. Er fischte sich schweigsam Unterwäsche aus seinem Koffer und stieg hinein. Das würde gewiss genügen. Natascha hatte seinen Körper ohnehin oft genug gesehen. Während der Dusch-Schichtwechsel vollzogen wurde und sich nun Natascha in das Bad begab, ließ sich Pablo ohne Umschweife nach vorn auf den Boden fallen, um sich sofort mit den Armen aufzustützen und eine Liegestütze nach der anderen zu vollführen. Manch einer hätte dies wohl vor dem Duschen getan, aber manch einer wäre dadurch auch ins schwitzen geraten.

Als es an der Tür klopfte, erhob er sich wieder und nahm seinen Zauberstab von dem Nachttischschränkchen. Wachsam öffnete er die Tür und verbarg seine Bewaffnung dahinter. "Zimmerservice ihre Bestell..." Die Worte der leicht pummeligen Hotelangestellten, in der hoteleigenen weiblichen Tracht, brachen ab, während ihr mit entsetzten Augen und aufgeklapptem Kiefer die Röte in die Wangen schoss. "Gut. Habe mich schon gefragt wo der Fraß bleibt." Erwiderte Pablo auf den unfertigen Satz, auf den die Frau empört etwas erwidern wollte, sich dann aber ermahnte freundlich zu bleiben und ihm die feinen, gefüllten Porzellan-Teller und abgedeckten Platten nach und nach reichte. Als sie fertig waren, kramte Pablo kurz in seiner Hose. Er hatte noch etwas Muggelgeld. Englisches Pfund. Er drückte ihr irgendeinen Schein in die Hand. "Wohl bekomms..." brachte sie noch kehlig hervor, bevor sich die Tür wieder schloss und sie wieder allein waren. Noch immer rauschte das Wasser im Bad, als Pablo die Teller und Platten auf den Tisch verfrachtete und alles öffnete, um es akribisch auf Gifte zu untersuchen.
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Natascha Romanova
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Mi 1 Feb 2017 - 22:53

Sie riss die Augen auf, als sie bemerkte, dass das Rauschen des Wassers verstummt war. Tatsächlich wäre sie fast eingeschlafen, fühlte sie in diesem Moment doch zum ersten Mal seit Wochen so etwas wie Sicherheit, und doch stand ihr Unterbewusstsein immer auf Bereitschaft, sodass eine kleine akustische Veränderung, und wenn es nur ein Geräusch aus dem Nebenzimmer war, die Macht besaß, sie von dem wohlverdienten Schlaf abzuhalten. Sie setzte sich auf und streckte sich, blickte aus dem Fenster auf das Lichtermeer der Londoner Innenstadt, und schon bald ging die Badezimmertür auf. Wer nun auf Dampfschwaden hoffte, würde vergeblich warten.
Das Fensterglas spiegelte den gestählten Körper Pablos, und über dieses Spiegelbild konnte Natascha sehen, dass er sich Unterwäsche aus seinem Koffer suchte. Das überraschte sie ein wenig, blieb aber unkommentiert. Das Bad war frei und das Essen noch nicht da, also wurde stumm der Schichtwechsel vollzogen.

Die Hüllen ließ sie nach und nach auf dem Weg zum Bad fallen, ließ den Rock auf dem Boden liegen, schmiss die seidene Bluse auf den Sessel zu ihrem Mantel und den schwarzen Spitzen-BH achtlos über ihre Schulter. Wo er landete, sah sie nicht, aber sie würde ihn gewiss am nächsten Morgen wieder finden. Das passende Unterteil zum Büstenhalter zog sie unmittelbar vor der Dusche aus, bevor sie jedoch in diese stieg, fiel ihr Blick auf die Badewanne. Sie könnte Baden. Tatsächlich würde ihr dies wohl mal ganz gut tun...
Im Gegensatz zu Pablo ging die Halb-Veela ins andere Extrem und stieg in dampfend heißes Wasser, und damit die Temperatur konstant blieb, ließ sie den Abfluss sowieso den Wasserhahn offen. Manch einer würde vor Schmerz aufstöhnen, doch die Russin war dahingehend nicht empfindlich und gab keinen Mucks von sich. Sie konnte sich schließlich bei mieser Laune in eine feuerspeiende Furie verwandeln - wieso sollte Hitze ihr daher auch etwas ausmachen?
Das hoteleigene Duschgel gab dem heißen Badewasser einen angenehmen Duft und bildete etwas Schaum. Warm legte sich das Nass um den schlanken, nackten Körper und zwang dessen Muskeln zur Entspannung. Das aus dem Hahn laufende Wasser plätscherte vor sich hin, während die dunkelhaarige Hexe nun auch mit dem Kopf unter das heiße Wasser tauchte, wo das Geräusch des laufenden Wassers und erstmals auch ihre Gedanken deutlich dumpfer klangen. Es dauerte jedoch nicht lang, bis jedes Wort in ihrem Kopf wieder so klar wie oberhalb der Wasseroberfläche war. Wie ein Film schien sich ihr Leben vor ihren Augen abzuspielen, während sie die Luft anhielt und gedankenverloren im Schutz des Wassers ausharrte.

Ihr Leben hatte so einfach angefangen. Mit ihrer schönen Mutter Anastasija Petrova und ihrem vermeintlichen Vater Igor Petrov hatte sie bescheiden gelebt, aber sie war glücklich gewesen. Wie wäre ihr Leben wohl weiter gegangen, wenn es nicht zu dem Brand gekommen wäre? Sie wusste inzwischen, dass es nicht ihre Schuld gewesen war, doch manchmal, wenn sie genug Zeit fand, um darüber nachzudenken, beschuldigte sie sich eben doch für den Unfall, der das Leben ihrer Eltern gekostet hatte. Es war der Abend, an dem das einst blonde Haar des Mädchens unwiderruflich dunkel geworden war. Wochenlang hatte sie geweint, hatte sie geflucht, so sehr hatte sie sich dafür verachtet, sich nicht unter Kontrolle gehabt zu haben. Ab diesem Zeitpunkt war Kontrolle etwas, das ihr Leben beherrschen sollte.

Iwan Pavlov war der Mann gewesen, der sie aufgenommen hatte, und der sich im Recht gesehen hatte, das Kind zu formen, wie es ihm gefiel, nur weil es sich bei diesem Kind um seine biologische Tochter gehandelt hatte, wie sich vor fünf Monaten erst herausgestellt hatte. Natascha hatte es nie schlecht bei ihm gehabt, und doch hatte sie erkannt, dass er sie eingezäunt hatte wie ein Tier, spätestens, als sie Elliott kennen gelernt hatte. Es war ein Versteckspiel gewesen, ein in der Tat ziemlich aufregendes Versteckspiel, aber länger als es letztendlich gegangen war, hätte es auch nicht gut gehen können.
Iwan hatte Einfluss gehabt. Einfluss, den Natascha gebraucht hatte, um beruflich aufzusteigen. Damals hatte niemand die zierliche Dame mit dem strengen Blick ernst genommen, und es wäre noch heute so, wenn sie sich für Elliott entschieden hätte, ... oder? Und doch waren es zwölf Jahre, die ihnen dadurch verloren gegangen waren. Zwölf Jahre, die sie mit positiven Erinnerungen hätte füllen können. Zu gut erinnerte sie sich an die erste Verabredung am Roten Ring, und das erste gemeinsame Neujahrsfest. Es folgte ein Jahr voll von Gefühlen, die sie nie zuvor gefühlt hatte. Elliott hatte ihr kalte und heiße Schauer über den Rücken gejagt, hatte sie zum Lachen, weinen, stöhnen und fluchen gebracht. Ein Jahr lang hatte sie sich auf etwas eingelassen, was von ihr aus gegangen war, nicht von ihrem Adoptivvater - und es war wundervoll gewesen. Doch es hatte ein Ende gefunden, als ihr Versteckspiel bemerkt worden war, und es folgten zwölf Jahre, in denen Natascha nur gearbeitet hatte.
Wobei Arbeit in ihren Augen nie etwas schlechtes gewesen war, schließlich definierte sich die ehrgeizige Hexe durch ihren Beruf. Sie würde nicht sagen, dass sie in der Zeit ohne Elliott unglücklich gewesen war. Sie hatte nur gänzlich andere Prioritäten gehabt. Der berufliche Aufstieg war ihr höchstes Ziel gewesen und dieses Ziel hatte sie nun erreicht. Und doch... war sie einfach nicht zufrieden.

Pablo war noch gar nicht lange bei ihr in London, und doch erinnerte er sie schon wieder an die Leichtigkeit ihres früheren Lebens. Damals hatten sie Seite an Seite Verbrechen bekämpft, eigentlich ausschließlich, denn einen anderen Lebensinhalt hatte die Halb-Veela zu dieser Zeit nicht gehabt. Das Kapitel Elliott hatte sie nicht abgeschlossen, aber zugeklappt und das Buch versiegelt, um es dann zu vergraben, damit es hoffentlich irgendwann in Vergessenheit geriet. Hin und wieder hatte sie sich in diesen zwölf Jahren mit Männern amüsiert, die ihr aber nichts bedeutet hatten, doch wirklich oft war dies nicht geschehen, schließlich hatte sie die meisten Nächte ihres jungen Lebens ihrer Karriere gewidmet. Sie hatte es damals nie ausgesprochen oder sonst irgendwie ausgedrückt, aber in dieser Zeit war Pablo der wichtigste Mensch in ihrem Leben gewesen. Es hatte nie emotionale Gespräche zwischen den beiden gegeben, oder generell irgendwelche Gespräche die länger als fünf Sätze dauerten, aber dies war auch nie nötig gewesen. Der Spanier war ein loyaler, ehrgeiziger, intelligenter und direkter Typ von Mensch. Einer, für den sie die Hand ins Feuer legen und eine Granate fangen würde, und sie wusste, dass sie sich ebenso auf ihn verlassen könnte. Bei ihm konnte sie sich fallen lassen; ja, er war sogar einer der wenigen, mit denen sie sich traute, zu apparieren, obwohl sie dies nach einem kleinen Zersplinterungsunfall und dem daraus resultierten Verlust eines kleinen Zehs so gut es ging vermied. Aber bei ihm musste sie sich vor nichts fürchten. Er war das schützende Dach, der sichere Boden und die stützende Säule. So etwas war selten, das wusste sie, und umso mehr wusste sie es zu schätzen, dass dieser Mann nun nebenan saß, um ihr bei ihrem wohl bedeutendsten Fall zu helfen.

Es gab so vieles zu beachten, aber auch so vieles zu entdecken bei dem Mysterium Zachary Jones. Sie mochte einen kurzzeitigen Erfolg gehabt haben mit der Überführung des Giftmischers, doch sie konnte nicht ruhen, bis sie alle Flecken auf seiner vermeintlich weißen Weste entlarvt hatte. Natascha wusste, dass da mehr hinter steckte, und dass Jones nur der Mann war, bei dem die Fäden zusammen liefen. Das Problem war nur, dass er ein vorausschauender Mensch war, der seine Leute und sein Vermögen schützte. Er mochte wie ein Spieler wirken, doch er zockte nicht, war ein Mann, der die Sicherheit liebte. Er verlor nicht gern, sonst hätte er sich nicht so viel Mühe gegeben, Großteile seiner Investitionen über Dritte zu sichern. Christopher Greengrass zum Beispiel, welcher ohne Weiteres das Geschäft des Häftlings weiterführen konnte, und Natascha waren ohne Beweismittel gegen den neuen Teilinhaber die Hände gebunden. Das britische Rechtssystem boykottierte ihre Arbeit, doch sie konnte sich auch nicht dagegen wehren, oder eher: bisher hatte sie dies nicht gekonnt. Nun hatte sie eine Grauzone des Systems gefunden und würde diese mit Pablo nutzen, um ihre Methoden durchzusetzen. Hoffentlich würde man ihr nicht so schnell einen Riegel vorschieben, damit Jones die höchstmögliche Strafe bekommen würde.

Natascha wusste nicht, wie lange sie unter Wasser geblieben war, doch als sie wieder auftauchte, konnte sie durch die offene Badezimmertür Stimmen hören, wenngleich die tatsächlichen Worte vom rauschenden Wasser geschluckt wurden. Eine weibliche Stimme, dann das Gebrummel von Pablo. Kurz darauf fiel die Tür zu. Scheinbar war das Essen nun endlich da. Damit ihr Freund sie besser verstand, drehte sie den Wasserhahn nun endlich zu. Die Wasserrechnung des Hotels atmete erleichtert auf.
Oh endlich, ich sterbe vor Hunger, rief sie auf russisch während sie etwas Schaum nahm, ein Bein aus dem Wasser streckte und die haarlose Haut sanft einschäumte, um das Bein daraufhin wieder ins Wasser sinken zu lassen und dasselbe mit dem anderen Bein zu machen, Haben sie auch den Wodka gebracht? Nur langsam floss das Wasser ab, zu ihrem Vorteil, denn erst jetzt bemerkte sie, dass sie vergessen hatte, sich ein Handtuch mitzunehmen. Sie war kurz davor, Pablo zu rufen, bis ihr einfiel, dass sie ja zaubern konnte, und mit einem flotten, zauberstablosen Accio-Zauber verschaffte sie ihrem Problem selbst Abhilfe. Ein weißes Handtuch flog in ihre Hand und wurde kurz beiseite gehängt, und nachdem sie sich nur kurz kalt abgeduscht hatte, um die Haut von restlichem Schaum zu befreien, frottierte sie das lange, dunkle Haar, um den nassen Leib in das knappe Handtuch zu wickeln. Es verdeckte nicht viel, nur gerade das, was man in dieser Gesellschaft für nötig erachtete, doch in Pablos Gegenwart wäre es ohnehin unnötig gewesen, überhaupt irgendetwas zu verdecken, schließlich gehörte er nicht zu der Sorte Mann, die sich an ihrem Anblick ergötzen würde. Er kannte die Größe ihrer weiblichen Wölbungen, den Mangel ihres rechten, kleinen Zehes, die großflächigen Brandnarben am Rücken und jeden anderen Makel an ihrem Körper. Scham war auf beiden Seiten etwas, das vielleicht existierte, aber nicht verspürt wurde, wenn man untereinander war.
Die feuchte Haarpracht hatte sie über eine Schulter gelegt, als sie in das Hotelzimmer zurück kam und Pablo schon dabei erwischte, wie er das Essen untersuchte.
Immer noch ganz der Alte..., murmelte sie leise, wobei sie schmunzelnd den Kopf schüttelte. Fast hätte sie noch hinzugefügt, dass er ihr gefehlt hatte, doch das wäre vielleicht zu sentimental gewesen. Das wüsste er schließlich auch so, ohne dass sie es aussprechen musste. Sonst hätte sie ihn wohl kaum zu sich geholt.
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Mi 8 Feb 2017 - 5:10

Pablo hatte in der Zwischenzeit jede Dunstglocke geöffnet und die Speisen minutiös inspiziert. Nicht nur untersuchte er alles auf Gifte, sondern auch auf jede ihn sonst bekannte Eventualität. Zwar waren sie hier in einem Muggelhotel, aber es bestand Grund zur Vorsicht. Sie waren beide Auroren mit langer Geschichte. Es war absolut möglich das einer ihrer Feinde es über Gifte oder Flüche versuchen würde. Dazu musste man nicht einmal Nataschas momentanen Fall bedenken. Sie hatten beide genug Feinde und auch genug, die noch noch nicht im Gefängnis, oder im Grab lagen. Ebenso hatten sie viele Feinde, die sie selbst noch überhaupt gar nicht kannten.

Die Welt war ein unwirtlicher und gefährlicher Ort. Viele Menschen und Zauberer waren sich dessen nicht offen bewusst, doch er war es. Jeder könnte ein Feind sein, selbst eine Hotelangestellte. Pablo hatte akribisch bei ihr auf jede Art von verräterischem Merkmal gesucht, doch bis auf Entrüstung und Beschämung hatte er nichts bei ihr entdecken können. "Ja, ist da." Antwortete er wortkarg auf Nataschas Frage, welche sich nach dem Essen erkundigt hatte. Er hatte gerade den Vodka aufgeschraubt und untersuchte diesen mit ebenso der selben Sorgfalt. Es war ihm nicht entgangen, dass die Geräusche des Wassers aus dem Bad vor etlicher Zeit aufgehört hatten. Also würde Natascha bald heraus kommen. "Vodka ist auch da." Fügte er wie gewünscht an und schraubte die Flasche wieder zu, bevor er sich einigen Schnecken in Kräuterbutter auf einem Bett aus Salat widmete.

Er hatte bereits so einige Leute sterben sehen, weil sie nur einmal unachtsam gewesen waren. Er sah auf, als Natascha den Raum betrat und seine Tätigkeit mit einem Spruch kommentierte. Er musste darauf nicht antworten. Natürlich würde er vorsichtig sein und er war sich sicher, dass sie mit keinem anderen Anblick gerechnet hatte. "Ist in Ordnung das Zeug." zog er sein resümee aus der Untersuchung und zog sich und Natascha mit einem Wink des Zauberstabes je einen Stuhl heran. Er hatte einen ziemlichen Hunger. Über einem Haufen Fressalien zu brüten und diese zu untersuchen, machte dies nicht gerade besser. "Setz dich. Iss." Forderte er seine Freundin auf und bediente sich, indem er bereits großzügig von diversen Speisen auf seinen leeren Teller schöpfte.

Der Vodka und eine Flasche Wasser öffneten sich von allein und befüllten je zwei Gläser, gut zu unterscheiden, welche sich sofort wie von selbst an ihre jeweiligen Plätze schoben. Pablo hatte noch nie einen Sinn darin gesehen, mit dem Essen groß zu warten, bis alle saßen, noch sah er Sinn darin auf einen gemeinsamen Abschluss oder sonstige Etikette zu achten. Mit bloßen Fingern klaubte er hungrig von seinem Teller auf, was er sich aufgeladen hatte und begann direkt mit großen Bissen zu vertilgen. Ganze Legionen von Engländern und Franzosen hätten wohl kollektiv bei diesen Tischmanieren aufgeseufzt. Auch in Russland galt er nicht als angenehmer Tischgast. Er nickte immer wieder, während er die Genießbarkeit im Geiste abwog und spülte die Bissen mit Wasser und Vodka runter.

Sein voll beladener Teller schien unter dem Ansturm seiner Gier nahezu dahin zu schrumpfen. "Erzähl von dem Kerl, den du hochgenommen hast." forderte Pablo zwischen zwei Bissen auf. Selbst beim Essen vergaß er die Arbeit nicht. Es brannte in ihm, etwas von der Made zu hören, dessen Speichellecker sich erdreisteten Natascha solche kümmerlichen Drohungen in den Briefkasten zu stopfen. Früher wäre dies alles kein Grund zur Sorge gewesen, doch Pablo war über den Zustand Nataschas beunruhigt. Sie war unaufmerksamer, unausgeglichener. Sie würde Dinge übersehen, würde in der Wachsamkeit nachlassen und dann würden auch solche Gestalten, die Hasenköpfe in Briefkästen schmissen zu einer Gefahr werden, deren Risiko man einfach nicht einging.

Im Geiste hatte er aufgrund dessen ohnehin schon die ganzen Besichtigungstermine für Wohnungen in den Wind geschossen. Er würde sich bei ihr einquartieren. War es unverschämt das zu entscheiden? Vielleicht. War es das Beste für sie? Gerade ja. Es gefiel ihm nicht sie in irgendeiner Weise bevormundend zu behandeln und sie wusste auch, dass dies niemals in seiner Absicht lag, doch die beiden waren unter anderem so gut zusammen in ihrem Job, als Team gewesen, weil sie stets die Aufmerksamkeitslücken des Anderen ausgeglichen hatten. Und so würde es wieder sein, auch wenn Pablo dieses Mal einen größeren Löwenanteil übernehmen müsste. "Ich bleibe übrigens bei dir." Teilte er ihr mit. "Keine Wohnungsbesichtigungen. Du brauchst die Augen die auf deinen Rücken achteten." Erklärte er ohne Anklage, oder Geringschätzung. Es würde ihr vermutlich nicht gefallen zuzugeben, das ihre Verantwortung sie soweit zermürbt hatte, das diese Worte zutrafen, aber er kannte ihre pragmatische Seite, die sich von klaren Tatsachen niemals abwandte. "Wie ist er? Weiß nur das er Jones heißt."
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Natascha Romanova
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Sa 18 Feb 2017 - 18:51

Die dunkelhaarige Russin setzte sich auf einen der von Pablo herangezogenen Stühle und überblickte die georderten Köstlichkeiten, während ihr Freund sich bereits einiges davon auf den Teller schöpfte. Es waren gute Dinge dabei, leider aber auch Sachen, die auf der Karte besser geklungen hatten, als sie nun aussahen. Was aber natürlich nicht heißen musste, dass es nicht schmeckte. Sie würde trotzdem alles probieren, denn wie Pablos Untersuchungen gezeigt hatten, würde nichts davon tödlich sein.
Sie begann mit dem Filet Mignon, von welchem sie sich zusammen mit etwas Spargel und ein Paar Kartoffeln eine Scheibe auf ihren Teller geladen hatte. Wodka hatte sie sich ebenfalls eingeschenkt - auf Wasser verzichtete sie jedoch erstmal. Pablos animalische Art und Weise, sein Essen zu vertilgen, kannte sie bereits, weshalb sie ihn nicht überrascht ansah, wie es wohl die Damen und Herren einige Stockwerke tiefer im Restaurant des noblen Hotels getan hätten. Sie selbst benutzte Messer und Gabel, verurteilte Pablo jedoch auch nicht dafür, dass er es nicht tat. Zugegebenermaßen wäre der Verzicht auf Besteck bei festen Speisen durchaus effizienter.

Gefräßiges Schweigen herrschte zwischen den Kollegen, bis der raue Russe das Schweigen brach. Er war neugierig auf Nataschas aktuellen Fall, und angesichts dessen, was er vorhin zu sehen bekommen hatte, war das nur verständlich. Kauend ließ sie Messer und Gabel sinken, schluckte den letzten Bissen hinunter und spülte mit einem Schluck Wodka nach. Sie hatte eigentlich nicht vor gehabt, alles an diesem Abend noch zu klären, aber die Umstände waren nun doch ganz anders als erwartet. Pablo schien zu merken, dass dies eine ganz andere Liga war als das meiste, was sie zusammen schon bewältigt hatten. Wohl schwebte es ihm vor, zu Natascha zu ziehen.
"Du kannst gerne bei mir bleiben, und ich sehe ein, dass mir ein zusätzliches Augenpaar momentan nicht ungelegen kommt, aber ich sollte die Winkelgasse lieber verlassen." Sie hatte keine Angst, dass man sie noch einmal besuchen kam, sie wusste nur leider, dass sie in letzter Zeit nicht die ausgeglichenste und daher ein leicht zu erledigendes Ziel war. Sie hatte auch keine Angst davor, dass man sie eines Nachts kaltblütig ermordete, aber da war dieser Wille, zumindest noch solange am Leben zu bleiben, bis der Prozess im Fall Zachary Jones vorbei war. Außerdem schien sie das Böse anzulocken, und in der Winkelgasse lebten zu viele unschuldige Seelen, die davon nicht betroffen werden sollten. Darunter eine ganz besondere. Sie konnte nicht zulassen, dass Elliott womöglich in den Fokus der Verbrecher gelangte. "Lass uns die Wohnungsbesichtigungen bitte machen und nach etwas geeignetem für uns beide Ausschau halten, in Ordnung? Ich sollte vielleicht für einige Zeit untertauchen."

Nun kam es zum Thema des Abends zurück. Der smarte Brite mit dem charmanten Lächeln, der jenes nicht einmal in einer Gefängniszelle ablegte. Ein gruseliger Kerl, doch momentan war er selbst ungefährlich. Das, was er hinterlassen hatte, war es leider nicht.
"Sein Name ist Zachary Jones, 36 Jahre alt, Brite. Ihm gehört ein ziemlich angesagter Club für Hexen und Zauberer, das Rabbit's Hat, in einem Muggelbezirk Londons, doch wie sich herausgestellt hat, hat er diesen Laden nur zur Geldwäsche gebraucht." Die dunklen Augen legten sich ernst auf den streng wirkenden Spanier. "Er hat so viel Dreck am Stecken, dass ich nicht einmal weiß, wo ich anfangen soll. Herstellung von illegalen, magischen Substanzen sowie der Handel damit, auch an Minderjährige, Entführung, Erpressung und ich möchte gar nicht wissen, wie viele Morde der Gentleman zu verantworten hat." Dass der Milliardär seine Steuern nicht artig bezahlte kam noch dazu, aber das war eines der harmlosesten Vergehen des vielschichtigen Briten. "Habe ihn festgenommen, als er seinen Bruder Nathaniel Jones vergiftet hat. Dieser war so freundlich, meinen Lockvogel zu spielen." Sie schenkte Pablo ein bitteres Lächeln, da dieser sich vielleicht vorstellen konnte, dass wegen des Todes ihres Lockvogels Scheiße ohne Ende auf sie hinab rieselte. Die Presse kritisierte sie dafür, doch es wäre nicht anders gegangen. Opfer mussten manchmal gebracht werden, doch noch bitterer war an dieser Schlammschlacht, dass Nathaniels Tod nur vorgetäuscht war, um ihn vor Zacharys Leuten zu beschützen. "Nun sitzt Zach Jones in Askaban während ich noch zwei Monate Zeit habe, seinen Dunstkreis zu durchsieben und weitere Beweise zu finden, damit er die Höchststrafe bekommt. Dummerweise hat er Freunde, die noch frei herum laufen und mir das Leben zur Hölle machen wollen, wenn ich meine Ermittlungen nicht einstelle. Kleinkriminelle, mit denen ich meine wertvolle Zeit nicht verschwenden möchte, und doch haben sie heute irgendwie den Bogen ein wenig überspannt." Ihr Blick verfinsterte sich, während sie ein Stück Fleisch mit ihrer Gabel aufspießte und sie dieses an ihre Lippen führte, es jedoch noch nicht in den Mund nahm. "Fakt ist, dass Jones nur ein Glied einer längeren Kette ist. Vielleicht ist es auch eine Pyramide, von welcher er die Spitze ist - aber er ist jedenfalls nicht allein. Diese Personen, die unter und mit ihm arbeiten, zu kriegen, ist jedoch nicht so leicht. Es gibt nicht einmal Hinweise, wer diese Personen überhaupt sind." Das Personal des Rabbit's Hat hatte sie schon im Verhör gehabt, und obwohl sie den ein oder anderen dafür verdächtigte, mehr zu wissen, machte es das englische Strafsystem unmöglich, es herauszufinden. Es gab Tränke, die die Wahrheit ans Licht bringen könnten, und doch würde Natascha ihren Job verlieren, wenn sie es auch nur anfragen würde. Wieso nur war die Würde des Menschen in diesem Land von so großer Bedeutung, selbst wenn es darum ging, Verbrechen aufzuklären?
"Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Hasenkopf von Jones' Anhängern kommt, auch wenn es nicht zu Jones selbst passt. Es ist nicht sein Stil. Du solltest ihn vielleicht mal kennen lernen, um ihn einschätzen zu können", raunte sie geheimnisvoll. Besuche waren in Askaban durchaus zulässig - jeden Tag seit seiner Verhaftung war ein Auror vom Festland bei Jones, um ihn zu Verhören. Leider war er nicht sehr kooperativ. "Er ist ein widerwärtiger Typ. Ich wünschte, er könnte die Todesstrafe bekommen." Nun nahm sie endlich mit ihren Zähnen das Stück Fleisch von der Gabel, um es mit angespanntem Blick zu zerkauen. Ja, die Todesstrafe wäre genau das richtige für einen Mann wie Jones. Schade nur, dass diese in England nicht praktiziert wurde...
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Fr 10 März 2017 - 10:17

Pablo nickte lediglich, während er ein Fleischstück in seine inzwischen fettigen Finger nahm und geräuschvoll mit seinen Zähnen daran riss. Das Zeug war okay, doch er machte keinen Unterschied. Nahrung war Nahrung. Ab und an spülte er die Bissen mit Wodka herunter. Dann würden sie eben doch diese Wohnungsbesichtigungen machen. Schade. Er hatte gehofft ein Statement setzen zu können. Seine Augen hatten sich dabei eine Spur verengt. Er wusste, die Natascha, die er noch von damals kannte, hätte das genau so gesehen. Es war nicht dumm so etwas zu tun, nicht wenn Wachsamkeit an oberster Stelle stand, aber es verleitete weniger intelligente Kriminelle dazu Fehler zu machen und wer Fehler machte, befand sich schon wenig später in Pablos Fingern und würde im übertragenen Sinne das erfahren, was sein Essen gerade in seinen Händen erdulden musste. Aber sie sah auch nicht gut aus und auch wenn stets darauf beharrt hatte, mit feinen Tischmanieren zu speisen, so hatte sie bis jetzt weniger angerührt, als es für sie normal gewesen wäre. Warum wollte sie aus der Winkelgasse weg? Der Kopf und die Tatsache das SIE Jones festgenommen hatte, machten es eindeutig, dass sie der Fokus sein würde. Versuchte sie jemanden zu schützen? Eine dumpfe Ahnung stieg in dem Auror hoch.

Was dachte sich Natascha dabei? Für einen erfolgreichen gab es nur eine Sache und die nannte sich Pflicht! Es gab keinen Platz für Liebesdinge, die über mehr als eine flüchtige Nacht hinausgingen. Bindungen machten schwach und Verwundbar. Das wusste sie, musste sie wissen. Wut stieg in dem muskulösen Mann auf. Irgendjemand machte Natascha schwach, schränkte sie dadurch ein und brachte sie nebenbei in Gefahr. Wütend war er auch auf sie. Sie wusste das sie sich solches nicht leisten konnte. Er wusste aber auch, dass sie ihn niemals belügen würde. Sie würde niemals riskieren dieses blinde Vertrauen, dass zwischen ihnen herrschte zu zerstören. Die Tatsache dass sie also niemanden erwähnte, machte klar, dass es keine offizielle Bindung war. Egal, schlimm genug. Doch nahm ihre Beschreibung dieses Mannes Jones ihn in Anspruch. Er schlang, er verzehrte, er schmatzte und hörte jedes einzelne verdammte Wort. Seltsam. Sie hatten nach der Beschreibung zusammen schon Gefährlichere Männer und Frauen hochgenommen. Zugegeben, die Syndikate waren noch etwas anderes, aber wenn er an Yuri Zovova aus Russland dachte, der dort ein Syndikat von großer Macht unter einer eisernen Ägide geleitet hatte, klang dieser Jones in ihren Erzählungen fast wie das Weisenwürstchen, welches er nun einmal einmal war. Er nickte, als sie den Lockvogel erwähnte.

Die Taktik hatte er selbst schon benutzt. Zudem war er dafür bekannt, sich nicht von menschlichen Schutzschilden aufhalten zu lassen. Es war eine einfache Sache, sie zu erledigen, wenn sie sich mit einer Geisel überlegen fühlten und nicht ahnten, dass geteilte Aufmerksamkeit tödlich war. Wenigstens dort zeigte Natascha durchaus ihren alten Schneit. Jones war ein Feigling. Russische Gangster hatten wenigstens die Eier sich die Finger schmutzig zu machen, auch wenn sie das nicht mussten. Dieser Mann klang nicht so. Er lauschte ihrer Erzählung bis zum Schluss und warf schließlich einen abgenagten Knochen auf seinen Teller. Seine Finger hinterließen Abdrücke auf dem Wodka-Glas, welches er leerte und geräuschvoll aufstieß. „Gut, wir gehen Wohnungen anschauen.“ Stimmte er zu und dachte einen kleinen Moment nach. „Ich werde allerdings erstmal im Ministerium alle Akten durchsehen. Muss alle Auroren kennen, wenn ich stellvertretend leiten soll.“ Er schenkte sich nach und kippte den Inhalt des Glases direkt wieder hinunter. „Jones besuchen kann ich auch später noch. Ich werde mir die Akten durchsehen und schauen, ob ich selbst jemanden auf meine Art vernehme. Keine Sorge, Jones ist ein Feigling von dem was du erzählst.“

Damit schien das Thema Jones für ihn erst einmal vom Tisch, abgehandelt in wenigen Worten. Sein Blick verdüsterte sich jedoch direkt wieder als sich einige Fleischfasern zwischen den Zähnen herauszog und seine Finger mit einem Tuch abwischte. „Und lass den Typen sein, oder Frau, oder was auch immer.“ Er war nie besonders sensibel, also platzte das Thema einfach aus ihm heraus. „Du weißt du kannst es dir nicht leisten. Bindungen machen schwach, das weißt du ebenso. Einmal Hand an ihn und du zögerst.“ Mit einem mahnenden Blick erhob er sich und schob sich noch ein Stück Brot in den Mund. Er kaute nur wenig und schluckte es hinunter. Er schüttete noch ein Glas Wodka herunter und überließ Natascha den Rest der Flasche, der immerhin noch für zwei bis drei Gläser ausreichen würde. Dann Trat er an das Fenster und blickte durch die spiegelnde Scheibe, hinab auf die Millionenstadt, deren Lichtermeer nahezu die Konturen der Gebäude nachzogen.

Einige wenige Minuten starrte er hinaus, bis er sich wieder zu Natascha umdrehte. „Ich brauche dich stark wie immer, genau so wie du mich. Also mach dich nicht schwach, ich habe einiges vor in diesem Land. Ich bin nicht ohne Pläne gekommen Natascha und für die wirst du stark sein müssen.“ Dann wandte er sich ab und schritt mit federnden, raubtierhaften Schritten wieder in das Bad. Zahnpflegeprodukte standen bereit. Er kümmerte sich nicht darum, wie qualitativ hochwertig dies sein sollte, oder auch nicht, sondern begann sich die Zähne sauber zu schrubben. Als er sich den Mund ausgespült hatte, kehrte er wieder zurück zu ihr. „Werde mich hinlegen und etwas schlafen. Solltest du auch tun.“ Und mit diesen Worten ließ sich Pablo auf sein Bett sinken, knackte noch einmal mit den Hals und Fingerknochen, so wie er es immer zu tun pflegte, bevor er sich schlafen legte.
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BeitragThema: Re: Verstärkung naht!   Mo 1 Mai 2017 - 22:58

Natascha verkniff sich ein erleichtertes Aufatmen, als ihr alter Freund einwilligte, sich mit ihm Wohnungen anzusehen. Es war nicht ihr Stil, sich zu verkrümeln, nun, da es ernst zu werden schien, doch sie sah sich momentan einfach nicht in der Verfassung, auf sich selbst aufpassen zu können, sodass sie ein leicht anzugreifendes Ziel darstellte. Dieser Fall war zu wichtig und zu groß, als dass sie sich auch nur ein bisschen Leichtsinn erlauben konnte, und doch stand dieses Wissen im Kontrast zu ihren Gefühlen. Es waren Gefühle, welche sie dazu trieben, jegliche Gefahr von dem Zauberstabhersteller fern halten zu wollen. Sie selbst würde nicht von Liebe sprechen, war dieser Begriff doch eher negativ konnotiert und ihr Verhältnis zu Elliott nicht klar genug definiert, aber er war ihr wichtig, weshalb sie es sich nie verzeihen könnte, sollte man ihm ihretwegen auch nur ein Haar krümmen. Nachdem Pablo einige Worte zur Beruhigung gesprochen hatte, machte er deutlich, dass ihm diese neue Facette an seiner Kollegin aufgefallen war, und ertappt ließ die Halb-Veela ihre Gabel sinken, ebenso ihren Blick. Sie hatte Elliott nicht einmal erwähnt, und doch wusste der Spanier, was mit seiner alten Freundin los war. Sie konnte ihm eben nichts vor machen.

"Pablo....", kam es leise über ihre Lippen, worauf sie ihren Teller von sich schob und betreten zur Seite sah. Sie fühlte sich hin und her gerissen, schließlich war der smarte Brite ihr wichtig, zu viele schöne Dinge hatte sie mit ihm erlebt. Doch der Rat ihres rauen Freundes, an dessen Seite sie zahlreiche Abenteuer bestritten hatte, war ihr ebenfalls wichtig. Wenn sie auf ihren Verstand hörte, würde sie Pablo nun zustimmen und den Kontakt zu Elliott sofort abbrechen. Doch ihr Herz verlangte nach einer Alternative, oder zumindest einen Kompromiss. Ende des letzten Jahres hatte sie ihren Verflossenen erst wieder gefunden, nun sollte sie ihn schon wieder fallen lassen? Die Russin hatte ihn schon einmal im Stich gelassen - ein weiteres Mal würde er es wohl kaum vertragen. Sie würde es verstehen, wenn er dann wirklich nichts mehr von ihr wissen wollen würde. Und obwohl es ihr einen Stich in die Brust setzte, klang es nach dem vernünftigsten Weg. Nur, wenn sie sich von Elliott fern hielt, konnte sie ihn auch beschützen. Sie hoffte nur, dass er es nicht falsch verstehen würde...

"Ja...", brachte sie dann etwas heiser hervor, worauf sie mit mattem Blick ihr Wodkaglas leerte. Er hatte Recht, sie musste stark sein und konnte es sich nicht leisten, Schwachstellen zu haben. Diese Erkenntnis war nicht neu, sie war einst ihre Devise gewesen, doch die Zeit in diesem Land hatte sie verweichlicht, gelähmt. Wenn sie der Gerechtigkeit nutzen wollte, musste sie Opfer bringen, und dazu gehörte es dann wohl auch, auf ein Privatleben zu verzichten. Wieso nur bedauerte sie dies in diesem Augenblick so sehr? Sie hatte dreizehn Jahre lang für ihren Beruf gelebt, ohne Freunde oder richtige Familie. Es hatte prima funktioniert, wieso also fiel es ihr so schwer, dorthin zurück zu kehren? Ihr Blick glitt aus dem großen Fenster des Hotelzimmers in das Lichtermeer der Stadt und verweilte dort, während Pablo im Bad seine Zähne putzte. Sie kämpfte mit sich, ob sie Elliott einen Brief schreiben sollte, in welchem sie ihm erklärte, wieso sie in nächster Zeit weniger von sich hören lassen würde, doch dann fiel ihr ein, dass es wohl besser war, wenn sie keine Signale aussandte, die man zurückverfolgen konnte. Sie hatte zu viele Feinde und sie war froh, dass diese wahrscheinlich nicht einmal ahnten, wo die Russin in diesem Moment steckte. Leicht zuckte sie zusammen, als ihr Freund laut mit seinen Gelenken knackte, ehe er sich ins Bett legte.
"Gute Nacht, Pablo...", hauchte sie schließlich, worauf sie mit einer Handbewegung das Licht löschte und aufstand, sich sicher durch die Dunkelheit zum Badezimmer bewegte, doch im Rahmen blieb sie noch einen Moment stehen. "Und danke, dass du hier bist, alter Freund." Er hatte sie wach gerüttelt; nicht sanft, aber effektiv. Doch nun müsste sie erst einmal eine Nacht schlafen, um entscheiden zu können, wie es in ihrem Leben weitergehen sollte ... und ob Elliott in diesem Leben noch einen Platz finden würde.

Natürlich blieb sie in dieser Nacht schlaflos.
ENDE

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